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Tochterunternehmen stemmt weltweite Bepanthen-Produktion

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18.07.2008 Das OTC-Geschäft ist ein Markengeschäft. Das Image wirkt hier nicht nur im Hintergrund wie bei ethischen Arzneimitteln, die verschrieben und von Patienten deshalb selten markengezielt nachgefragt werden. Bei rezeptfreien Produkten ist die Marke ab- und vor allem wiederverkaufsfördernd. Das wirkt sich auf die Produktpräsentation genauso aus wie auf die Gestaltung der Produkt-Range und die notwendige Flexibilität am Markt. Den OTC-Markt bedienen zu können gibt einem derzeitigen Trend weiteren Auftrieb: den zur Lohnherstellung.

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Entscheider-Facts


  • Für Lohnhersteller, die als OTC-Produzenten agieren, ist es existenzbestimmend, ihr Produktionsportfolio an den Marktbedürfnissen auszurichten.
  • Das umfasst sowohl den Maschinenpark als auch die Fähigkeit, Prozesse schnell und sicher zu beherrschen.
  • Im boomenden Outsourcing-Geschäft ist es von entscheidender Bedeutung, sich ein eigenes zu schaffen und sich eine eigene, aber nicht zu schmale Nische zu erarbeiten.
  • Nicht nur Schnelligkeit und Wirtschaftlichkeit sind in der Lohnherstellung gefragt, sondern auch und vor allem Flexibilität.
  • Zur perfekten Performance gehört die Fähigkeit, Prozesse effizient zu gestalten, um mit der Billigkonkurrenz mithalten zu können und den verschiedenen gesetzlichen Anforderungen gerecht zu werden.

Als bewährte Marke im sich ständig wandelnden OTC-Markt zu bestehen ist nicht allein eine Frage des starken Markenkerns. Mit der Kraft des „guten Namens“ wird das Portfolio ausgebaut, können neue Geschäftsfelder erschlossen werden. Für die Produktion bedeutet das zum einen, bewährte Wirkstoffkombinationen in neuen Darreichungsformen anzubieten, zum anderenaber auch, diese schnell in hohen Auflagen mit gleichbleibend hoher Qualität fertigen zu können.

„Als OTC-Produzenten sind wir Markenhersteller“, lautet demnach die nur auf den ersten Blick provokant wirkende Aussage von Dr. Carl-Alexander Scheef. Scheef leitet den Geschäftsbereich „Salbenherstellung und -verpackung“ von Lohnhersteller und Bayer-Tochterunternehmen GP Grenzach Produktions GmbH. Kerngeschäft ist die Herstellung der weltweiten Bepanthen- und Bepanthol-Produktpalette. Was vor mehr als 50 Jahren schlicht mit einer Wundsalbe begann, umfasst heute ein wachsendes Portfolio von derzeit 15 Produkten zur Wundheilung und Hautpflege.

Selbstständiges Agieren bringtMarktstärke

„Es ist viel Aufwand, jedes Produkt immer auf dem gleichen Niveau zu fertigen“, erklärt Scheef. „Bei seinen Wiederholungskäufen erwartet der Kunde ein immer gleiches Produkterlebnis, auch wenn dieses aufgrund der oftmals verwendeten natürlichen Rohstoffe Schwankungen unterzogen ist.“ Formulierungen änderten sich darüber hinaus je nach Vertriebsregion und je nach Verpackungsform. Im Ergebnis müssen sie aber immer den Standards der Marke entsprechen.“ Bei GP kommen so zwölf verschiedene Produktvarianten des Heil- und Pflegesortiments in Tuben aus Aluminium, Laminat oder Polyethylen, in Flaschen oder in Sachets zusammen. Allein über die Tuben kommen Auflagen von jährlich rund 60 Millionen zustande, Tendenz steigend.

Aufwand, den immer mehr Pharmakonzerne auslagern. Für als Lohnhersteller agierende OTC-Produzenten ist es existenzbestimmend, ihr Produktionsportfolio an den Marktbedürfnissen auszurichten. Das umfasst sowohl den Maschinenpark als auch die Fähigkeit, Prozesse schnell und sicher zu beherrschen. GP simuliert beispielsweise Prozesse in einem Technikum, stellt an Pilotanlagen Prozesse auf künftige Produktionsanforderungen ein. Die Fehlerquoten sind seither kontinuierlichgesunken.

Flexibilität für alle

Auch wenn Bepanthen das Gros der Aufträge bei der Bayer-Healthcare-Tochter ausmacht: Der Lohnhersteller muss aus eigener Kraft am Markt bestehen. „Im derzeit boomenden Outsourcing-Geschäft bedeutet das, sich ein eigenes Profil zu schaffen, seine eigene, nicht zu schmale Nische zu erarbeiten“, sagt Scheef. GP weitet seine Salbenherstellung daher von Fettsalben auf Cremes und Lotionen aus. Drei neue Fertigungslinien schaffen Kapazitäten, mit denen alle Chargengrößen bis hin zu klinischen Prüfmustern herzustellen sind. Darüber hinaus baut GP ein steriles Salbenzentrum zur Herstellung und Abfüllung aseptischer Augensalben aus, welches die eigene Spezialisierung auf die steigenden Anforderungen in diesem Bereich unterstützt.

Vom Portfolio-Tuning profitieren auch die Konzerne. Genau wie der internationale OTC-Markt wächst auch Bepanthen. Mit einer nahezu voll automatisierten Fertigungslinie sind Steigerungsraten in der Produktion machbar. Der Wechsel von wieder verwendbaren Edelstahlcontainern zu speziellen Einmalbehältnissen für hochviskose Produkte– sogenannte Fluid Bags – beschleunigt den Abfüllprozess von Salben und Cremes ebenfalls und macht zeit- und kostenintensive Reinigungsvorgänge überflüssig. Doch nicht nur Schnelligkeit und Wirtschaftlichkeit ist in der Lohnherstellung gefordert, sondern auch und vor allem Flexibilität. Rezepturen im Übergangsbereich zwischen Arzneimitteln und Kosmetika (Cosmeceuticals) werden immer komplexer. Während klassische Arzneisalben in der Regel fünf bis zehn Rohstoffe enthalten und ihre Wirksamkeit vor allem aus dem Arzneistoff beziehen, können heutige auf Konsumentenanforderungen abgestimmte Formulierungen aus 25 und mehr Komponenten bestehen.

Marktbeobachtung definiertLeistungsangebot

„Perfekte Performance macht Lohnherstellung erst konkurrenzfähig“, konstatiert Scheef von GP. „Sie müssen sich ihre Nische suchen, aber diese auch gut bearbeiten können.“ Dazu gehöre die Fähigkeit, Prozesse effizient zu gestalten, um kostenmäßig mit der Billiglohnkonkurrenz mithalten zu können, aber auch, verschiedenen relevanten internationalen gesetzlichen Anforderungen gerecht werden zu können.

Die „perfekte Performance“ reicht idealerweise über die reine Produktionsleistung hinaus. „Wer komplette Supply Chains beherrscht, ist näher am Kunden und kann so viel schneller auf Anforderungen reagieren beziehungsweise Antworten auf Marktanforderungen schneller an den Kunden weitergeben“, so Scheef. Auf Basis kontinuierlicher Marktbeobachtung einerseits und Netzwerken mit Verpackungszulieferern andererseits erarbeitet GP Verpackungskonzepte, die nahtlos an den Produktionsprozess andocken. Ein Aspekt, der nicht nur im markengetriebenen OTC-Bereich eine immer wichtigere Rolle im Portfolio serviceorientierter Lohnhersteller spielt. „Die Produktpräsentation verändert sich“, sagt Scheef. „Kombinationspackungen werden verstärkt nachgefragt. Und die zunehmende Direktbelieferung von Drugstores und Apotheken hat die Präsentation in verkaufsfertigen Displays und kleinere, zum Teil markenspezifisch bedruckte Versandkartons zur Folge: Lohnfertiger müssen diese Entwicklungen kennen, um die daraus entstehenden Anforderungen umgehend bedienen zu können.“

Heftausgabe: Juli-August 2008
Christiane Hilsmann ,freie Fachjournalistin

Über den Autor

Christiane Hilsmann ,freie Fachjournalistin

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