Neue Wärmebildkamera für die Bau- und Industriethermografie

Wärme als Warnung

04.10.2007 Vom Platzhirsch zum Bambi – so ungefähr könnte man den Vorstoß des Messgeräteherstellers Testo in den Markt der Thermografie symbolisieren. Die erste Wärmebildkamera des Schwarzwälder Unternehmens soll nur halb so viel kosten wie die Konkurrenzprodukte, aber genau so gut sein.

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Während Testo mit seinen Produkten, wie Feuchte- oder Temperaturmessgeräte, bislang stets zu den Marktführern gehört hat, will man sich mit der neuen Wärmebildkamera nun als Kleiner unter die großen, etablierten Unternehmen in diesem Markt mischen. Zielgruppe sind vor allem Anwender in in der Bau- und Industriethermografie. Die haben bisher entweder die billigsten Kameras am Markt eingesetzt – mit mehr oder weniger Erfolg – oder die mittel- und hochpreisigen; je nachdem wie hoch die Anforderungen waren bzw. welches Budget zur Verfügung stand.

Mit der testo 880 wurde nun eine Kamera entwickelt, die je nach Ausstattung mit einem Preis zwischen 5000 bis 8000 Euro am unteren Ende der Preisskala rangiert. Trotzdem soll sie mit ihren Funktionen mit den doppelt so teuren Wettbewerbsprodukten mithalten können. Die Kamera kann etwa 20000 Messwerte gleichzeitig darstellen. Die 160 x 120 Pixel werden auf 320 x 240 Pixel interpoliert. Zusammen mit einer thermischen Auflösung von <0,1°C (Noise Equivalent Temperature Difference, NETD) ergibt das sehr scharfe Bilder mit einer hohen Messqualität.

Zwei Objektive zumAustauschen

Standardmäßig ist die Kamera mit einem 32°-Weitwinkelobjektiv aus F1-Germanium ausgestattet, das bei Bedarf gegen ein 12°-Teleobjektiv getauscht werden kann. Damit das teure Objektiv nicht verkratzt wird, kann ein IR-Schutzglas aus gehärtetem Germanium aufgeschraubt werden. Außergewöhnlich ist in diesem Marktsegment der niedrige Mindest-Fokussierabstand von 10cm für kleine Objekte. Mit der eingebauten Digitalkamera können ergänzend zur IR-Aufnahme Realbilder aufgezeichnet werden. Beide Aufnahmen sind mit einer Bild-in-Bild-Funktion verknüpfbar.

Eine weitere Besonderheit der Kamera ist, dass Funk-Feuchtefühler aus dem Programm des Herstellers zur Echtzeit-Feuchtemessung angeschlossen werden können. Wichtig war den Entwicklern auch, dass die Kamera leicht zu handhaben ist. Das 900g schwere Gerät lässt sich problemlos mit einer Hand bedienen. Dazu trägt unter anderem der dynamische Motorfokus und ein Fünf-Wege-Joystick zur Navigation durch Menü und Bildgalerie bei. In der Industrie soll die testo 880 vor allem der präventiven Instandhaltung und Wartung dienen. Mit ihr können Anomalien frühzeitig entdeckt und Korrektur- bzw. Reparaturmaßnahmen eingeleitet werden, bevor es zu einem Störfall kommt. Bei mechanischen Bauteilen kann eine Wärmeentwicklung beispielsweise auf eine überhöhte Beanspruchung hinweisen, die durch Reibung, fehlerhafte Justage, Toleranzen oder Mangel an Schmiermittel entstehen kann. Im Bereich von Nieder-, Mittel- und Hochspannungsanlagen lässt sich mit Hilfe der Infrarot-Thermografie der Erwärmungszustand beurteilen.
Mit 5Mio. Euro ist die Kamera die teuerste Produktentwicklung in der Unternehmensgeschichte. Aber auch wenn die Entscheidung, in ein fremdes Marktsegment vorzustoßen, viel Mut erforderte, sind die Risiken doch überschaubar, berichtete der Vorstandsvorsitzende Burkart Knospe bei der Vorstellung der Kamera. Und die Erfolgsaussichten sind umso verlockender: In den Kernmärkten Europas will man innerhalb weniger Jahre über 10% Marktanteil erreichen, in einigen Ländern, wie Deutschland und der Schweiz, bis zu 25%.[Sim]

Heftausgabe: Oktober 2007
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Papst
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