Vorläufige Geschäftszahlen

„Verhaltene Auftragslage“: GEA verfehlt Jahresprognose

23.01.2018 Der Maschinen- und Anlagenbauer GEA hat sein Jahresziel für 2017, ein operatives Ergebnis von mindestens 573 Mio. Euro, nicht erreicht. Laut vorläufiger Geschäftszahlen erwirtschaftete der Konzern 565 Mio. Euro. Neben starkem Euro und schwacher Auftragslage drückt auch die US-Steuerreform aufs Ergebnis.

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Anlagenbauer GEA hat sein Jahresziel für 2017 trotz eines starken vierten Quartals nicht erreicht. Gründe sind fehlende Aufräge und ein starker Euro. (Bild: GEA)

Anlagenbauer GEA hat sein Jahresziel für 2017 trotz eines starken vierten Quartals nicht erreicht. Gründe sind fehlende Aufräge und ein starker Euro. (Bild: GEA)

Zwar lag der Auftragseingang mit rund 4.750 Mio. Euro knap über dem Vorjahreswert von 4.674 Mio. Euro. Dennoch ist GEA mit einer „anhaltenden Schwäche der wichtigen Kundenindustrie Milchverarbeitung“ konfrontiert, wie das Unternehmen mitteilt. Der Umsatz der Unternehmensgruppe stieg um knapp 2 % auf ca. 4.580 Mio. Euro (Vorjahr 4.492 Mio. Euro). Die Belastung aus Veränderungen der Wechselkurse vom ersten auf das zweite Halbjahr beläuft sich jeweils bei Auftragseingang wie Umsatz auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag.

Das operative Ergebnis (EBITDA) litt unter anderem unter Zusatzkosten für Abfüllanlagen von etwa 20 Mio. Euro. Diese hatten den Konzern bereits im Juli 2017 dazu gezwungen, seine Jahresprognose zu senken. Positiv auf das Ergebnis wirken sich hingegen die ebenfalls im Juli erwähnten Verkäufe nicht mehr benötigter Immobilien mit einem Ertrag in Höhe von rund 14 Mio. Euro sowie ein zusätzliches, unternehmensweit durchgeführtes, striktes Kostenmanagement aus. Die operative Cash-Flow-Treiber-Marge beläuft sich voraussichtlich auf rund 8,5 %.

Milchverarbeitung und Getränke enttäuschten

Das vierte Quartal 2017 brachte einen Hoffnungsschimmer: Mit rund 1.300 Mio. Euro (Vorjahr 1.223 Mio. Euro) erzielt Gea voraussichtlich einen neuen Höchststand für ein einzelnes Quartal und kompensiert damit das schwache dritte Quartal. Bezüglich der einzelnen Kundenindustrien setzten sich die Tendenzen der ersten drei Quartale fort: Die Bereiche Nahrungsmittel, Milchproduktion sowie Chemie entwickelten sich hervorragend, wohingegen Mi

lchverarbeitung und Getränke enttäuschten. Auch der Umsatz des vierten Quartals bewegt sich voraussichtlich trotz substanzieller Währungseffekte mit rund 1.310 Mio. Euro (Vorjahr 1.293 Mio. Euro) auf einem soliden Niveau.

„Das Geschäftsjahr 2017 können wir nach jetziger Einschätzung mit einem erfreulichen Auftragseingang im vierten Quartal abschließen, und das trotz der anhaltenden Schwäche der Kundenindustrie Milchverarbeitung“, fasste der Vorstandsvorsitzende Jürg Oleas zusammen. „Das organische Wachstum der übrigen Kundenindustrien dürfte im Gesamtjahr hingegen rund 5 % betragen. Der starke Euro ist insbesondere im zweiten Halbjahr zu einer wesentlichen Belastung geworden. Dennoch haben wir, wie prognostiziert, ein moderates Umsatzwachstum realisiert, wenn auch im unteren Bereich unserer Erwartungen. Unsere operative EBITDA-Marge liegt im vierten Quartal voraussichtlich ebenfalls über der des Vorjahres.“

Für das Geschäftsjahr 2018 erwartet GEA auf Basis der Wechselkurse vom 31. Dezember 2017 nach erster Einschätzung einen Umsatz auf Vorjahresniveau. Dazu kommt ein Umsatzbeitrag in Höhe von rund 190 Mio. Euro aus seit Anfang 2017 bis heute getätigten Akquisitionen. Das operative EBITDA wird nach erster Indikation und ebenfalls auf Basis der Wechselkurse vom 31. Dezember 2017 zwischen 590 und 640 Mio. Euro inklusive dieser Akquisitionen liegen. Neben den Belastungen aus Währungseffekten erwartet GEA in 2018 Personalkostensteigerungen in Höhe von rund 40 Mio. Euro. Darüber hinaus werden sich die IT-Infrastrukturkosten um etwa 10 Mio. Euro erhöhen. Hier wirkt sich der Umstieg von eigenen Investitionen auf zukunftssichere Cloud-Services aus, die im Rahmen der Digitalisierungsinitiative künftig als Dienstleistung eingekauft werden. Ferner werden in diesem Jahr voraussichtlich auch keine größeren Grundstücksverkäufe mehr getätigt.

Anspruchsvolles Geschäftsjahr 2018

GEA für Klimaschutz-Reporting ausgezeichnet

„Somit ist absehbar, dass wir den Consensus-Erwartungen der Analysten […] in Bezug auf das Ergebnis für 2018 nicht entsprechen“, kündigte GEA-Vorstandsvorsitzender Jürg Oleas hinsichtlich der „verhaltenen Auftragslage“ an. (Bild: Gea)

„Derzeit müssen wir für 2018 weiterhin von einer verhaltenen Auftragslage in den Kundenindustrien Milchverarbeitung und Getränke ausgehen, die die gute bis sehr gute Entwicklung unserer anderen Kundenindustrien relativieren wird. Unter den stark wachsenden Bereichen sind jedoch auch solche, die im Konzernvergleich bisher unterdurchschnittliche Margen erzielen. Zudem erwarten wir, dass der starke Euro neben Belastungen aus Währungsumrechnungseffekten vor allem zu kursbedingten Wettbewerbsnachteilen führen wird. Aufgrund dieser Faktoren gehen wir davon aus, dass auch 2018 ein anspruchsvolles Geschäftsjahr wird. Somit ist absehbar, dass wir den Consensus-Erwartungen der Analysten in Höhe von etwa 635 Mio. Euro, z. B. bei Bloomberg oder Reuters, die aus unserer Sicht derzeit noch nicht alle aktuellen Entwicklungen berücksichtigen, in Bezug auf das Ergebnis für 2018 nicht entsprechen“, ergänzt Oleas.

„Mit der optimierten Konzernstruktur ist GEA bereits gut gerüstet. Wir müssen jedoch anerkennen, dass die vollständige Transformation längere Zeit benötigt, als ursprünglich angenommen. Wir sind aber unverändert davon überzeugt, dass sich die bereits eingeleiteten Maßnahmen vor allem bei Einkauf und Produktion künftig noch stärker positiv auswirken werden. Zusätzlich werden wir weitere strategische Initiativen insbesondere im Hinblick auf Umsatzwachstum, Service, Portfolio sowie weitere Optimierungsmaßnahmen konsequent angehen. Hierzu werden wir auf unserem Kapitalmarkttag im März ausführlich informieren“, fügt Oleas hinzu.

GEA erwartet für das IFRS-Konzernergebnis im vierten Quartal 2017 einen belastenden Effekt aus der Bewertung aktiver latenter Steuern im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich, der jedoch nicht zahlungswirksam sein wird. Dieser Effekt ist größtenteils auf die im Rahmen der US-Steuerreform („Tax Cuts and Jobs Act“) auf 21 % gesenkte, niedrigere US-Körperschaftsteuer zurückzuführen. Das wirkt sich auch auf das Ergebnis je Aktie für das vierte Quartal aus, jedoch nicht auf das ausschüttungsfähige Eigenkapital im handelsrechtlichen Einzelabschluss der GEA Group Aktiengesellschaft, das für Dividenden maßgeblich ist.

Die endgültigen Zahlen für 2017 und den finalen Ausblick für das Geschäftsjahr 2018 veröffentlicht GEA am 12. März 2018 mit dem geprüften Konzernabschluss 2017. Über neue mittelfristige Zielsetzungen wird das Unternehmen im Rahmen des zeitgleich geplanten Kapitalmarkttages berichten.

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