Produkte und Plagiate mit Luminophoren unterscheiden

Unsichtbar und sicher

04.10.2007 Plagiate sind ein Ärgernis, das zuletzt sogar den G8-Gipfel beschäftigte. Satte 120 Mrd. Euro Schaden entstehen der weltweiten Markenindustrie jährlich durch Produktfälschungen – allein deutschen Firmen gehen 25 Mrd. Euro verloren. Richtig gefährlich aufgrund der Gesundheitsrisiken wird es, wenn Medikamente oder deren Verpackungen gefälscht werden.Unsichtbare Kennzeichnungen durch Luminophore und Sensoren, die diese erkennen, sind zum Beispiel bei Pharmaverpackungen erfolgversprechende Maßnahmen zum Produktschutz mit hoher Fälschungssicherheit.

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Stationäre und mobile Lumineszenztaster der LUT-Baureihe ermöglichen bei Herstellung, Verpackung, Distribution, Zollprüfung oder automatisierter Rücknahme eine schnelle Unterscheidung von Original und Plagiat. Plagiate sind das Ergebnis einer widerrechtlichen Marken- und Produktpiraterie. Markenpiraterie ist die illegale Verwendung von Zeichen, Namen oder Logos, die von Markenartikelherstellern zur Kennzeichnung ihrer Produkte im Handel eingesetzt werden. Werden Produkte, für die der rechtmäßige Hersteller eingetragene Schutzrechte besitzt, widerrechtlich nachgeahmt oder vervielfältigt, so ist dies Produktpiraterie.

Verschiedene Ansätze zum Schutz vor Produkt- und Markenpiraterie

In der Praxis treten beide Fälschungsformen häufig gleichzeitig auf – und dies in einem Umfang, der längst nicht mehr auf Luxusartikel beschränkt ist. Daher werden Sicherheitscodes in Hologrammen, Farbcodes, digitale Signaturen oder chemische Fingerabdrücke – die technischen Lösungen zur Kennzeichnung von Originalprodukten mit fälschungssicheren Merkmalen – immer aufwändiger. Neben rechtlichen Maßnahmen sowie organisatorischen Lösungen in Beschaffungs-, Vertriebs- und Distributionslogistik bietet die fälschungssichere oder zumindest die Nachahmung erschwerende Kennzeichnung von Waren und deren Verpackungen bereits zu Beginn des Produktlebenszyklus ein hohes Maß an Schutz gegen Produkt- und Markenpiraterie.

Einer weiten Verbreitung erfreuen sich dabei Hologramme, da ihre Fälschung einen hohen technischen Aufwand erfordert. Auch Farbcodes, digitale Signaturen und chemische Fingerabdrücke werden eingesetzt – sind als Kopierschutz allerdings mitunter sehr kostenintensiv und wenig praktikabel für Händler, Kunden oder den Zoll. Demgegenüber hat sich für bestimmte Produkte, wie beispielsweise Ersatzteile, Pharmaverpackungen, Einweg-Getränkeverpa-ckungen oder Dokumente, die Kennzeichnung mit Luminophoren, die für das menschliche Auge nicht sichtbar sind, als fälschungssicher, wirtschaftlich und praxisgerecht erwiesen.
Luminophore sind Stoffe, die in ihrem normalen Zustand Wellenlicht in einem Spektralbereich erzeugen, das für das menschliche Auge nicht sichtbar ist. Die Leuchtkraft der Luminophore entsteht erst, wenn die Elektronen dieser fluoreszierenden Stoffe durch elektromagnetische Energie, beispielsweise in Form einer Ultraviolett/Infrarot-Lichtquelle, angeregt werden. Luminophore lassen sich im Fertigungsprozess von Waren und Verpackungen in der Regel kostengünstig aufbringen. Stationäre Lumineszenztaster erlauben die Kontrolle des Anbringens der unsichtbaren Markierung direkt an der Produktions- oder Bearbeitungsmaschine. Entsteht beim Anleuchten eines in Verkehr gebrachten Gegenstandes, der gemäß Herstellervorgabe zum Kopierschutz mit einem Luminophor gekennzeichnet sein soll, kein sichtbares Licht, handelt es sich um eine Fälschung. Muster, Farben oder Oberflächenbeschaffenheit, auf dem die Luminophore aufgebracht sind, haben dabei ebenso wenig einen Einfluss auf die Detektionssicherheit wie die Lichtverhältnisse. Dadurch können zum Beispiel auch palettierte Waren auf einer schlecht beleuchteten Lkw-Ladefläche mit einem Hand-Lumineszenztaster schnell auf Echtheit geprüft werden. Sind diese Geräte dann noch mit einem Datenfunkmodul ausgerüstet, kann beispielsweise ein Zollbeamter direkt vor Ort Unterstützung durch seine Kollegen anfordern.

Mehrband-UV-Absorber bieten hohes Sicherheitsniveau

Lumineszenztaster sind Lichttaster, die mit für den Menschen unsichtbarem UV-Sendelicht von rund 370 nm arbeiten. Als Sendequelle dient bei leistungsfähigen Geräten ein wartungsfreier und langlebiger UV-Halbleiter. Zur optimalen Anpassung an unterschiedlich stark fluoreszierende Markierungen kann die Empfindlichkeit des Lumineszenztasters eingestellt werden. Das ausgesandte ultraviolette Licht trifft auf der Oberfläche eines Tastgutes auf den als Kopierschutz aufgebrachten Leuchtstoff. Dieser erzeugt – je nach Luminophor – langwelliges Licht im sichtbaren Spektrum zwischen etwa 420 und 750 nm, das vom Empfangselement des Tasters erkannt wird.

Mit speziell modifizierten Lumineszenztastern, die dem jeweiligen Sicherheitsmerkmal angepasst sind, wurden Sensoren für den Einsatz zur Kennzeichnungskontrolle und zum Erkennen des Plagiats entwickelt. Die Geräte können ultraviolette und infrarote Luminophore anhand ihres spezifischen Wellenlängenbereiches unterscheiden. Dadurch sind die Sensoren in der Lage, auch eine Mischung mehrerer Luminophore in unterschiedlichen Anteilen auszuwerten. Es genügt also nicht, wenn ein potenzieller Fälscher irgendeinen Leuchtstoff aufbringt – es müssen mehrere verschiedene, klar definierte Stoffe in festgelegtem Mengenverhältnis zueinander sein, um als ordnungsgemäße Produktkennzeichnung erkannt zu werden.

Produkte leuchten auf, Plagiatebleiben dunkel

Machbarkeitsstudien und konkrete Feldprojekte haben die Einsetzbarkeit von Luminophoren und entsprechenden Tastern mit Mehrkanalfrequenz-Auswertetechnik bewiesen. So könnten Einweg-Verpackungen in Rücknahmeautomaten anhand ihrer unsichtbaren Markierung sicher erfasst werden. Gleiches gilt für die Prüfung von Dokumenten. In der Pharmaindustrie kommt es besonders auf die Echtheit von Beipackzetteln und Verpackungen an, denn Arzneien sind Produkte mit äußerlich wenig Differenzierungsmerkmalen, die in gut nachgeahmten bzw. gestohlenen Originalverpackungen als Falsifikate selbst für Fachleute nur schwer zu erkennen sind. Auch hier konnte bei einem süddeutschen Verpackungshersteller ein Prozess im Feldtest realisiert werden, bei dem Lumineszenztaster alle produzierten Verpackungen auf den korrekten Auftrag infraroter und ultravioletter Pigmente kontrollieren. Der Apotheker weiß dank der Luminophore, dass er Originalpräparate in Originalverpackungen erhält und kann die Echtheit – ähnlich wie bei der Prüfung von Banknoten – im Beisein des Kunden demonstrieren. Geht die Ware in den Export, steht dem Zoll eine gleichermaßen praktikable und zuverlässige Möglichkeit zur Unterscheidung von Originalen und Plagiaten zur Verfügung.

Für viele Produkte ist die Echtheits-Kennzeichnung mit Luminophoren ein technisch und wirtschaftlich geeigneter Schutz gegen Produkt- und Markenpiraterie. Das Aufbringen oder Beimischen solcher Stoffe ist in vielen industriellen Prozessen, zum Beispiel der Produktion von Verpackungen, bereits üblich. Unternehmen der chemischen Industrie haben sich zum Teil darauf spezialisiert, zusammen mit Verpackungsherstellern individuelle und hochgradig fälschungssichere Luminophor-Pigmentbeimischungen zu entwickeln. Bewährte, robuste und detektionssichere Sensoren stehen zur Verfügung und entsprechen den besonderen Bedürfnissen des Produkt- und Markenschutzes. Pigment-individuelle Geräte für definierte Kunden bzw. Anwendungen können ebenso gebaut werden. Insofern sind die Voraussetzungen gegeben, als Teil einer Gesamtstrategie der hochprofessionellen Produktfälscherei in Massenproduktion entgegenzutreten und den Fälschern immer ein kleines Stück voraus zu sein.

Heftausgabe: Oktober 2007

Über den Autor

Peter Haas , Produktmanager Automatisierungstechnik
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