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vfa: Versorgung verbessert – Ausgaben gesunken

27.08.2012 ie Versorgung der Patienten mit Arzneimitteln hat sich im Jahr 2011 erneut verbessert: Bei besonders verbreiteten Krankheiten wie rheumatoider Arthritis, Multipler Sklerose, Virusinfektionen und Krebserkrankungen gelangen moderne Therapieformen in immer stärkerem Maße zu den betroffenen Patienten. Zu diesem positiven Resultat kommt die neue, nunmehr siebte Ausgabe des Arzneimittel-Atlas, der in Berlin vorgestellt wurde.

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vfa: Versorgung verbessert – Ausgaben gesunken

Bild: iGES

Sinkende Preise – durch den erhöhten Zwangsrabatt, freiwillige Rabatte der Hersteller, Patentabläufe und stärkeren Wettbewerb – haben dazu beigetragen, dass die GKV-Arzneimittelausgaben trotz der verbesserten Versorgung sogar gesunken sind: 2011 sind die GKV-Arzneimittelausgaben um rund 1,2 Mrd. Euro (-4 Prozent im Vergleich zu 2010) auf rund 29 Mrd. Euro zurückgegangen. Den größten Einfluss auf die reduzierten Gesamtaufwendungen hatten im letzten Jahr die gesunkenen Arzneimittelpreise. Dadurch konnten die Kosten um 1,76 Mrd. Euro gesenkt werden. Etwa zwei Drittel dieser Absenkung ist auf die Steigerung der gesetzlich verordneten Rabatte zurückzuführen. Zu etwa einem Drittel haben Preissenkungen der Hersteller, teilweise im Rahmen von Rabattverträgen, die Kosten reduziert.

Der Arzneimittel-Atlas wird im Auftrag der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) vom IGES Institut in Berlin erstellt.

Für das Autorenteam sagt Prof. Bertram Häussler: „Arzneimittel sind der einzige der großen Leistungsbereiche der GKV, dessen Ausgaben in den letzten Jahren nicht permanent gestiegen ist. Die Strukturveränderungen im Markt der patentgeschützten Innovationen haben den Aufwand der GKV für Arzneimittel verringert. Die Verordnung neuerer patentgeschützter Medikamente hat zwar 2011 Mehraufwendungen von rund 430 Mio. Euro verursacht. Demgegenüber sind aber durch Patentabläufe, Wettbewerb der Hersteller untereinander und weitere Effizienzsteigerungen Kostensenkungen von rund 640 Mio. Euro erzielt worden. Ein Saldo zu Gunsten der GKV von über 200 Mio. Euro.“

Für den Auftraggeber sagt vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer: „Massive Sparbeiträge der Unternehmen haben einen entscheidenden Anteil an der Senkung der Arzneimittelausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung. So konnten die Arzneimittel-Ausgaben pro GKV-Versichertem im Jahr 2011 um 3,7 % auf 388 Euro sinken. Im Gegensatz zu anderen Leistungsbereichen hat der Gesetzgeber bei den Arzneimittelpreisen durch einen Zwangsrabatt in Kombination mit einem Preismoratorium massiv eingegriffen: Das Sinken der Ausgaben ist aber nicht nur staatlich verordnet, es folgt auch dem Marktgeschehen: Patentabläufe, stärkerer Preiswettbewerb und freiwillige Rabatte der Hersteller haben zusätzlich zu sinkenden Preisen bei Arzneimitteln beigetragen.“

„Doch einseitige Preissenkungen und ein wachsender Verteilungskampf zwischen den Akteuren im Gesundheitswesen führen weder zu einer besseren Versorgung noch zu einem höheren Nutzen für Patientinnen und Patienten. Wir müssen deswegen nach neuen, konstruktiven Lösungen suchen, die nicht allein auf den Preis pro Produkt abzielen, sondern alle Aspekte einer Behandlung einbeziehen – wir müssen einen Preis pro Versorgung definieren, um effizient, nachhaltig und berechenbar mit den Finanzen des gesamten Systems kalkulieren zu können. So könnten wir alle – Industrie, Kassen, Ärzte, Patienten und Politik – einen Weg beschreiten, der nicht darauf abzielt, an Medikamenten zu sparen, sondern durch Medikamente,“ so Fischer weiter.

„Wichtiger als Sparen ist die therapeutische Hilfe. So ist es erfreulich, dass mehr Patienten mit schwerwiegenden, gar lebensbedrohlichen Krankheiten im vergangenen Jahr mit wirksamen Arzneimitteln versorgt werden konnten. Bei der Behandlung der Multiplen Sklerose wurde das therapeutische Arsenal sowohl im Hinblick auf die Kontrolle des Entzündungsprozesses als auch der symptomatischen Therapie erweitert. Auch Immunsuppressiva spielen in der Therapie von Entzündungskrankheiten wie Gelenkrheuma, Multipler Sklerose oder Morbus Bechterew eine immer wichtigere Rolle, denn sie werden heute früh eingesetzt, um Spätfolgen zu vermeiden oder wenigstens lange herauszuschieben,“ erläutert Fischer.

Das Fazit der vfa-Hauptgeschäftsführerin: „Versorgungsfortschritte kennzeichnen also das Bild der Arzneimittelversorgung in Deutschland. Und das ist in einer allzuoft von ökonomischen Parametern dominierten Diskussion, wie der um die Arzneimittelversorgung, ein erfreulicher Befund. Zugleich werden aber weitere Fortschritte durch einseitige staatliche Regulierungen und Sparmaßnahmen gefährdet. Wenn aber heute bei Krankheiten mehr verordnet wird, bei denen der pharmazeutische Fortschritt neue Therapieoptionen geschaffen hat, heißt das nichts anderes als: Fortschritt kommt endlich da an, wo er gebraucht wird! Das sollte nicht aufs Spiel gesetzt werden.“

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