Abfüllanlage

(Bild: Aguacheiro Multimedia)

CDM brachte 2011 unter der Marke Impala eines der ersten kommerziellen Maniok-Biere Afrikas auf den Markt. Anstelle von Weizen- oder Gerstenmalz kommen 70 % Stärke aus den Wurzelknollen zum Einsatz. Anders als traditionell gebraute Biere aus der auch Cassava genannten Pflanze wirkt es mit seiner weißen Schaumkrone optisch wie ein normales Lager. Das hilft, Impala mit mehr als einer Million verkauften Flaschen pro Jahr zu einem großen Erfolg zu machen. Zu den Topmarken von CDM zählt außerdem das 1932 als erstes jemals in Mosambik gebraute Bier Laurentina. Mit einem Umsatz von rund 300 Mio. Euro ist die Brauerei, die heute mehrheitlich dem Konzern AB Inbev gehört, mit Abstand der größte heimische Bierproduzent und Marktführer in Mosambik.

Neuer Standort mit Potenzial

Möglich machen diesen Status die konsequente Wachstumsstrategie und eine kontinuierliche Kapazitätssteigerung. 2018 erfolgte die Grundsteinlegung zu einem Greenfield-Projekt in Marracuene, wenige Kilometer vor den Toren der Hauptstadt Maputo. Hier startete man mit einer Kapazität von 1,6 Mio. Hektoliter pro Jahr. Die Produktionsstätte wurde so konzipiert, dass sie in den kommenden Jahren ohne Weiteres auf eine Leistung von 6 Mio. Hektoliter expandieren kann.

Herzstück der neuen Location ist eine Mehrweg-Glaslinie, die von KHS geliefert wurde. Auf der Anlage können pro Stunde bis zu 80.000 550-Milliliter-Flaschen abgefüllt werden – das Format, mit dem rund 95 % des Umsatzes erzielt werden. Für den afrikanischen Kontinent sei die Linienleistung extrem hoch, erklärt Tobias Zeimentz, der beim Abfüllspezialisten als Key Account Manager weltweit für den Kunden AB Inbev verantwortlich ist: „In dieser Region werden selten mehr als
40.000 Flaschen pro Stunde verarbeitet.“

Abfüllanlage
Dreh- und Angelpunkt der neuen Linie sind die beiden Füller. (Bild: Aguacheiro Multimedia)

Internationales KHS-Netzwerk

Mit der Realisierung seines neuen Standorts hatte CDM es eilig. Um das anspruchsvolle Timing umsetzen und die verschiedenen Komponenten schnellstmöglich bereitstellen zu können, setzte KHS auf sein internationales Netzwerk: So kamen etwa die Transporteure aus Mexiko und die Sedimentationstanks aus Südafrika. Installiert werden sollte die Linie von Technikern aus der Ukraine, der Türkei, aus Mexiko und Deutschland. Für das Training schließlich zeichneten die Kollegen aus Brasilien verantwortlich, die sich in ihrer portugiesischen Muttersprache mit den Mosambikanern ohne Kommunikationsverluste verständigen können.

Alle Beteiligten waren zuversichtlich, die herausfordernde Terminschiene einhalten zu können. Doch es kam anders als gedacht: Im März 2019 wurde das Land vom Hurrikan Idai verwüstet: Mehr als tausend Menschen starben, fast eine Million wurden obdachlos.

Von der Naturkatastrophe war auch die Hauptstadtregion betroffen, sodass es bei CDM zu Verzögerungen im Zeitplan kam. Das Produktionsgebäude wurde nicht rechtzeitig fertiggestellt, um die für die Montage bereitstehenden Maschinen aufnehmen zu können. KHS reagierte flexibel mit Teillieferungen, wann immer möglich. Im Oktober 2019 begann die Installation, obwohl die Halle noch weitgehend im Rohbau befindlich war. Ab da konnten alle Termine eingehalten werden, im Februar 2020 wurde die erste Flasche in der Linie gefüllt.

Corona-Lockdown mit Folgen

Allerdings hielt die Freude nicht lange an. Innerhalb weniger Wochen entwickelte sich Covid-19 zu einer globalen Pandemie: Betroffene Länder gingen in den Lockdown, Flugverbindungen wurden ausgesetzt, Reisen wurde weitgehend unmöglich. Mosambik kündigte an, seine Grenzen innerhalb eines Tages zu schließen, und der Flughafen von Maputo wurde nicht mehr angeflogen. „Unserem Team blieb nichts anderes übrig als buchstäblich Hals über Kopf abzureisen“, erinnert sich Key Account Manager Zeimentz. „Zu diesem Zeitpunkt war die Linienoptimierung erst zu drei Vierteln abgeschlossen, und wir hatten noch zwei Monate Arbeit vor uns.“ Trotzdem war die Entscheidung im Sinne der Mitarbeitenden die richtige: Bis wieder gereist werden konnte, verging ein halbes Jahr.

In der Zwischenzeit musste es vor Ort allerdings weitergehen, wie Franz Schepping betont, Technical Director bei CDM. „Unser lokales Team in Marracuene stand nun vor der Herausforderung, diese 80.000-Flaschen-Linie über Online-Meetings, Telefon- und Videoanrufe sowie den KHS-Fernwartungsservice Redis in Betrieb zu nehmen, ohne dass eine Schulung zuvor stattfinden konnte“, berichtet er. „Das stellte unseren Hochlaufplan natürlich erstmal auf den Kopf. Mit viel Schweiß, Überstunden und manch schlafloser Nacht haben wir es letztlich geschafft, unser wichtigstes Format, die 550-Milliliter-Flasche, so weit auf Leistung zu bringen, um die einheimischen Verbraucher mit unserem Bier zu versorgen.“ Entsprechend glücklich ist man unterm Strich, die Anlage in Betrieb gehalten zu haben. „Eine Stilllegung über mehrere Monate wäre natürlich eine Katastrophe gewesen“, bestätigt Zeimentz.

Abfüllanlage
Die Reinigungsmaschine punktet vor allem mit ihrer geringen Wassernutzung. (Bild: Aguacheiro Multimedia)

Endlich fit für die Abnahme

Erst im September 2020 konnten die meisten KHS-Kollegen unter weiterhin teils schwierigen Bedingungen zurückkehren, um ihre Arbeit zu Ende zu bringen. Zunächst erfolgte eine umfassende Auditierung, bevor die Anlage mit Überholungsmaßnahmen, Wartungs- und Reinigungsarbeiten sukzessive für die Abnahme fit gemacht wurde – alles unter Berücksichtigung der laufenden Produktionsanforderungen. Dass die Pandemie nicht vorbei war, lässt sich daran ablesen, dass es trotz scharfer Sicherheitsvorkehrungen immer wieder auf allen Seiten zu Infektionen kam, die ihrerseits für neuerliche Verzögerungen sorgten.

Im Sommer 2021 war es endlich so weit: Nach einem fünftägigen Leistungstest, der mit mehr als 95 % Linien-effizienz erfolgreich abgeschlossen wurde, konnte die Anlage offiziell in Betrieb genommen werden – und damit die mit einem Investment von rund 150 Mio. Euro „größte und modernste Brauerei in Mosambik und ganz Afrika“, wie Tomaz Salomao, der Vorstandsvorsitzende von CDM betont.

Erstmals weltweit setzt AB Inbev in Mosambik dabei zwei Exemplare der modularen KHS-Etikettiermaschine ein. Die Maschine lässt sich mit verschiedenen Stationen ausstatten, die innerhalb kurzer Zeit durch einfaches An- und Abdocken mit einem Hubwagen umgerüstet werden können. Die damit verbundene Flexibilität sorgt bei CDM für mehr Zukunftssicherheit: Auf neue Trends und dynamische Marktentwicklungen kann schnell und ohne großen Aufwand reagiert werden. Auch die Leistungswerte von nur 0,054 % Fehletiketten und einer Effizienz von mehr als 99 % konnten überzeugen.

Interpack Halle 13 – A31

Etikettiermaschine
Eine der modularen Etikettiermaschinen mit umrüstbaren Stationen. (Bild: Aguacheiro Multimedia)

Entscheider-Facts

  • Die Brauerei CDM hat in Mosambik eine neue Produktionsstätte gebaut, die so konzipiert ist, dass sie auf eine Leistung von 6 Mio. hl expandieren kann.
  • Herzstück der neuen Location ist eine Mehrweg-Glaslinie von KHS, auf der pro Stunde bis zu 80.000 Flaschen abgefüllt werden können.
  • Die Inbetriebnahme des Projekts wurde durch einen katastrophalen Hurrikan und die Coronapandemie be- aber nicht verhindert.

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