Projekt in den USA

Merck investiert in Produktion hochaktiver Wirkstoffe

15.09.2020 Der Darmstädter Pharmakonzern Merck hat den Ausbau seiner Herstellungskapazitäten für hochaktive Wirkstoffe (HPAPI) und Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) bekannt gegeben. Das 59 Mio. Euro teure Projekt findet am US-Unternehmensstandort in der Nähe von Madison statt.

Die Investition soll die großtechnische Herstellung hochaktiver Substanzen für potenzielle Krebstherapien ermöglichen. Die Fertigstellung ist für Mitte 2022 geplant. Ab 2021 sollen dort etwa 50 zusätzliche Vollzeitstellen geschaffen werden. „ADCs haben in den vergangenen zehn Jahren starkes Wachstum verzeichnet und jüngste behördliche Zulassungen belegen ihr Potenzial als zielgerichtete Therapien“, sagte Andrew Bulpin, Leiter Process Solutions im Unternehmensbereich Life Science von Merck.

Eine der größten HPAPI-Produktionsanlage

Die Entwicklung von ADCs ist ein hochkomplexer Prozess, der eine strikte Containment-Infrastruktur voraussetzt. (Bild: Merck)

Die Entwicklung von ADCs ist ein hochkomplexer Prozess, der eine strikte Containment-Infrastruktur voraussetzt. (Bild: Merck)

Das neue Gebäude wird nach Angaben von Merck mit 6.500 m² eine der größten HPAPI-Produktionsanlagen sein, die speziell für die Handhabung von Materialien konzipiert ist, bei denen die berufliche Exposition auf den einstelligen Nanogrammbereich begrenzt werden muss. Das Projekt erweitert den Merck-Standort in Madison, dem ursprünglich ersten Betrieb zur gewerblichen Herstellung von ADCs in Nordamerika, an dem hochaktive Substanzen zum Einsatz kamen.

Das neue Gebäude ergänzt den bestehenden Campus des Konzerns in St. Louis, Missouri, der auf ADC-Biokonjugation und die Herstellung von Wirk- und Hilfsstoffen sowie Adjuvantien spezialisiert ist.
ADCs sind eine im Aufbau befindliche Arzneimittelklasse. Sie sollen hochspezifisch Krebszellen angreifen und zerstören, dabei aber gesunde Zellen schonen. Derzeit sind lediglich neun ADCs weltweit zugelassen. Die ADC-Branche wächst jedoch stark und soll bis 2030 voraussichtlich ein Volumen von fast 13 Mrd. Euro erreichen.

Striktes Containment ist vorausgesetzt

Obwohl ADCs im Vergleich zu anderen Therapieoptionen viele Vorteile haben, bringen sie auch ganz eigene Herausforderungen mit sich. Ihre Entwicklung ist ein komplexer Prozess, der eine strikte Containment-Infrastruktur voraussetzt. Ihre strukturelle Einzigartigkeit erfordert Expertise in vielen verschiedenen Technologien für nieder- und hochmolekulare Verbindungen sowie analytische Fähigkeiten. Angesichts dieser Herausforderungen werden über 70 % aller ADC-Projekte an Auftragsentwicklungs- und -fertigungsunternehmen übertragen. (jg)

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