Situation im Generika-Markt verschärft sich weiter

Von Zockern und kühlen Rechnern

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22.01.2018 Mit der Ankündigung „drastischer Maßnahmen“ schickte der Israelische Generika-Konzern Teva Ende 2017 eine Schockwelle durch den Pharmamarkt. Novartis kündigte wenig später an, das Generika-Geschäft auf den Prüfstand stellen zu wollen.

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Entscheider-Facts für Manager

  • Zwischen 2012 und 2017 ist der Weltmarkt für Generika jährlich um rund 10 % auf inzwischen mehr als 400 Mrd. US-Dollar angewachsen.
  • In den vergangenen fünf Jahren stieg der Anteil der Nachahmer-Medikamente am Gesamtmarkt für Arzneimittel von 27 auf nun 36 %.
  • Doch die Rahmenbedingungen für Generika-Hersteller verschärfen sich: Nicht jede Übernahme zahlt sich aus, wie das Beispiel Teva belegt.

 

Karten werfen

Mit steigendem Preisdruck werden die Eintrittshürden für neue Anbieter höher. Dies wird die Fusions- und Übernahmewelle weiter antreiben und bislang integrierte Pharmaunternehmen zur Spezialisierung zwingen. (Bild: paul – fotolia)

Die Turbulenzen im Segment für Nachahmer-Arznei nehmen zu, obwohl dem Markt erhebliches Wachstum zugetraut wird. Zeit für eine Analyse der Situation.

Zwischen 2012 und 2017 ist der Weltmarkt für Generika jährlich um rund 10 % auf inzwischen mehr als 400 Mrd. US-Dollar angewachsen. Nach Zahlen des Marktforschungsinstituts IMS wird der Markt in den kommenden Jahren weiter zulegen: In den vergangenen fünf Jahren stieg der Anteil der Nachahmer-Medikamente am Gesamtmarkt für Arzneimittel von 27 auf nun 36 %. Bis 2020, so die Schätzungen, werden weitere Originalpräparate mit einem Marktwert von 100 Mrd. US-Dollar ihren Patentschutz verlieren. Bereits heute sind den Marktforschern zufolge 88 % aller in den USA verschriebenen Medikamente generisch. Und während der Markt für Markenarzneimittel jährlich um 3,6 % wächst, liegt die Steigerungsrate bei Generika bei 10,6 %.

Markt für generische Medikamente folgt eigenen Regeln

Die nackten Zahlen lassen die jüngsten Meldungen der Generika-Konzerne noch unverständlicher erscheinen: Sollten Generika-Hersteller nicht allen Grund zum Jubel haben? Die Lage ist komplizierter, als der einfache Blick auf die Zahlen nahelegt. Der Markt für generische Medikamente folgt ganz eigenen Regeln. Hersteller von Originalpräparaten können dieses nach der Zulassung eines patentgeschützten Medikaments, die bei Blockbustern zwischen zehn und zwölf Jahren dauert, acht bis zehn Jahre lang weitgehend ungestört und mit zum Teil traumhaften Renditen vermarkten. Ist die Zulassung erst einmal erteilt, spielen weitere Kosten für die Produktion und Vermarktung des Präparats eine vernachlässigbare Rolle.

Für Generika, stellt sich die Situation völlig anders dar: Hersteller dieser Arzneimittel stehen unter massivem Zeit- und Kostendruck: Ist der Patentschutz für ein Präparat abgelaufen, drängen in der Regel gleich mehrere Anbieter mit generischen Produkten auf den Markt. Kostendruck und globaler Marktzugang zwingen zur Größe und Marktmacht, um die Konkurrenz über Skaleneffekte zu schlagen. Dazu kommen steigende Kosten für die Entwicklung generischer biopharmazeutischer Präparate, sogenannten Biosimilars: Während klassische Generika im Durchschnitt in ein bis zwei Jahren mit einem Aufwand im unteren einstelligen Mio.-Dollar-Bereich entwickelt werden, kostet die Entwicklung von Biosimilars bis zu 200 Mio. Dollar und dauert bis etwa dreimal so lange.

Heftausgabe: Februar 2018
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Armin Scheuermann ist Chefredakteur von Pharma+Food

Über den Autor

Armin Scheuermann ist Chefredakteur von Pharma+Food
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