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Bild: Giuseppe Porzani

| von Ansgar Kretschmer, Redaktion

 

„Die Zunge kann verschiedene wichtige Nährstoffe erkennen, so wie Natrium, Zucker oder Aminosäuren – am Geschmack“, erklärt Prof. Yuki Oka vom California Institute of Technology. „Aber wie wir Wasser im Mund spüren war unbekannt. Viele Insektenarten ‚schmecken‘ Wasser, also nahmen wir an, Säugetiere könnten auch einen Apparat zur Wassererkennung im Geschmackssinn haben.“

Doktorand Dhruv Zocchi testete darum an Mäusen, wie deren Geschmacksnerven auf verschiedene Geschmacksstoffe reagieren, aber auch deren Reaktion auf Wasser. Bei den fünf grundlegenden Geschmacksrichtungen – süß, sauer, bitter, salzig und umami – feuerten die Geschmacksnerven erwartungsgemäß Signale ans Gehirn. Aber auch bei reinem Wasser fingen die Wissenschaftler Geschmackssignale in den Mäusegehirnen auf. Dies deutete darauf hin, dass tatsächlich der Geschmackssinn für das Erkennen von Wasser verantwortlich ist.

Allerdings war noch unklar, ob Wasser unter eine der bekannten Geschmacksrichtungen fällt oder einem bislang unerkannten Geschmack entspricht. Darum blockierte das Forscherteam eine Gruppe von Geschmackssensoren der Mäuse nach dem anderen mit genetischen und pharmakologischen Methoden, ohne die jeweils anderen Geschmacksrichtungen dabei zu beeinträchtigen. „Zu unserer Überraschung wurden die Reaktionen auf Wasser komplett blockiert, wenn wir die Geschmackszellen für ‚sauer‘ still legten“, so Oka. Offenbar sind es also diese Sinneszellen, die den Wassergeschmack wahrnehmen und weiterleiten.

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Schmeckt besser mit Zitrone – aber auchreines Wasser regtden Geschmackssinn für Saures an. (Bild: dzha)

Blaues Licht statt Wasser

Den endgültigen Beweis brachten die Wissenschaftler mit einer Technik namens Optogenetik. Damit lassen sich in genmanipulierten Mäusen bestimmte Nervensignale – in diesem Falle saurer Geschmack – mit Lichtpulsen auslösen. Die Forscher entfernten die Trinkflaschen der Versuchstiere mit Flaschen, deren Öffnung blau aufleuchtete, wenn die Tiere sie berührten. Waren die so manipulierten Mäuse durstig, leckten sie an den vermeintlichen Wasserquellen und „tranken“ das blaue Licht. Obwohl sie tatsächlich kein Wasser bekamen, leckten sie weiter an der Lichtquelle, da das Licht das Signal für „Wasser“ auslöste.

Dabei tat sich nun ein Widerspruch auf: Säure ist oft ein unangenehmer Geschmack, der Tiere eher vom Trinken abhält – Mäuse trinken beispielsweise freiwillig keinen Zitronensaft. Die Stimulation der Sauer-Geschmackszellen durch Licht löste jedoch keine solche Abneigung aus. „Das weckt die Frage: Welche Geschmacksinformationen übertragen die Sauer-Zellen wirklich ans Gehirn?“ Möglicherweise, so vermuten die Forscher, lösen die Geschmackszellen nicht die unangenehme Säure aus, sondern stattdessen einen anderen Geschmack – den von Wasser. Als nächstes wollen sie darum untersuchen, wie das Gehirn daraufhin zwischen angenehmer und unangenehmer Säure unterscheidet. [ak]

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