Internes Weiterbildungsangebot bei Novartis Pharma

Wissensdurst wird belohnt

10.10.2006

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Flexibel und vielseitig – so sollen die Mitarbeiter in der Produktion sowie in den produktionsnahen Bereichen eines Unternehmen heute einsetzbar sein. Dies erfordert , dass sie die nötige Wissensbreite und -tiefe haben. Aus diesem Grund erwog die zum Novartis-Konzern gehörende Novartis Pharma Ende 2004, eine systematische Weiterbildung für ihre Mitarbeiter in der pharmazeutischen Fertigung zu starten – und zwar für die Mitarbeiter, „die keine Fachausbildung wie die zum Pharmakanten und Chemikanten durchlaufen haben“, betont Personalleiter Dirk Horn. Das Ziel hierbei: Durch höher und breiter qualifizierte Mitarbeiter sollten die Leerlaufzeiten weiter verringert und Produktionsengpässe noch besser gemeistert werden. Hinzu kam ein weiteres Ziel. Mit Hilfe eines besseren Verständnisses der Prozesse, die zum Beispiel bei der Tabletten- und Salbenproduktion ablaufen, sollte auch die Fehlerquote weiter gesenkt werden.

Also kontaktierte Novartis Pharma die in Frankfurt am Main ansässige Provadis Partner für Bildung und Beratung, da sie von ihr wusste: Die ehemalige Aus- und Weiterbildungsabteilung des Hoechst-Konzern führte bereits ähnliche Fortbildungen für die Produktionsmitarbeiter anderer Unternehmen durch. Mehrere Treffen der Novartis- und Provadis-Verantwortlichen folgten. Bei ihnen wurde unter anderem untersucht,

  • welche Fertigungsverfahren bei Novartis Pharma zum Einsatz kommen,
  • wie zum Beispiel die Tabletten- und Salbenherstellung sowie -verpackung strukturiert ist und
  • welche Anforderungen daraus an die Mitarbeiter resultieren.

 

Daraus wurde ein entsprechendes Qualifizierungsprogramm für die Mitarbeiter abgeleitet.

Fortbildung mit IHK-Zertifikat

Entschieden wurde: Die Mitarbeiter in den Bereichen feste Arzneiformen, also beispielsweise Tabletten, und halbfeste Arzneiformen wie etwa Gele und Salben, sollen eine Schulung in folgenden Themengebieten durchlaufen:

  • Qualität und GMP (Good Manufacturing Practice),
  • Grundlagen der Arzneimittelkunde und der pharmazeutischen Fertigung,
  • Technologie der Arzneimittelherstellung,
  • Konfektionierung der Arzneimittel sowie
  • Arbeits- und Umweltschutz.

 

Und diese Fortbildung soll mit einem IHK-Zertifikat enden, „damit die Mitarbeiter auch einen persönlichen Nutzen davon haben“, erklärt Horn. Zum Beispiel, dass sie ihre Kenntnisse dokumentieren können, wenn sie sich bei einem anderen Unternehmen bewerben.

Mitarbeiter „hungrig“ nachWeiterbildung

Daraufhin kontaktierte Novartis die zuständige IHK Bodensee-Hochrhein, um mit ihr ein Qualifizierungsprogramm zu entwerfen, das den Fortbildungsstandards der DIHK entspricht. Nur knapp zwei Monate später war dieses Programm entwickelt und abgesegnet – vor allem, weil Provadis ähnliche Maßnahmen bereits mit anderen IHKs konzipiert hatte. Also konnte die Fortbildung beginnen, zumal zwischenzeitlich auch die Teilnehmer gefunden waren.

Beim Zusammensetzen des Teilnehmerkreises für die Pilotmaßnahme war Novartis wichtig, dass sich in ihm die Struktur der Zielgruppe widerspiegelt. So sollten zum Beispiel sowohl Mitarbeiter mit viel als auch mit weniger Berufserfahrung vertreten sein. Also wurde in Absprache mit den Führungskräften in den relevanten Bereichen zunächst eine Vorauswahl getroffen und die betreffenden Mitarbeiter wurden angesprochen. Gleichzeitig schrieb Personalleiter Dirk Horn alle in Frage kommenden Mitarbeiter an, um ihnen die intern „Multiskilling“ genannte Fortbildung vorzustellen. Das Ergebnis: eine insgesamt sehr gute Resonanz im Werk und Zusagen fast aller zuvor angesprochenen Mitarbeiter – und dies, obwohl die Seminare jeweils freitags und samstags stattfinden sollten. Das heißt: Zu 50% fand die Fortbildung in der Freizeit der Mitarbeiter statt. Die wenigen Mitarbeiter, die sich nicht für die Maßnahme entscheiden wollten, „hatten dafür stichhaltige private Gründe“, berichtet Horn, zum Beispiel, dass ihre Frau samstags arbeite, weshalb sie die Kinder betreuen müssten. Das zeigt, betont Bernhard Behle, der bei Provadis für das Projekt verantwortlich war, „wie groß der Hunger der Mitarbeiter auf der operativen Ebene nach einer gezielten Fortbildung ist – sowohl um aktuelle oder künftige Aufgaben besser wahrnehmen zu können, als auch um langfristig ihre Qualifikation und somit auch Beschäftigungsfähigkeit zu sichern.“

Nach jeder Lerneinheit folgt Klausur

Im März 2005 startete die Fortbildung. Im Zweiwochenrhythmus trafen sich in den kommenden drei Monaten die Teilnehmer. Mit dabei neben Kursleiter Behle stets Siegfried Müller, Weiterbildungsbeauftragter bei Novartis Pharma. Seine Teilnahme war nach Einschätzung von Horn und Behle sehr wichtig – unter anderem, weil er auf 27 Jahre Berufserfahrung als Meister zurückblickt. Entsprechend groß ist sein Erfahrungsschatz und seine Kenntnis der aktuellen Prozesse und Verfahren bei Novartis sowie darüber, wie sich diese im Laufe der Jahre entwickelt haben. Deshalb konnte er, so Behle, „Lerninhalte immer wieder auf die Alltagsarbeit bei Novartis beziehen“ – viel besser als dies Behle als externer Trainer trotz all seiner Erfahrung als Teamleiter im Bereich Weiterbildung Produktion und Technik bei Provadis gekonnt hätte.

Abgeschlossen wurden die einzelnen Lernmodule jeweils mit einer schriftlichen Klausur – nicht nur, um die Voraussetzungen für den Erwerb des IHK-Zertifikats zu erfüllen, sondern auch um die Entwicklung des Wissenstands der Teilnehmer zu prüfen und im Bedarfsfall korrigierend eingreifen zu können.

Pause zum Evaluieren eingeplant

Nach den ersten fünf Kurseinheiten folgte ab Juni 2005 zunächst eine längere Pause. Dies hatten die Organisatoren in die Pilotmaßnahme bewusst eingeplant, um die bisherigen Module zu evaluieren und – sofern nötig – Änderungen am Konzept vorzunehmen. Darüber hinaus sollte die anfangs kleinere Pilotgruppe auf die gewünschte Klassenstärke von rund 20 Teilnehmern „aufgefüllt“ werden. „Deshalb erschien uns ein mehrmonatiger Break sinnvoll“, erklärt Horn.

Im November 2005 wurde die Schulung fortgesetzt. Im Programm der nun folgenden, erneut freitags und samstags stattfindenden Kurseinheiten standen Themenkomplexe wie „Konfektionierung von Arzneimitteln“ sowie „Arbeits- und Umweltschutz“. Im Mai 2006 fand die letzte Kurseinheit und die letzte der insgesamt acht Klausuren statt.

Ex-Teilnehmer sind die besten Promotoren

Im Rückblick bewertet Personalleiter Horn die Fortbildung sehr positiv: „Unser Ziel, den Teilnehmern eine breitere Wissensbasis zu vermitteln, um sie flexibler einsetzen zu können, haben wir voll erreicht.“ Ein Erfolgsfaktor war aus seiner Warte, dass die Teilnahme freiwillig war und die Teilnehmer auch Freizeit in die Maßnahme investierten. „Deshalb überlegte sich im Vorfeld jeder Mitarbeiter genau: Ist mir die Fortbildung so viel wert, dass ich bereit bin, hierfür zehn bis zwölf Samstage zu opfern?“ Lautete die Antwort „ja“, war die nötige Motivation gesichert. Zwei weitere Erfolgsfaktoren waren für Horn, „dass die Lerninhalte genau auf die Prozesse und Verfahren im Unternehmen abgestimmt waren und mit Herrn Müller und Herrn Behle zwei Ansprechpartner zur Verfügung standen, zu denen die Teilnehmer auch eine emotionale Bindung aufbauten.“

Wie ihre Feedbacks belegen, beurteilen auch die Teilnehmer die Fortbildung positiv. Noch viel deutlicher zeigt dies aber die Tatsache, dass sie im Unternehmen aktiv Mundpropaganda für die Fortbildung machen. Dies führte unter anderem dazu, dass dem Personalbereich binnen kurzer Zeit mehr als 20 Anmeldungen vorlagen, als Novartis Pharma für den Herbst einen weiteren Kurs „Multiskilling“ ankündigte. Dies zeigt deutlich, wie groß der Wunsch nach fachlicher Weiterbildung bei den operativen Mitarbeitern in den Fertigungsbereichen der Unternehmen oft ist, wenn diese unmittelbar auf ihre Position und Funktion bezogen sind. Doch leider wird er in vielen Unternehmen – anders als bei Novartis Pharma – nicht befriedigt. Dadurch vergeben viele Betriebe, so Behles Überzeugung, „eine Chance, die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter in den unmittelbar wertschöpfenden Bereichen stärker für ihren Erfolg zu nutzen“.

Novartis Pharma konzipierte die „Multiskilling“ genannte Fortbildung, um Mitarbeiter flexibler einsetzen zu können
„Unser Ziel, den Teilnehmern eine breitere Wissensbasis zu vermitteln, um sie flexibler einsetzen zu können, haben wir voll erreicht.“
Dirk Horn, Personalleiter Novartis Pharma

Heftausgabe: Oktober 2006
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Über den Autor

Bernhardt Kuntz , Fachjournalist, Büro für Bildung und Kommunikation
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