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Trainee-Programme für junge Wissenschaftler und Ingenieure

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16.02.2009 Geeignete Führungskräfte zu finden, ist für Unternehmen keine leichte Aufgabe. Eine Lösung können Trainee-Programme sein, die junge Menschen gezielt auf künftige Spezialisten- und Führungsaufgaben vorbereiten. Ein Beispiel hierfür ist das Programm „Betriebsassistenten“, das der Dienstleister Provadis im Auftrag von Sanofi-Aventis durchführt.

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Entscheider-Facts


  • Trainee-Programme bieten Unternehmen die Möglichkeit, junge Naturwissenschaftler und Ingenieure gezielt auf künftige Spezialisten- und Führungsaufgaben vorzubereiten.
  • Bildungsdienstleister qualifizieren die Nachwuchsführungskräfte im Auftrag von Pharmaunternehmen unter anderem zu Betriebsassistenten. Nach dem Auswahlverfahren erhalten die Kandidaten einen auf anderthalb Jahre befristeten Arbeitsvertrag.
  • Die Trainees nehmen zunächst an Seminaren und Praktika teil, anschließend wechseln sie in ausgewählte Abteilungen des Pharmaunternehmens. Sie können dabei unter anderem Wissen erwerben, das im Studium nicht in ausreichendem Maße vermittelt wird.

Unsere Bewerber haben sich für ein Trainee-Programm entschieden, weil sie dadurch gezielt ihre fachlichen und persönlichen Fähigkeiten weiterentwickeln können, die sie in ihrer zukünftigen Rolle als Spezialisten oder junge Führungskräfte brauchen werden“, erklärt Harald Müller. Der Diplom-Psychologe von Provadis Partner für Bildung und Beratung hat unter anderem den Auswahlprozess des Anfang Oktober 2008 gestarteten Programms „Betriebsassistenten“ von Sanofi-Aventis koordiniert. Ziel des Pharmaunternehmens ist es, die Trainees später als Betriebsleiter, Spezialisten oder Projektleiter einsetzen zu können.

Mit Hilfe von Anzeigen in Online-Stellenbörsen und der gezielten Ansprache von Hochschulen haben die beiden Unternehmen 14 möglichst promovierte Naturwissenschaftler gesucht, die nach Abschluss des Programms in den Bereichen Produktion, Prozessentwicklung, Ingenieurtechnik oder Quality eingesetzt werden können.

Im Assessment Center

300 Bewerbungen gingen bei dem Bildungsdienstleister ein – vor allem von Biologen, Biotechnologen und Chemikern, vereinzelt auch von Pharmazeuten und Ingenieuren. Nach den vorab in den Einsatzbereichen des Pharmaunternehmens erstellten Anforderungsprofilen wählten Müller und seine Kollegen insgesamt 50 Bewerber aus, die in Zehnergruppen zu einem Assessment Center eingeladen wurden. An diesen Auswahltagen nahmen auch Führungskräfte und HR-Leiter (Human Resources) des Pharmaunternehmens teil. Einerseits um sich in realitätsnahen simulierten Arbeitssituationen ein Bild von den Bewerbern zu machen, andererseits aber auch, um über das Unternehmen, die Arbeitsbereiche und Entwicklungsperspektiven zu informieren.

Nachdem jeder Bereich seine Auswahl getroffen hatte, erhielten die Kandidaten vom Dienstleister einen auf anderthalb Jahre befristeten Arbeitsvertrag. Anschließend wurden sie per Arbeitnehmerüberlassung für die betrieblichen Einsätze vor Ort zu 100% an das Pharmaunternehmen ausgeliehen. Über eine mögliche Anstellung entscheidet der Auftraggeber erst zum Ende des Programms. „In der Vergangenheit haben wir bei den bereits abgeschlossenen Trainee-Programmen alle Teilnehmer, die unsere Erwartungen erfüllten, übernommen“, bestätigt Ute Herzog, Personalleiterin des Bereichs Industrial Affairs. Die Investition in die Qualifizierung der Trainees solle sich schließlich lohnen.
Müllers Kollege Dirk Veltjens war als Leiter des Programms an der Auswahl der 14 Trainees beteiligt und steht ihnen während ihrer anderthalbjährigen Ausbildungszeit als Betreuer und Ansprechpartner zur Verfügung. Er kennt die Herausforderungen, vor denen die Nachwuchsführungskräfte nach Abschluss ihres Studiums stehen: „In ihrem jeweiligen Fachgebiet sind alle hervorragend ausgebildet. Aber ihnen fehlen Kenntnisse in Bezug auf Sicherheitsvorschriften, im Umgang mit Behörden oder in der Mitarbeiterführung, weil diese Dinge im Studium nicht in ausreichendem Maße vermittelt werden.“ Auch in praktischen Belangen hätten die Trainees, die im Studium in der Regel nur mit überschaubaren Mengen an Chemikalien gearbeitet haben, mitunter Nachholbedarf: „Wenn sie das erste Mal einen großtechnischen Ansatz vorbereiten, gehen vielen buchstäblich die Augen auf.“

Vom ersten Tag an eingebunden

Daher stehen für die Trainees in den ersten drei Wochen ihrer Ausbildung zunächst Praktika auf dem Programm, die im Technikum des Bildungsdienstleisters durchgeführt werden. Die künftigen Betriebsassistenten absolvieren an Anlagen und Maschinen, wie sie auch beim späteren Arbeitgeber stehen, Unterweisungen in mechanischer und thermischer Verfahrenstechnik, in angewandter Prozessleittechnik und im Komplex „Messen, Steuern, Regeln“. Der Vorteil: Die Trainees lernen auf diese Weise die Maschinen und Anlagen unter praxisnahen Bedingungen kennen. Erst danach wechseln sie in die jeweiligen Abteilungen des Pharmaunternehmens, wo sie etwa 75% der Arbeitszeit verbringen, die das Trainee-Programm umfasst.

Insgesamt 60 Tage sind für Praktika und Seminare angesetzt, die Veltjens für seinen Auftraggeber plant. Die Seminare, die zwischen einem halben und acht Tage dauern können, behandeln Themen wie Explosionsschutz, Arbeitsrecht, Projektmanagement, Kommunikation und Zusammenarbeit oder Rhetorik und Gesprächssicherheit. Auch eine Ausbildung in der Qualitätsmanagement-Methode Six Sigma absolvieren die Trainees, um in Projekten mögliche Prozess- und Kostenoptimierungen erreichen zu können. 15 Tage des Programms sind für den Erfahrungsaustausch innerhalb der Gruppe reserviert, an denen die Teilnehmer Projekte aus ihren Fachbereichen vorstellen, Vorträge zu aktuellen Themen hören oder Exkursionen unternehmen.
Für den Bioverfahrensingenieur Dr. Andreas Knepper war von Anfang an klar, dass er nach Abschluss seines Studiums in die pharmazeutische Industrie gehen wollte – Sanofi-Aventis war dabei einer seiner Wunscharbeitgeber. „Die Kombination aus dem Einsatz im Betrieb und der gezielten Vermittlung von Wissen in den Seminaren und Praktika ist für mich das Besondere an diesem Programm“, erklärt er.
Seine Kollegin Dr. Claudia Bauer, Chemikerin, hat aus ähnlichen Gründen gezielt nach einem Trainee-Programm gesucht: „Bei einem solchen Programm kann man einfach in Bereiche hineinschnuppern – eine Gelegenheit, die wir später wahrscheinlich nicht mehr haben. Außerdem hat man eine gewisse Einarbeitungsphase, um sich ein Bild davon zu machen, was im Produktionsbetrieb in Zukunft wichtig ist.“
Während seiner Ausbildung arbeitet Knepper in der Abteilung „Ingenieurtechnik Prozessentwicklung Biotechnologie“ an der Planung und Konfiguration einer Anlage, mit der pharmazeutische Wirkstoffe für klinische Phase-I-Studien produziert werden sollen. Kneppers Erwartungen an das Trainee-Programm haben sich bisher voll erfüllt: „Ich bin vom ersten Tag an in das Projekt eingebunden worden und fühle mich in meinem Umfeld wohl“, erklärt er. Die zu Beginn des Programms absolvierten Praktika seien eine gute Vorbereitung auf den Praxiseinsatz gewesen, da er jetzt auf die vermittelten inhaltlichen Zusammenhänge zurückgreifen und diese vertiefen könne. Jetzt wartet der Bioverfahrensingenieur gespannt darauf, „die Fermenter erstmals anlaufen zu sehen.“

In Kontakt bleiben

Damit die Nachwuchsführungskräfte auch dann noch miteinander in Kontakt bleiben können, wenn sie allein oder zu zweit in ihrem jeweiligen Einsatzgebiet beim Unternehmen arbeiten, stellt ihnen der Ausbildungsbetrieb eine Internetplattform zur Verfügung. Hier finden sie wichtige Informationen, zum Beispiel Seminarunterlagen und die Termine der nächsten Seminare. Außerdem haben sie die Möglichkeit, ihren Betreuer Dirk Veltjens bei Problemen um Rat zu fragen oder sich miteinander über fachliche Fragen auszutauschen.

Denn Ausbildungsbetrieb und Auftraggeber erwarten Leistung: Alle Trainees haben einen Mentor, der mit ihnen zu Beginn des Programms ein Mitarbeitergespräch führt, um Aufgaben, Anforderungen und Erwartungen festzulegen. Nach jeder Einsatzphase erhalten die Trainees ein persönliches Feedback zu ihren gezeigten Leistungen.

Insgesamt ist das Pharmaunternehmen mit den Trainees sehr zufrieden: „Aus den operativen Bereichen erhalten wir nur positive Rückmeldungen“, weiß Ute Herzog. Das Konzept „Trainee-Programm“ hat überzeugt.

Trainee-Programme bereiten Ingenieure und Wissenschaftler gezielt auf ihre zukünftige Führungsaufgaben vor

Heftausgabe: Februar-März 2009
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Über den Autor

Anke Hübenthal, RedakteurinDr.Holger Bengs Biotech Consulting
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