Geschützte Glattmotoren in der Mälzerei

Damit es wohl bekommt

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27.10.2017 In früheren Zeiten bereiteten Bierbrauer ihr Malz traditionell selbst vor. Heutzutage übernehmen dies oft spezialisierte Mälzereien, in denen stark automatisierte und fortlaufend modernisierte Prozesse die Regel sind.

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Entscheider-Facts für Betreiber

  • Für Auswahl und Auslegung von Antriebstechnik in der Nahrungsmittel- und Getränkeproduktion muss nicht nur Rücksicht auf die Lebensmittelsicherheit genommen werden. Häufig gilt es außerdem, herausfordernde Umgebungsbedingungen von Anfang an und dauerhaft im Griff zu behalten.
  • In diesem Spannungsfeld hat der Spezialist für Antriebstechnik für eine tschechische Mälzerei saubere und robuste Systeme mit effizienten Glattmotoren konfiguriert.
  • Der Auftrag war so erfolgreich, dass bereits ähnliche Folgeprojekte umgesetzt wurden.
Nord-Drivesystems

Das Malz ist ein entscheidender Rohstoff für Bierbrauer. Entsprechend wichtig ist es, dass in der Mälzerei alles hygienisch abläuft.
Die Glattmotoren haben keine Kühlrippen, an denen sich Ablagerungen bilden könnten. (Bild: Nord-Drivesystems)

Dies gilt auch für eine große Mälzerei in Nymburk nahe der tschechischen Hauptstadt Prag. Trotz des hohen Technisierungsgrads hält der Betreiber hier die Braukunst weiter hoch – das tschechische Bier hat schließlich einen Ruf von Weltgeltung zu verteidigen. Wie eh und je bekommt das Malz als wichtiger Rohstoff ausreichend Zeit, um sein Aroma zu entfalten. In der ersten Phase der Herstellung wird Getreide eingeweicht, bis es seine volle Keimfähigkeit ausgebildet hat. Danach folgt der Keimprozess: Das Korn treibt Blatt- und Wurzelkeime. Es kommt zu einer Anreicherung von Enzymen, die die Stärke in Malzzucker umwandeln. Währenddessen wird das Getreide regelmäßig gewendet und gelüftet. Nach etwa fünf Tagen wird das ausreichend ausgekeimte Grünmalz zum Trocknen auf eine Darre verlegt.

 

Retrofit mit über hundert Antrieben

Das Wenden des Getreides und das Ausräumen des Mälzkastens waren einst körperlich anstrengende Tätigkeiten, die viele Arbeitsstunden in Anspruch nahmen. Moderne Mälzereien mit Produktionsvolumen von Zehntausenden Tonnen jährlich setzen seit langem große maschinelle Wender ein. Als in der Mälzerei in Nymburk ein grundlegendes Retrofit dieser Maschinen anstand, beauftragte sie den tschechischen Anlagenbauer Moravské Potravinářské Strojírny (Mopos), der auf Lebensmitteltechnik und insbesondere auf die Ausstattung von Mälzereien und Bäckereien spezialisiert ist. Acht Wender waren zu modernisieren. Jedes Exemplar war über 7 m breit und wog über 7,5 t. Im Zuge des Projektes musste das Unternehmen 120 Antriebe durch neue Systeme auf dem Stand der Technik ersetzen. Jeder Wender erfordert einen Fahrantrieb, der diesen auf Schienen über den mehr als 53 m langen und circa 2 m tiefen Mälzkasten bewegt. 14 Lockerungsschnecken pro Anlage wenden, je nach Bedarf ein- bis zweimal täglich, das keimende Getreide und ermöglichen damit eine gute Durchlüftung. Zum Leeren des Mälzkastens ist zudem je ein Ausräumer an den Wendern montiert.

 

Glatt statt gerippt

Nord Drivesystems deckte den Bedarf an Antriebstechnik und lieferte 112 Getriebemotoren für die Lockerungsschnecken sowie acht Fahrantriebe mit Antriebs-elektronik zur Geschwindigkeitsregelung. Die tschechische Niederlassung Nord-Poháněcí Technika projektierte die Antriebstechnik anwendungsspezifisch in enger Abstimmung mit ihrem langjährigen Kunden Mopos. Die Rahmenbedingungen in diesem Werk hatten es in sich: In der Kastenmälzerei herrscht 100 % Luftfeuchtigkeit. Durch die Reaktion von Wasserdampf mit Kohlendioxid tritt zudem permanent dünne Kohlensäure (H2CO3) in der Atmosphäre auf. In Anbetracht dieser erschwerten Betriebsbedingungen fiel die Wahl auf Glattmotoren. Im Gegensatz zu konventionellen Rippenmotoren sind hier die Gehäuse ohne Kühlrippen ausgeführt, was Schmutzanhaftungen und Feuchtigkeitsniederschlag entgegenwirkt. Bereits ihre Standardausführung ist in der Schutzart IP66 erhältlich. Die Klemmkästen vergießt der Hersteller mit Harz; sowohl die Rotoren als auch die Statoren beschichtet er mit einem speziellen, gegen Feuchtigkeit resistenten Isolationslack.

Heftausgabe: November 2017
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Über den Autor

Jörg Niermann, Bereichsleiter Marketing, Nord Drivesystems
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