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Leicht zu reinigende Anlagen und -komponenten sparen bares Geld, denn eine Maschine, die gereinigt wird, kann nicht produzieren. (Bild: Edler von Rabenstein – Fotolia)

  • Hygienic Design beziehungsweise Easy to Clean ist längt kein alleiniges Thema der Pharma- und Lebensmittelbranche.
  • Auch die Prozessindustrie erkennt die Vorteile einer schnellen Reinigung, denn Stillstandszeiten sind Produktionsausfälle und verunreinigte Chargen führen zu Verlusten.
  • Daher geht der Trend hin zu hygienischen Produkten, die leicht zu reinigen sind. Dabei fragen nicht alle Anwender die hygiene-spezifischen Zertifikaten nach.

Dabei spielt es keine Rolle, ob die Maschine defekt ist, gewartet oder gereinigt wird. Daher sind Anlagenbetreiber darauf erpicht, die (planbaren) Ausfälle durch notwendige Reinigungen so kurz wie möglich zu halten. Die Forderung nach leicht zu reinigenden Anlagen und Anlagenkomponenten ist daher längst nicht mehr nur ein Thema der Lebensmittel- und Pharmaproduzenten. Mehr und mehr erkennen auch andere Branchen, wie die Chemie, die Vorteile von Anlagenkomponenten im Hygienic Design beziehungsweise in „Easy-to-clean“-Ausführungen.

Getrieben durch den Trend zu immer hochwertigeren Produkten geht es da­rum, Produktreste bei Chargenwechseln restlos zu entfernen, um eine Vermischung und damit Qualitätsverluste zu vermeiden. Beispiele für die Pharma- und Lebensmittelbranche sind Kontaminationen mit Allergenen (Milchprodukten, Nüsse oder Ei) oder die fehlerhafte Beimischung von pharmakologisch wirksamen Stoffen. In der Prozessindustrie sind es Verunreinigung von Farbpigmenten oder die unbeabsichtigte Vermischung von reaktionsfähigen Stoffen. Dazu kommt der Wunsch nach dem Vermeiden von „Handarbeit“ bei der Reinigung und nach einer Automatisierung von Reinigungsvorgängen.

Der Trend hin zur Hygiene

Volker Spieß, General Manager bei Gericke, sieht bei seinen Kunden eine einfache Reinigung als Grundvoraussetzung für Investitionsentscheidungen. Hintergrund ist das Optimieren der Reinigung und der Wunsch nach kürzeren Stillstandszeiten. Diese Anforderung sieht auch Sandra Drawe, Team Leader Marketing bei Rembe. Auch sie bemerkt seit einigen Jahren einen Anstieg der Anfragen nach Produkten im Hygienic Design. Als Gründe nennt sie die Verschärfungen in der Gesetzgebung und Normung, die Unternehmen neue Standards auferlegt und die wachsende Sensibilität beim Konsumenten. Theron Harbs, Business Field Manager bei Netzsch, zählt weitere Gründe auf: „Die Produktsicherheit steigt, und das Risiko von externen oder Kreuz-Kontaminationen sinkt. Außerdem sollen Qualitätsschwankungen vermieden werden.“

Stefan Gebhardt, General Manager Business Unit Food & Pharma bei Coperion, sieht in Lebensmittelskandalen einen wesentlichen Aspekt dafür, dass das Thema Lebensmittelsicherheit und damit die Verbrauchersicherheit, immer stärker in den Vordergrund rückt. Daher wird auch für sein Unternehmen das Thema Hygiene von Jahr zu Jahr wichtiger. Laut Gebhard fragen in manchen Bereichen Anwender explizit nach Easy-to-clean-Ausführungen. Johan Roels, Sales Manager Food von J-Tec, beobachtet in der chemischen Industrie einen Trend zum Hygienic Design, wenn die Produkte der Unternehmen in der weiteren Verarbeitung mit Lebensmitteln in Kontakt kommen. Als Beispiel nennt er Kunststoffe für Lebensmittelverpackungen.

Mit der steigenden Nachfrage nach hygienischen Produkten wächst laut Volker Spieß auch der Wissensstand der Anwender. Allerdings gäbe es immer noch ein breites Spektrum. Dieses reicht von expliziten Nachfragen, etwa nach Oberflächengüten, die eine leichte Reinigung ermöglichen, bis zu dem Fall, dass essenzielle Begriffe erklärt werden müssen. Er zieht Parallelen zur Einführung der Atex-Richtlinie. Auch damals lautete oftmals das Motto „Da müssen wir was machen“ – aber viele wussten nicht genau, wie und was.

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Easyclean-Varianten erleichtern den Zugang für Reinigung und Revision. (Bild: Gericke)

Nicht alle verlangen nach Zertifikaten

Waren sich die Befragten noch einig, dass das Hygienic Design eine immer wichtigere Rolle spielt, scheiden sich die Geister bei der Frage nach den Zertifikaten. Für die Kunden von Stefan Gebhardt sind Zertifikate, wie EU 1935/2004 oder EHEDG (European Hygienic Engineering & Design Group), eine Bedingung, damit diese sich für die Produkte entscheiden.

Ein anderes Bild zeichnet Volker Spieß: So entsprächen die Produkte zwar den Richtlinien der EHEDG, allerdings lässt das Unternehmen seine Produkte nicht zertifizieren – schlicht deshalb, weil die Kunden aus dem Pulverbereich diese nicht nachfragen. Auch Theron Harbs erklärt, dass die Zertifikate nicht so häufig gefordert werden. Als möglichen Grund macht er aus, dass es seinen Kunden weniger um Standardlösungen geht, sondern meistens um „Fit-to-Purpose-Anlagen“. Robert Müller, Sales Director bei Netzsch, gibt zu bedenken, dass die Anwender hauptsächlich an der Verträglichkeit der eingesetzten Materialien interessiert sind – Stichwort FDA-Zeugnisse. Für die Kunden von Matthias Hänsel, Leiter Marketing bei Hecht, spielen ebenfalls die von Institutionen wie FDA/ASME oder Administrationen geforderten Zertifikate die größte Rolle. Zertifikate der EHEDG seien mehr „Nice to have“.
Sandra Drawe hingegen berichtet von einer expliziten Anfrage aufgrund der Tatsache, dass ein Produkt gemäß EHEDG zertifiziert ist. Zudem sieht sie vor allem auf Messen in den Zertifikaten ein wichtiges Verkaufsargument. Johan Roels zieht eine Linie zwischen der Lebensmittelindustrie und der chemischen Industrie: Für Erstere ist die EU 1935-2004 verpflichtend; weitere Zertifikate werden zwar nicht gefordert, helfen aber bei der Installation von CIP-fähigen Anlagen. Dagegen gibt es aus der Chemie keine diesbezüglichen Anfragen.

Welche Reinigung hätten Sie denn gern?

Für Volker Spieß steht beim Design der Maschinen- und Anlagenteile die leichte Reinigbarkeit der produktberührten Teile im Vordergrund. Daher muss der Aufbau der Maschine eine schnelle Reinigung ohne langwierige Demontage- und Rüstzeiten unterstützen sowie eine gute Zugänglichkeit ermöglichen. Sein Unternehmen setzt dabei auf WIP. Für ihn ist die Bezeichnung CIP eine, mit der Schindluder getrieben wird. Er legt Wert darauf, dass beispielsweise bei Sieben immer eine manuelle (Nach-)Reinigung nötig ist. Anwender sollten CIP-fähigen Sieben daher immer mit Skepsis begegnen. Zudem gibt es Applikationen, in denen eine Wäsche mit Wasser unmöglich ist, da dessen Einsatz in der Produktion verboten ist, etwa aufgrund der Gefahr von Keimbildung.

Bezüglich der Kundenwünsche nach „leichter zu reinigen“ oder „leichter zu demontieren“ sieht sich Gebhardt mit beiden Anfragen konfrontiert. Jedoch hätten CIP-Varianten den Vorrang, da Anwender sich dadurch die Demontage sparen können. Das sieht auch Theron Harbs: „Die leichte Reinigung wird definitiv bevorzugt, am liebsten, ohne etwas zu demontieren, weil der Kunde sonst gleich wieder ein Risiko eingeht.“ Friedrich Elz, Bereichsleiter Pharmazie bei Pharmatec Kieselmann, sieht überdies einen Trend hin zu validierbaren Prozessen, um die Produktqualität zu gewährleisten.

Jürgen Hofmann: Vorsitzender der EHEDG DeutschlandInterview mit Jürgen Hofmann,
Vorsitzender der EHEDG Deutschland

Nachfrage nach Seminaren ungebrochen

Pharma+Food: Herr Hofmann, erwarten Sie für die Zukunft Gesetzesänderungen beim Thema Hygienic Design?
Hofman: Nein, die derzeitige Gesetzeslage ist ausreichend, und auch Kontrollen werden nicht kommen. Allerdings wird zurzeit die DIN 1672/2 überarbeitet. Diese Norm enthält allgemeine Gestaltungsgrundsätze und Konstruktionsrichtlinien für das hygienische und prozessorientierte Design von Nahrungsmittelmaschinen. Ich erwarte die Publikationen spätestens im nächsten Jahr.

P+F: Beobachten Sie einen Trend hin zum Hygienic Design?
Hofman: Unsere Kurse und Fortbildungen, beispielsweise „Grundlagen in Hygienic Design“, sind stets gut besucht. Doch das ist bereits seit Jahren der Fall. Ich kann also nicht sagen, dass es massive Änderungen bezüglich der Nachfrage gibt. Allerdings besinnt sich beispielsweise die chemische Industrie immer mehr auf dieses Thema, da man auch dort gemerkt hat, dass eine Maschine während der Reinigung nicht betrieben werden kann. Daher ergibt das Hygienic Design im Rahmen der Reinigungszeitverkürzung und Ressourceneinsparung auch hier Sinn.

P+F: Welche Probleme bzw. Fehler beobachten Sie am häufigsten in der Praxis?
Hofman: Gerade Lebensmittelbetriebe machen sich im Vorfeld zu wenig Gedanken über ihre Maschinen. Bei der Planung einer Anlage müssen immer Aspekte der Reinigbarkeit beachtet werden, denn installierte Anlagen auf Hygienic Design zu trimmen, ist fast nicht möglich und extrem teuer.

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