ERP-Lösung Casymir beim Öl- und Fett-Veredler Saumweber

Alles in Butter

08.05.2006 Ein neues ERP-System? Das könnten viele mittelständische Unternehmen gebrauchen. Der junge Chef des traditionsreichen Münchner Öl- und Fett-Veredlers Saumweber wollte weg von überkommenen Insellösungen mit tausenden Excel-Dateien und Ordnern. Vom Einkauf bis zum Speditionswesen: Nur knapp ein Jahr brauchte ein Softwarehersteller, um sämtliche betrieblichen Abläufe mit seiner flexiblen Software-Lösung Casymir in den Griff zu kriegen.

Spezialist für Butter, Fette und Öle wird man nicht von heute auf morgen. Die Erfolgsgeschichte von Saumweber begann 1902 mit einer kleinen Molkerei, die Butter, Joghurt und andere Milchprodukte herstellte. Heute ist Saumweber ein europaweit angesehener Premiumhersteller von Milch und pflanzlichen Fetten für die europäische Lebensmittelindustrie sowie Gastronomie und Einzelhandel.

Wer kocht, braucht Fett. Das bekannteste Produkt – das Butterschmalz Butaris – bruzzelt täglich in abertausenden europäischen Pfannen. Und die Saumweber-Kunden, vom Großbetrieb bis zum Konditormeister, bekommen wirklich ihr Fett weg: Ob Pflanzenöle, Spezialmargarinen oder Deutsche Markenbutter – geliefert wird im großen Stil. Butter zum Beispiel als 2,5-kg-Stangen. Das kleinste Öl-Gebinde gibt’s ab 20l, das größte enthält schon 1000l. Industriebetriebe ordern unter Umständen auch schon mal ganze Tankzüge. Rund 50 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen.
Rainer Saumweber versteht sich als verlässlicher Partner der Industrie. Geliefert wird nur höchste Qualität. „Doch das Geschäft ist komplizierter geworden“, erzählt der Betriebswirt: Vor allem die vielen neuen EU-Normen sowie die Chargenrückverfolgbarkeit konnten vom in die Jahre gekommenen EDV-System nicht mehr berücksichtigt werden. Zudem wurde der Wartungsvertrag vom Software-Hersteller gekündigt. Mitte 2004 war klar: Eine neue IT-Strategie musste her.

Alle Module aus einer Hand

Im Sommer des gleichen Jahres präsentierten bekannte Software-Hersteller ihre Lösungen, wie zum Beispiel Navision von Microsoft. „Navision besteht aus Modulen, aber auch aus Add-ons anderer Anbieter“, erinnert sich Rainer Saumweber, der sich mit der Redmonder Lizenzpolitik nicht so recht anfreunden konnte. Überzeugend dagegen die Software Casymir: „Casymir bietet alles aus einer Hand. Der Hersteller haben nicht nur versprochen, dass er meine Probleme lösen können, sondern das auch gezeigt.“ Mitentscheidend sei für ihn auch, die „gleiche Sprache“ zu sprechen: klare Worte, eindeutige Aussagen, kein Drumherum-Gerede, keine leeren Versprechungen.

Bedeutsam war für Rainer Saumweber auch der hohe Qualitätsanspruch von der Software. Sie hat sich im europäischen Raum besonders im Bereich der pharmazeutischen Industrie mit ihren vielfältigen Anforderungen etabliert. Wer diese abdeckt, kann das auch im Bereich der Lebensmittelindustrie – heute und in Zukunft. Und die Anforderungen werden weiter steigen.
Realität ist bereits die lückenlose Nachvollziehbarkeit aller Prozesse und Bewegungen. In der Praxis sieht das so aus: Rohstoffe werden angeliefert. Sie werden überprüft. Wurden sie überhaupt bestellt? Stimmt die Menge? Im hauseigenen Labor wird untersucht, ob die Ware brauchbar ist. Alles okay? Dann gleich die nächste Frage: Wo soll sie eingelagert werden? Gerade bei Lebensmitteln ist oft die Temperatur entscheidend. Irgendwann einmal wird produziert, und anschließend wird verkauft und ausgeliefert. Und dann kommt irgendwann einmal jemand und möchte gerne wissen, aus welcher Charge was wann an wen verkauft worden ist. Totale Kontrolle also, vom Wareneingang bis zur Auslieferung. Und diese Anforderungen werden immer umfangreicher.

Logistische Meisterleistung bei der Herstellung von EU-Butter

So ist bereits die Herstellung von geförderter EU-Butter eine logistische Meisterleistung, da zum Beispiel sehr enge Verarbeitungsfristen eingehalten werden müssen. Die werden streng kontrolliert, und Geld von der EU gibt es auch erst beim Verarbeitungsnachweis. Nur Casymir konnte an diese Anforderungen angepasst werden, da der Hersteller über den Quellcode verfügt. So werden begleitende Daten nun automatisch in die Herstell-Vorschriften übernommen. Ab diesem Zeitpunkt wird die Charge permanent überwacht. Tatsächlich produzierte Ist-Mengen werden ins Lager eingebucht und gleich von der Gesamtmenge abgezogen. In Echtzeit zeigt die Software nun an, wie viel noch produziert werden muss.

Im Dezember 2004 wurde der Auftrag erteilt, die Planung begann im Februar. Am 1. Juli letzten Jahres ging das System wie geplant in Betrieb. Eingesetzt werden fast alle verfügbaren Casymir-Module: Einkauf, Zuschlagswesen, Lagerbuchhaltung, Verkauf, Vertrieb, Vorratshaltung sämtlicher Labordaten über alle Chargen, Dokumentation, Produktion und die Finanzbuchhaltung. Sogar der firmeneigene Fuhrpark wird von der Software verwaltet. Mit dem Jahreswechsel kam 2006 die Lohnbuchhaltung hinzu. 25 Arbeitsstationen greifen auf das Linux-basierte PC-Serversystem zu, das von einem externen EDV-Dienstleister betreut wird. Wenn in diesem Jahr noch wie geplant die mobile Lagerverwaltung sowie das Dokumenten- und Liquiditäts-Management hinzukommen, nutzt Saumweber fast alle verfügbaren Module.

Releasewechsel kein Problem

„Sehr anstrengend“ sei die Zeit der Einführung gewesen, erinnert sich Rainer Saumweber: Vieles wurde umgesetzt, sehr viele Module zeitgleich in Betrieb genommen – und das bei sehr komplexen Themen. Doch trotz aller Anpassungen läuft auch bei Saumweber immer noch eine Standard-Lösung. Ein Releasewechsel ist deshalb kein Problem.

Die begrenzten Lager- und Maschinenkapazitäten können wegen des guten Controllings nun viel besser genutzt werden. Die durch den optimierten Workflow gewonnene Zeit wird in Akquise und verbesserte Kundenbetreuung investiert: Der Markt gibt noch was her. Rainer Saumweber wirkt zufrieden: „Casymir läuft nahezu unproblematisch. Und die haben einen sehr pragmatischen Ansatz. Das finde ich gut“.

Heftausgabe: Mai-Juni 2006

Über den Autor

Thomas Kind ,
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