Vendor Managed Inventory (VMI) optimiert Geschäftsprozesse

Transparenz auf Knopfdruck

04.10.2007 Dank des Internets lassen sich die Füllstände von Silos heute zeit- und kostensparend zentral überwachen. Für Nachschub sorgt der Lieferant. Das automatisierte Bestandsmanagement erhöht die Produktionssicherheit sowie die Wirtschaftlichkeit und verbessert die Leistungsfähigkeit.

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Der Lieferant übernimmt in Eigenregie die Nachschubversorgung mit den jeweils benötigten Rohstoffen? Wo gibt es denn so etwas? In der Stückgutbranche und der Tankstellenversorgung schon sehr lange. Vendor Managed Inventory heißt das Geschäftsmodell, bei dem alle Beteiligten durch eine enge Verzahnung von Kunde und Lieferant profitieren. Es ist ein Teil des Supply Chain Managements und bietet große Einsparpotenziale innerhalb der Wertschöpfungskette. Der Lieferant ist verantwortlich dafür, dass der Kunde produzieren kann. Das bedeutet aber auch sichere Aufträge und eine enge Kundenbindung. Der Kunde optimiert im Gegenzug seine Lagerhaltung, die immerhin mehr als 60% der Supply Chain-Kosten verursacht. Ganz nebenbei steigert er damit Produktionssicherheit sowie Performance. Voraussetzung für das externe Bestandsmanagement ist, dass der Lieferant auf die Daten des Kunden zugreifen kann. Dabei spielt es zunächst keine Rolle, wie er an die Bestandsdaten kommt. Er kann die Bestände zum Beispiel in regelmäßigen Abständen direkt vor Ort ablesen. Doch in Zeiten des Internets sind web-basierte Lösungen in Kombination mit intelligenter Messtechnik die weitaus komfortablere und kostengünstigere Variante.

VMI-Pakete: rundum sorglos

Grund genug für Vega, seine Messwert-Visualisierungssoftware Visual Vega (VV) webtauglich zu machen. Zusätzlich wurde die Software optimiert und die Bedienung deutlich vereinfacht. Fürs Erste will man sich mit Web-VV auf Anwendungen in der Lebensmittelproduktion konzentrieren. Neben Getreidemühlen und Bäckereien hat man vor allem Molkereien und Futtermittel im Visier. Das Problem dabei: Viele der potenziellen Anwender setzen bisher überhaupt keine Messtechnik ein. „Eine Bäckerei will Brot backen, die Messtechnik für die Silos ist ein notwendiges Übel“, betont Thomas Oehler, Produktmanager bei Vega. „Deshalb bekommt der Kunde perfekt auf den jeweiligen Anwendungsfall abgestimmte Komplettlösungen, mit denen er so gut wie keine Arbeit hat.“ Diese Lösungen bestehen aus Füllstandsensoren, Messwertverarbeitung, Gateway, Modem oder Funkgerät. Und wer trägt die Kosten? Hierfür gibt es die unterschiedlichsten Modelle. So wäre es beispielsweise denkbar, dass der Rohstofflieferant die Messtechnik stellt und seine Investitionskosten über langfristige Lieferverträge amortisiert.

Um den Kunden das Leben mit der Messtechnik so einfach wie möglich zu machen, hat der Hersteller ein neues Support-Zentrum eingerichtet. „Trotz radikaler „Diät“ bleibt Web-VV ein relativ komplexes Produkt, weil hier IT und Messtechnik aufeinander treffen“, sagt Oehler. „Die Mitarbeiter im Support sprechen die „Sprache“ beider Welten und helfen den Anwendern bei Problemen rund um die Uhr.“ Zum ausgeklügelten Gesamtpaket gehört ebenfalls ein ganz besonderer Service, den insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen zu schätzen wissen dürften.
Wer im eigenen Haus nicht über das notwendige Equipment zur Speicherung der Daten verfügt, kann seine Messwerte beim Hersteller auf einem speziellen Server ablegen. Eine unterbrechungsfreie Stromversorgung, redundante Hardware und eine zuverlässige Back-up-Strategie stellen 365 Tage im Jahr rund um die Uhr eine optimale Verfügbarkeit sicher. Für das Hosting auf dem firmeneigenen Server fällt dann ein bestimmtes, fixes Nutzungsentgelt an: planbare und transparente Kosten. „Wenn das Gespräch auf diese Dienstleistung kommt, ist eine Frage beinahe vorprogrammiert“, schmunzelt Oehler. „Haben Sie damit nicht Zugriff auf unsere Daten und könnten Sie sie nicht einem Konkurrenten zuspielen?“ Doch dieses Argument lässt der VMI-Experte nicht gelten. Mit krimineller Energie könne man jedes noch so sichere System kippen. VMI sei immer eine Frage des Vertrauens. Die jeweiligen Rechte und Pflichten werden zwischen den beteiligten Parteien eindeutig in Vereinbarungen und Verträgen geregelt.

Sicherheit ist Trumpf

Trotzdem verzichtet die Visualisierungs-Software natürlich nicht auf moderne Sicherheitsmechanismen wie beispielsweise ein integriertes Benutzerkonzept, in dem verschiedene User per Benutzerrollendefinition gestaffelte Rechte erhalten. Solche kundenbezogenen Zugänge stellen sicher, dass sowohl auf Lieferanten- als auch Kundenseite nur berechtigte Personen Zugriff haben. Die Daten der Füllstandsensoren, die die Bestände in Silos und anderen Behältern überwachen, gelangen auf allen erdenklichen Kommunikationswegen zu den Nutzern, per Telefonleitung, GSM (Global System for Mobile Communications) oder GPRS (General Packet Radio Service). Besonders GPRS erfreut sich einer hohen Akzeptanz. Denn Bürokommunikation und Messtechnik sind bei dieser Technologie sauber getrennt. Das Office-Netzwerk kann nicht negativ durch die Messtechnik beeinflusst werden.

Ein positiver Nebeneffekt des Telefon- oder Funkkontaktes: Der Anwender kann über das universelle Bedienwerkzeug PACTware von zentraler Stelle aus auf die Feldebene zugreifen. Die kostenlose, herstellerunabhängige Software, die auf der FDT/DTM-Technologie (Field Device Tool/Device Typ Manager) basiert, ermöglicht es ihm, seine Geräte aus der Ferne zu parametrieren, zu konfigurieren, zu diagnostizieren oder zu warten.

Informationen mit hohem Mehrwert

Die Statuswerte – Messwerte und Zeitinformationen – werden zwischen Auswertgerät und WEB-VV im XML-Standard ausgetauscht. „Wir hätten alternativ ein sehr einfaches, proprietäres Protokoll verwenden können. Das hätte den Vorteil gehabt, dass die Datenübertragung möglicherweise schneller gewesen wäre. Aber wir haben uns im Sinne unserer Kunden für eine offene Lösung entschieden“, so Oehler. Die Visualierungssoftware zeigt die Füllstände in Tabellenform, Balkenform oder als Historie. Über einen Internetbrowser ist der weltweite Zugriff auf die Daten sichergestellt. Die Oberfläche ist bewusst einfach gehalten: Internet-Explorer öffnen, Username und Passwort eintippen, durchklicken und fertig. Aus den Informationen können auch Zukunftsprognosen berechnet werden. Über eine standardisierte OPC-Schnittstelle ist der einfache Datenexport zu ERP-Systemen, wie etwa SAP R3, möglich. In Kombination mit auf dem Markt verfügbaren speziellen Software-Tools lassen sich damit Bestellvorgänge vollständig automatisieren. Mit einem Modul zur Routenplanung kann der Lieferant seine Transportlogistik optimieren und Zeit und Kosten sparen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Meldungen und Benachrichtigungen per SMS oder E-Mail an weitere Personen zu versenden.

Die ersten Pilotanwendungen mit der VMI-Lösung laufen seit einigen Monaten erfolgreich in Getreidemühlen. Neben der Lebensmittelindustrie bietet es sich auch in anderen Bereichen an, über automatisiertes Bestandsmanagement nachzudenken. Das Thema ist in den letzten Monaten aber auch für viele andere Branchen, bei Baustofflieferanten genauso wie in der Petrochemie oder bei Umwelt- und Recyclingunternehmen, interessant geworden: alles Anwendungsgebiete, für die der Hersteller in den nächsten Jahren sukzessive maßgeschneiderte Komplettlösungen anbieten will.

Vendor Managed Inventory (VMI) heißt das Geschäftsmodell, bei dem alle Beteiligten durch eine enge Verzahnung profitieren
„Trotz radikaler „Diät“ bleibt Web-VV ein relativ komplexes Produkt, weil hier IT und Messtechnik aufeinander treffen“
Thomas Oehler, Produktmanager bei Vega

Heftausgabe: Oktober 2007
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Über den Autor

Dr. Christine Eckert ,freie Fachjournalistin
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