Balanceakt reduziert Risiko und Kosten

Datenbasierte Berechnung von optimalen Kalibrierintervallen

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04.11.2019 Die richtige Balance zwischen „zu viel“ und „zu wenig“ Kalibrierung von Messgeräten zu finden, war schon immer eine Herausforderung für alle, die auf präzise Messergebnisse angewiesen sind.

Entscheider-Facts

  • Feste Kalibrierintervalle führen selten zu einem Optimum aus Messrisiko und Kalibrierkosten.
  • Zwei neue Methoden erlauben es, das optimale Kalibrierintervall zu finden.
  • In der Praxis lassen sich so gleichzeitig das Prozessrisiko und die Kosten reduzieren.
Aufmacherbild

Bild: Endress+Hauser

Zwei neue Methoden erlauben es, das schwer fassbare Kosten-Risiko-Verhältnis in eine optimale Balance zu bringen.

Selbst die genauesten Messgeräte weisen Messfehler auf, die in der Regel mit der Zeit größer werden. Solche Fehler müssen regelmäßig quantifiziert werden, um festzustellen, ob die Messungen zuverlässig genug sind, um ihren Verwendungszweck zu erfüllen. Dies erfolgt per Kalibrierung. Sie ist der Vergleichsprozess der Ausgangswerte eines Messgerätes mit einer bekannten Referenz für eine bestimmte Messgröße. Eine Kalibrierung soll die Messfehler eines vorhandenen Gerätes ermitteln, oft UUT (Unit Under Test) genannt. Sobald die Messfehler bekannt sind, könnte wiederum ein UUT als Referenz zur Kalibrierung eines anderen Instruments verwendet werden. Letztlich führt diese „ununterbrochene Kette“ von Kalibrierungen zurück zu nationalen oder internationalen Primärreferenzen, die so eine Garantie für eine messtechnische Rückverfolgbarkeit schaffen (Bild 1).

Abb 1 Rückführbare Kalibrierkette zwischen Messgeräten

1: Rückführbare Kalibrierkette zwischen Messgeräten

In der Praxis ermöglicht die gemeinsame Referenz für Messungen Industrieunternehmen, eine Vergleichbarkeit und einen Transfer von Produktrezepturen zu jedem beliebigen Ort der Welt herzustellen. Kalibrierungen ermöglichen es auch, Messgeräte zu verwalten und Messdrifts zu erkennen, die einen negativen Einfluss auf die Einhaltung von Produktrezepturen und auf damit verbundene Produktionsprozesse haben. Dennoch verfolgen viele Unternehmen einen reaktiven Ansatz und kalibrieren nur, wenn sie aufgrund lokaler Anforderungen oder Qualitätsvorgaben dazu gezwungen sind. Selbst in einfachen Prozessen kann über einen längeren Zeitraum hinweg ein relativ kleiner Messfehler leicht zu einer erheblichen Verschwendung von Ressourcen führen (Energieverbrauch, Rohstoffeinsatz, Ausschuss), deren Kosten die einer Kalibrierung bei weitem übertreffen. Werden Sicherheits- und Umweltbelange davon betroffen, sollte die Notwendigkeit von regelmäßigen Kalibrierungen generell außer Frage stehen.

Heftausgabe: November 2019
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Über den Autor

Dr. Dimitri Vaissière, Expert Data Scientist, Gary Dreyer, Produktmanager Optimization Services, Thomas Kaufmann, Marketing Manager Services, Endress+ Hauser
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