Lebensmittelsicherheit erfordert maximale Transparenz

Vorbeugen ist besser

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09.06.2011 Immer wieder kommt es zu Lebensmittelskandalen. Vermeiden lassen sich diese durch transparentere Daten, mehr persönliche Verantwortung der Mitarbeiter, aber auch mithilfe einer offeneren Kommunikationspolitik. Warum begünstigen diese drei Faktoren eine sicherere Lebensmittelproduktion? Und was gilt es dabei zu beachten?

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Entscheider-Facts Für Anwender


  • Verantwortungskultur erhöht das Sicherheitsniveau, denn die Mitarbeiter sind dann eher bereit, sich eigenverantwortlich um Probleme zu kümmern.
  • Information ist eine zentrale Voraussetzung für Motivation.
  • Neben einer personalen Verantwortungskultur auf allen Hierarchieebenen heißt die zweite Aufgabe: EDV-Lösungen für mehr Lebensmittelsicherheit.
  • Programme wie „Foodsprint“ bieten zuverlässige Lösungen, mit denen die Lebensmittelskandale der letzten Jahre besser beherrschbar oder gar vermeidbar gewesen wären, da sie alle sicherheitsrelevanten Bereiche und Prozesse eines Unternehmens abbilden.
  • Eine transparente Unternehmenskommunikation gegenüber den Mitarbeitern beugt nicht nur möglichen Krisen vor, sondern erhöht die Leistungsbereitschaft der Belegschaft.

Softwarelösungen erzeugen Transparenz und verhindern Fehler (Bild: Cormeta)

In den letzten Jahrzehnten wurde von Lebensmittelherstellern ein hohes Maß an institutionalisierter Sicherheit geschaffen. Naturgemäß haben sie daher ein vitales Interesse daran, dass diese hohen Sicherheits- und Hygienestandards in ihren Betrieben eingehalten werden. Doch die zunehmende Arbeits- und Verantwortungsteilung beinhaltet neue Risiken. Minimieren lassen sich diese Risiken, wenn einige Grundregeln beachtet werden.

So ist etwa eine persönliche Verantwortungskultur für Sicherheit im Unternehmen zu etablieren. Denn eine genaue Betrachtung des Produktionsalltags zeigt, dass technische Maßnahmen, wie zum Beispiel Hygieneschleusen und -schranken, nicht ausreichen, wenn die Mitarbeiter mit den einschlägigen Hygiene- und Sicherheitsbestimmungen zu lax umgehen. Die besten Edelstahlvorrichtungen nutzen dann nichts.

Beim Personal ansetzen

Ein Systemvergleich von Industrie zu Handwerk zeigt, wie sich das ändern lässt. Dem Lebensmittelhandwerk fehlen die aufwendigen technischen und maschinellen Sicherungseinrichtungen weitgehend. Doch es ersetzt sie durch personale Systeme, die insbesondere auf der persönlichen Verantwortung der Meister beruhen. Wer die Sicherheit in der Lebensmittelindustrie steigern will, sollte daher an diesem Punkt ansetzen – beim Personal. Dafür bedarf es einer höheren Mitarbeiter-Identifikation und mehr persönlicher Verantwortung jedes einzelnen Belegschaftsmitglieds.

Wie groß der Nachholbedarf ist, zeigen die Ergebnisse von Mitarbeiter-Monitorings. Auf die Frage nach den Arbeitsmotiven, also was den Mitarbeitern persönlich besonders wichtig ist bei ihrer Arbeit, antworteten 42 %, sie wünschen sich mehr Spaß bei der Arbeit, 46 % der Befragten streben mehr Verantwortung und 67 % wollen das Resultat ihrer Arbeit sehen. Daraus lässt sich ableiten, dass das Gros der leistungsorientierten Mitarbeiter sich eine personale Verantwortungskultur in ihrem Betrieb wünscht. Das sollte Unternehmen freuen, denn eine Verantwortungskultur erhöht das Sicherheitsniveau, denn die Mitarbeiter sind dann eher bereit, sich eigenverantwortlich um Probleme zu kümmern, und sie wissen dann auch, dass sie dies dürfen.
Das Mitarbeiter-Monitoring belegt jedoch auch, dass nahezu die Hälfte der Belegschaft (42 %) zu den passiven „Für-sich-Arbeitern“ gehören. Für die Führungskräfte bedeutet dies: Sie müssen mehr Sinn stiften, mehr Beteiligung schaffen und mehr Begeisterung ermöglichen. Und sie sollten ihre Mitarbeiter stets über die sie betreffenden Vorgänge informieren. Denn Information ist eine zentrale Voraussetzung für Motivation. Information schafft Verantwortungsbewusstsein. Und Information ist die Alternative zur Spekulation!
Sehr häufig fühlen sich die Mitarbeiter jedoch selbst über die Vorgänge in ihrem unmittelbaren Arbeitsumfeld schlecht informiert. Mitarbeiter, die nicht informiert sind, sind indes bestenfalls „menschliche Arbeitsmaschinen“. Lebensmittelhersteller brauchen jedoch Mitarbeiter als mitdenkende „Co-Manager“.
Mitarbeiter in Geschehnisse einzubeziehen und ihre Leistungsbereitschaft gezielt zu fördern sind daher Grundbausteine einer personalen Verantwortungskultur, die sich auch im Sinne einer höheren Produktionssicherheit positiv auswirkt. Das zeigt sich gerade im Fall eines auftretenden Fehlers in der Produktion. Mitarbeiter, die darin gestärkt wurden, verantwortlich im Sinne des Unternehmens zu handeln, werden alles tun, um Fehler und Risiken zu minimieren. Und wenn sie von ihren Chefs gut informiert werden, reduziert sich auch die Wahrscheinlichkeit, dass Mitarbeiter später vor dem Werkstor falsche Antworten geben und dass aus einem überschaubaren Fehler urplötzlich eine Skandalnachricht wird.

Software-Lösung gewährleistet Sicherheit

Neben einer personalen Verantwortungskultur auf allen Hierarchieebenen bis runter zu den Arbeiterinnen und Arbeitern am Band heißt die zweite Aufgabe: EDV-Lösungen für mehr Lebensmittelsicherheit. Die Lebensmittelindustrie kann in dieser Hinsicht von Hochsicherheitsbereichen, wie sie in der Pharmaindustrie etabliert sind, lernen. Dieser Wissenstransfer liegt Software-Lösungen wie etwa dem SAP-basierten Programm „Foodsprint“ zugrunde.

Die Chargenrückverfolgung ist im Grundsatz schon jetzt gesetzlich vorgeschrieben. Darüber hinaus ist sie oft vertraglich verpflichtend durch Zertifizierungs- und Lieferantenanforderungen. Somit ist eine lückenlose Rückverfolgung von Lebensmitteln zugleich Pflicht- und Marketingvorteil. Programme wie „Foodsprint“ bieten zuverlässige Lösungen, mit denen die Lebensmittelskandale der letzten Jahre besser beherrschbar oder gar vermeidbar gewesen wären, da sie alle sicherheitsrelevanten Bereiche und Prozesse eines Unternehmens abbilden. Die verantwortlichen Mitarbeiter haben auf diese Weise alle potenziellen Risiken stets im Blick, so dass mögliche Gefahren und Normabweichungen sofort erkannt und dokumentiert werden können. Fehler passieren dann nur noch bei vorsätzlich falschem Handeln.
Die Wareneingänge wie auch die Warenausgänge sind mit einem Klick einzusehen. Jede Soll-Abweichung wird abgebildet und ermöglicht die erforderlichen Korrekturen und Reaktionen. Es ist auch vorgesorgt, dass aus kleinen Pannen keine großen Fehler werden. So können direkt aus dem „Chargencockpit“ zum Beispiel Serienbriefe generiert werden, die alle Kunden berücksichtigen, die ein Produkt aus der „kritischen“ Charge erhalten haben.
Die Möglichkeit, Chargen rückzuverfolgen, haben Software-Hersteller für die Pharmaindustrie längst entwickelt, da in dieser Branche schon kleinste Verunreinigungen, minimal falsche Dosierungen oder falsche Mischungsverhältnisse das Leben von Patienten kosten können. Und von derart präzisen Software-Lösungen, die teils die derzeitigen Zertifizierungsstandards übertreffen, können auch Lebensmittelhersteller profitieren. Nicht zu vergessen: Sicherheit hat auch einen wirtschaftlichen Aspekt. Unternehmen, die nachweisen können, dass ein bestimmtes Risiko außerhalb ihres Verantwortungsbereiches lag, bewahren ihr Ansehen und ihre Ertragsstärke.
Die heute eingesetzte integrierte Software ermöglicht darüber hinaus Datenzugriffe für die Betriebe und für Kontrolleure. Weiterhin könnten Unternehmen diese Kontrollmöglichkeit ebenfalls den Endkonsumenten anbieten. So gäbe ein auf das Produkt bezogener Code dem Verbraucher die Möglichkeit, sein gekauftes Lebensmittel bis zum Bauernhof zurückzuverfolgen. Kunden und Öffentlichkeit schätzen derart transparente Unternehmen und vertrauen solchen Betrieben weiterhin.

Transparente Kommunikation

Wer Lebensmittelskandale recherchiert, lernt vor allem: „Nicht der Fehler produziert einen Skandal, sondern erst der Umgang mit dem Fehler.“ Eine transparente Kommunikationskultur im Unternehmen ist daher noch wichtiger als die Krisen-PR, wenn es darum geht, Lebensmittelskandale und negative Nachrichten zu vermeiden. Die eigenen Mitarbeiter sind daher die wichtigste Zielgruppe für die Unternehmenskommunikation, nicht dieMedien.

Eine transparente Unternehmenskommunikation gegenüber den Mitarbeitern beugt nicht nur möglichen Krisen vor, sondern erhöht die Leistungsbereitschaft der Belegschaft. Inhaltlich umfasst ein solches „Marketing nach Innen“ zeitnahe Informationen über Kunden und Lieferanten, über neue Produkte und Technologien sowie über die wirtschaftliche Situation des Unternehmens.
Vorbehalte gegenüber einer offenen Mitarbeiterinformation wie etwa „Wenn ich das meinen Mitarbeitern immer alles sage, tragen die das nur nach Außen“ oder „Das verstehen meine Mitarbeiter gar nicht, das sind doch keine Betriebswirtschaftler“ sind verbreitet. Wer jedoch Mitarbeiter einbezieht und informiert, macht diese zu einsatzbereiten und verantwortungsbewussten „Co-Managern“. Und in Zeiten des demografischen Wandels, in denen qualifiziertes Personal immer knapper wird, kann eine offene Informationspolitik nicht nur die guten Mitarbeiter binden, sondern Top-Kräfte aus anderen Unternehmen anziehen. Damit das funktioniert, sollten die Verantwortlichen das persönliche Gespräch mit den Mitarbeitern suchen. Bereichs- oder Abteilungsversammlungen sind daher besser geeignet, um wichtige Informationen zu übermitteln, als das Intranet oder die Hauszeitung.

Erfolg beginnt bei der unteren Führungsebene

Für den Aspekt der Lebensmittelsicherheit bedeutet der Grundsatz „Transparente Information nach innen“: Alle Beteiligten wissen, was Sicherheit bei uns bedeutet. Alle kennen die Lieferanten, die Herkünfte von Vorprodukten, die gegebenen Risiken. Den größten Teil des Erfolgs macht dabei die Informationsarbeit der untersten Führungsebene aus. Vorarbeiter und Abteilungsleiter müssen als „Übersetzer“ wirken, damit alle Mitarbeiter als Botschafter des Unternehmens wirken – und das nicht nur für den Krisenfall.

Daher, auch wenn klar ist: Selbst das größte Streben nach Lebensmittelsicherheit wird nicht verhindern können, dass es weiterhin zu Fehlern kommt. Doch Unternehmen, die gut darauf vorbereitet sind, in denen vielfältige Mechanismen greifen, werden keine Skandalnachrichten produzieren und dadurch stets ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten.

 

Heftausgabe: Juni 2011
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Fritz Gempel,  Geschäftsführer Marketing Works

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Fritz Gempel, Geschäftsführer Marketing Works
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