Sicherheit im Fokus

Aufklärung von Mythen über Inspektionsstandards in der Lebensmittelindustrie (Teil 2)

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16.10.2013 Nationale und internationale Richtlinien zur Sicherheit in der Lebensmittelindustrie unterliegen einem ständigen Wandel. Das wachsende Bewusstsein um die Sicherheitsrisiken in der globalen Lebensmittel-Lieferkette macht es für Hersteller zunehmend wichtiger, jegliche Änderungen von Richtlinien und Bestimmungen für Produktionslinien zu beachten.

Entscheider-Facts Für Betreiber und Manager

  • Die Standards in der Lebensmittelindustrie sind aufgrund der schnellen Entwicklung von Produktionsprozessen im ständigen Wandel. Lebensmittelhersteller müssen über geeignete Produktinspektionssysteme verfügen.
  • Außerdem benötigen sie Zugriff auf Erfahrung und Fachwissen, um die Einhaltung der zunehmend strengeren, von Behörden und Handelsverbänden weltweit auferlegten Standards zu gewährleisten.
  • Erfolgreiche Markeninhaber wissen, dass sie die schnelllebigen Gesetze zur Lebensmittelsicherheit genau kennen und einhalten müssen, um den Absatz auf lukrativen Märkten im In- und Ausland zu sichern.

Das Nichtbeachten der Bestimmungen kann den Absatz auf Märkten im In- und Ausland gefährden.

Um die Standards für Lebensmittelsicherheit ranken sich jedoch noch immer zahlreiche Mythen, die der Klärung bedürfen. Wenn Hersteller Fakten von Mythen trennen, gewinnen sie einen tieferen Einblick in die geltenden Branchenbestimmungen und können die Qualität ihrer Produkte und den Schutz der Verbraucher zu gewährleisten. Die Mythen 1 bis 5 wurden in P+F 5/2013, S. 60, beschrieben.

Mythos 6: Ein kritischer Kontrollpunkt am Ende der Produktionslinie ist ausreichend
In einigen einfachen Produktionsprozessen reicht ein einziger kritischer Kontrollpunkt (CCP) aus. Bei komplexeren Prozessen oder Anwendungen mit mehreren Prozessen besteht ein erhöhtes Risiko von Verunreinigungen, so dass sich hier die Installation von In-Prozess-CCPs empfiehlt. Daneben gibt es zahlreiche Anwendungen, die CCPs im gesamten Produktionsprozess erfordern, um den Nachweis mit gebührender Sorgfalt und die Rückverfolgbarkeit von Fremdkörpern zur Quelle zu ermöglichen. Eine typische Produktionslinie birgt an mehreren Stellen das Risiko von Verunreinigungen. Alle diese Stellen sollten im Rahmen eines HACCP-Audits als kritische Kontrollpunkte identifiziert werden. Dies sorgt für die Rückverfolgbarkeit der Fremdkörper im Produktionsprozess und ermöglicht Herstellern, Mängel zu beheben und zukünftige Verunreinigungen zu verhindern, wie in BRC Food Standard Version 6, Abschnitt 4.10.1.4, vorgesehen. Solche CCPs können auch dazu beitragen, Produktverschwendung zu vermeiden und Kosten zu senken, indem Verunreinigungen und Qualitätsmängel wie beispielsweise Über- oder Unterfüllung frühzeitig erkannt werden.

Mythos 7: Die Global Food Safety Initiative ist eine Zertifizierung
Die Global Food Safety Initiative (GFSI) ist eine gemeinnützige Stiftung unter Leitung des Consumer Goods Forum. Ihr Ziel ist die weltweite Vereinheitlichung von Standards zur Lebensmittelsicherheit, die Herstellern die Einhaltung der zahlreichen Bestimmungen erleichtern soll. In der Lebensmittelbranche, die von zunehmend komplexeren und multinationalen Lieferketten geprägt ist – das Beschaffen und das Verarbeiten der Rohstoffe sowie der Verkauf der Endprodukte erfolgen häufig in völlig verschiedenen Ländern – ist diese Initiative von fundamentaler Bedeutung. Lebensmittelhersteller erhalten keine GFSI-Zertifizierung, können aber nach einem von der GFSI genehmigten Standard zertifiziert werden. Beispiele sind unter anderem der BRC Food Standard, der IFS Food Standard, der Safe Quality Food (SQF) Code und die FSSC 22000. Die meisten von der GFSI zugelassenen Initiativen für Lebensmittelsicherheit basieren auf dem HACCP-System.

Mythos 8: Über die Produktinspektion müssen keine Unterlagen aufbewahrt werden
Der Zeitraum für die Aufbewahrungspflicht von Unterlagen über Produktinspektionssysteme ist je nach Region und Hersteller unterschiedlich. Es liegt jedoch im ureigenen Interesse des Markeninhabers, Aufzeichnungen über die Systemleistung so lange wie möglich aufzubewahren. Viele Lebensmittel, insbesondere getrocknete und verarbeitete Produkte, weisen eine lange Haltbarkeit auf. Diese Daten müssen bei der Planung und der Organisation des Systems für das Aufzeichnen und Speichern von Produktionsdaten berücksichtigt werden, um sicherzustellen, dass Hersteller bei Problemen unabhängig vom Herstellungsdatum des Produkts die Einhaltung der Sorgfaltspflicht nachweisen können.

Mythos 9: Die Zustandsüberwachung von Inspektionssystemen ist unnötig
Viele Bestimmungen zur Lebensmittelsicherheit verlangen heute die Integration moderner Zustandsüberwachungssysteme anstelle herkömmlicher Systeme zur Fehlerüberwachung. Ein Fehlerüberwachungssystem alarmiert die Bediener lediglich über Störungen des Produktinspektionssystems, während eine moderne Zustandsüberwachung Frühwarnungen über negative Leistungstrends ausgibt, bevor die Störung tatsächlich auftritt und das Einhalten der Sicherheitsstandards gefährdet. So können Hersteller Wartungs- und Korrekturmaßnahmen während vorgesehener Pausen oder Stillstandszeiten der Produktions- bzw. Verarbeitungslinien planen. Dies wiederum gibt Produzenten die Sicherheit, dass ihre Inspektionssysteme die Leistung der Produktionslinien korrekt überwachen, und trägt zur Reduzierung von Wartungsaufwand und Kosten bei.

Mythos 10: Alle Auditoren arbeiten mit derselben Struktur
Definitiv sind nicht alle Audits gleich. Das Auditverfahren ist abhängig von dem Standard, den der Lebensmittelhersteller erfüllen muss, dem mit dem Audit beauftragten Unternehmen, den beim Hersteller verfügbaren Aufzeichnungen und der konkreten Anwendung. Je nach Art des Risikos von Verunreinigungen erfordern bestimmte Lebensmittel spezifische Auditverfahren, die bei der Planung der Datenaufzeichnung und -speicherung berücksichtigt werden müssen.
Korrekt dokumentierte und protokollierte Leistungsdaten unterstützen Hersteller bei der Beschleunigung von Audits und Untersuchungen. Wenn die Dokumentation über Produktinspektion und Fremdkörpererkennung logisch gespeichert und umfassend ist, besteht eine geringere Notwendigkeit, Informationen über Prozesse und Validierungsverfahren eingehender zu untersuchen.

Einhalten sich ändernder Branchenstandards
Die in der Lebensmittelindustrie geltenden Standards sind aufgrund der schnellen Entwicklung von Produktionsprozessen im ständigen Wandel. Lebensmittelhersteller müssen über geeignete Produktinspektionssysteme verfügen. Außerdem benötigen sie Zugriff auf Erfahrung und Fachwissen, um die Einhaltung der zunehmend strengeren, von Behörden und Handelsverbänden weltweit auferlegten Standards zu gewährleisten. Erfolgreiche Markeninhaber wissen, dass sie die schnelllebigen Gesetze zur Lebens-
mittelsicherheit genau kennen und einhalten müssen, um den Absatz auf lukrativen Märkten im In- und Ausland zu sichern.

Den ersten Teil dieses Beitrags lesen Sie hier

Heftausgabe: Oktober 2013

Über den Autor

Neil Giles, Marketing Communications Manager, Mettler-Toledo Produktinspektion
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