Weniger Stillstand, bessere Daten, mehr Transparenz

Digitale Instandhaltung in der Produktion

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08.11.2019 Im Fokus von Digitalisierungsprojekten in der Fertigungsbranche stehen in der Regel die Kernprozesse, also die Produktion selbst. Die Instandhaltung von Maschinen und Anlagen wird oft noch vernachlässigt oder zurückgestellt.

Entscheider-Facts

  • Eine Software für die mobile Instandhaltungsplanung unterstützt Instandhalter vor Ort mit Informationen, erleichtert und optimiert die Dokumentation von Störungen und Wartungen und kann somit die Datenqualität erhöhen.
  • Zusammen mit solcher Software kann die richtige Instandhaltungsstrategie die Produktivität der Instandhalter deutlich steigern. Dies verkürzt Stillstandzeiten und steigert die Lebensdauer von Anlagen.
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Instandhaltung mit digitaler Unterstützung steigert die Produktivität und verkürzt Stillstände. Bild: Shutterstock

Stillstände von Produktionsanlagen in der Pharmaindustrie – ob geplant oder ungeplant – verursachen nicht nur hohe Kosten, sondern können außerdem ein Risiko in Bezug auf die Produktsicherheit darstellen. Deswegen gilt es, Arbeitsunterbrechungen so kurz wie möglich zu halten und eine maximale Verfügbarkeit von Anlagen zu erreichen.

Produktionsanlagen sind dabei heute deutlich komplexer als noch vor einigen Jahren. Der Einsatz der richtigen Instandhaltungsstrategie mit korrektiven und präventiven Maßnahmen ist demnach umso wichtiger. Laut einer Studie der Conmoto Consulting Group hängen bis zu 60 % der gesamten Produktionskosten in den Industrien Chemie und Pharma direkt und indirekt an der Effizienz des Instandhaltungs- und Asset Managements. Eine Software für die mobile Instandhaltung unterstützt Instandhalter vor Ort mit Informationen, erleichtert und optimiert die Dokumentation der Störungsbehebungen und Wartungen und kann somit zu einer höheren Datenqualität beitragen. Instandhaltungsplaner erhalten mit einem Tool zur Einsatzplanung mehr Transparenz in Echtzeit über die IH-Aufträge und die Auslastung ihrer Instandhalter.

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Mobile Instandhaltungsplanung erleichtert und optimiert die Dokumentation. Bild: Shutterstock

Die richtige Instandhaltungs-Strategie

Viele produzierende Unternehmen konzentrieren sich heute noch auf die korrektive Instandsetzung ihrer Anlagen und nehmen nur die unbedingt nötigen Wartungen vor. Präventive Maßnahmen minimieren das Ausfallrisiko von Anlagen jedoch deutlich und erhöhen die Lebensdauer von hochtechnisierten Maschinen. Dabei unterscheidet man drei Strategien: Bei der präventiven oder geplanten Instandhaltung nimmt der Techniker hierbei Instandhaltungsmaßnahmen nach einem bestimmten Turnus vor, unabhängig davon, wie der Abnutzungsgrad der Anlage oder Maschine ist. Der Fokus dieser Strategie liegt darauf, die Lebensdauer und Verfügbarkeit von Anlagen zu steigern.

Bei der zustandsabhängigen oder zustandsorientierten Instandhaltung überprüft der Techniker den Zustand einer Anlage regelmäßig und vergleicht den Ist-Zustand mit dem Soll-Zustand. Bei Abweichungen kann er eine Instandhaltungsmaßnahme durchführen, bevor es zum Ausfall einer Maschine kommt.

Auch eine dauerhafte Überprüfung durch Sensoren (Condition Based Monitoring) ist möglich. Bei der vorausschauenden oder proaktiven Instandhaltung (Predictive Maintenance) liefern Anlagen und Maschinen Mess- und Produktionsdaten, aus denen sich Ableitungen für Wartungen treffen lassen. Dafür müssen die Anlagen mit entsprechenden Sensoren ausgestattet sowie mit dem Internet verbunden sein, um die Daten zur Auswertung an den Serviceverantwortlichen zu senden.

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Mit einer mobilen Lösung können Instandhalter Daten über nötige und erfolgte Maßnahmen vor Ort erfassen. Bild: Shutterstock

Welche Instandhaltungsstrategie für ein Unternehmen die richtige ist, hängt von seinen Produkten und der Unternehmensstrategie ab. Field Service Management-Software und mobile Lösungen erleichtern jedoch die Planung und Umsetzung von allen Instandhaltungsstrategien. Mit einer Software zur Einsatzplanung lassen sich Maßnahmen für die präventive Instandhaltung so einplanen, dass sie den laufenden Betrieb so wenig wie möglich beeinträchtigen. Mobile Lösungen und Apps unterstützen den Techniker vor Ort mit Informationen zu den Anlagen bzw. bei der Dokumentation seiner Tätigkeit.

Herausforderungen der Instandhaltung in der Produktion

Unternehmen, die ihre Produktionsanlagen noch ohne eine Software zur Einsatzplanung und mobilen Instandhaltung betreiben, müssen einige Herausforderungen meistern, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

  • Schlechte Datenqualität: Unternehmen ohne eine Software zur mobilen Instandhaltung in der Produktion leiden meist unter einer schlechten Datenqualität, was die Gründe, Art und Dauer der Ausfälle von Anlagen sowie deren Behebung und Auslastung der Instandhalter betrifft. Eine Dokumentation der Instandsetzung erfolgt – wenn überhaupt – meist erst später papierbasiert und ist entsprechend fehleranfällig.
  • Aufwendige und fehleranfällige Nachbearbeitung: Die manuelle Übertragung der Daten vom Papier ins ERP-System (wie zum Beispiel SAP PM) kostet viel Zeit und ist oft nicht vollständig. Wichtige Informationen können verloren gehen. So fehlt bei verbrauchtem Material ohne eine Dokumentation der Bezug zum Auftrag. Bei der jährlichen Inventur ist somit schlecht nachvollziehbar, warum bestimmte Teile häufiger verbraucht wurden als andere.
  • Fehlende Transparenz: Durch die schlechte Datenqualität über die Instandhaltung der Anlagen und die Auslastung der Instandhalter fehlt dem Management die Basis für eine korrekte Bewertung der aktuellen Situation und eine bedarfsgerechte, zukünftige Planung. Meist fehlen auch Informationen über die tatsächlichen Kosten, was die einzelnen Anlagen und deren Materialverbrauch betrifft.
  • In der Pharmaindustrie spielt außerdem eine GMP-gerechte Produktion eine wesentliche Rolle. Ist aufgrund einer durch mangelnde Transparenz ausgelösten fehlerhaften Instandhaltung die Produktsicherheit nicht gewährleistet, hat dies nicht nur finanzielle und rechtliche Konsequenzen. Auch das Vertrauen der Verbraucher und damit der Ruf des Unternehmens können schweren Schaden davontragen.
  • Maschinenbezogene Planung von Wartungen: Für Wartungs-Stillstände muss sehr genau im Voraus geplant werden, wann und wie lange eine Maschine aus der Produktion genommen wird. Deswegen ist es sinnvoll, möglichst alle anstehenden Wartungen zusammenzufassen.
  • Ungewisser Ersatzteilbestand: Ein fehlendes Ersatzteil kann zu längeren Stillstandzeiten von Produktionsanlagen führen. Ein korrekter, aktueller Ersatzteilbestand ist deswegen kritisch für die Produktion. Ohne eine mobile Lösung kann es sein, dass der Instandhalter umsonst ins Lager läuft, um das passende Ersatzteil zu finden, wenn Bestände nicht aktuell gepflegt sind.
  • Korrektive Instandhaltung im Fokus: Der Großteil der Aufträge von Instandhaltern sind Instandsetzungen bei Störungen. Präventive Instandhaltungsmaßnahmen können jedoch die Anzahl der Ausfälle von Anlagen deutlich reduzieren und die Lebensdauer von Anlagen verlängern. Dies erfordert eine entsprechende Planung der Ressourcen.

Ziele der digitalen Instandhaltung in der Produktion

  • Hochtechnisierte Anlagen sollten mit modernen IT-Systemen gewartet und Instand gehalten werden, um einen maximalen Investitionsschutz zu bieten. Unternehmen, die eine Software zur Einsatzplanung und mobilen Instandhaltung in der Produktion einführen, haben meist genaue Ziele und Erwartungen. Dazu gehören neben der reinen Digitalisierung der Prozesse oft die folgenden:
  • Verbesserung der Datenqualität: Mit einer mobilen Lösung oder App können Instandhalter Daten und Informationen über die Instandhaltungsmaßnahmen der Anlagen vor Ort direkt digital inklusive Fotos erfassen. Dies verbessert die Datenqualität im Vergleich zu einer papierbasierten Erfassung, bei der Dokumente verloren gehen können, unleserlich ausgefüllt sind oder gar nicht erst erfolgen. Eine lückenlose Datenbasis, die Anzahl, Ursachen, Dauer und Maßnahmen zur Behebung von Störungen in Echtzeit dokumentiert, bietet zudem die Grundlage für Optimierungen von Instandhaltungsprozessen. Außerdem lässt sich so die Einhaltung von Richtlinien der pharmazeutischen Herstellung wie GMP und ähnlichen Regelwerken, und damit eine konstant hohe Produktqualität deutlich besser nachweisen.
  • Steigerung der Verfügbarkeit von Anlagen: Eine bessere Datenqualität führt zusammen mit präventiven und vorausschauenden Instandhaltungsmaßnahmen schließlich zu weniger Ausfällen und kürzeren Stillstandzeiten. Zudem kann dies zu einer längeren Lebensdauer der Anlagen beitragen.
  • Höhere Produktivität der Instandhalter: Über eine Software oder App erhält der Instandhalter die Aufträge direkt auf seinem mobilen Gerät, statt papierbasierte Aufträge beim Schichtleiter abzuholen. Damit erhält er alle Informationen zur Anlage auf seinem Gerät und behält diese auch im Offline-Modus. Der Ersatz von Papierdokumenten durch digitale Wartungspläne, Ersatzteillisten, Checklisten und Aufträge erleichtert und beschleunigt die Dokumentation der Wartungen und Instandsetzungen.
  • Effizienteres Ersatzteilmanagement: Durch die digitale Abbildung von Lagerbeständen in einer mobilen Lösung sehen Instandhalter auf einen Blick, ob ein Ersatzteil am Lager verfügbar ist oder können es bestellen, wenn es nicht mehr vorrätig ist. Die digitale Erfassung der Verbräuche schafft Transparenz und bietet Potenzial für Optimierungen in der Lagerwirtschaft. Zudem erspart das digitale Ersatzteilmanagement unnötige Laufwege.
    Einbindung externer Dienstleister: Auch externe Techniker können Instandsetzungs- oder Wartungsaufträge über eine Software zur zentralen Einsatzplanung erhalten und so in den Workflow eingebunden werden. Ihre Aufträge können sie dann ebenso wie die internen Kräfte mobil bearbeiten und Rückmeldungen erstellen. Die Abläufe der externen Techniker sind somit transparenter und nachvollziehbarer.
  • Reduzierung von Nachbearbeitungen: Durch die digitale Erfassung von Daten fließen die Rückmeldungen der Instandhalter zu den Aufträgen direkt in das ERP-System (SAP PM) ein und machen eine manuelle Übertragung von Papierformularen überflüssig. Dies spart Zeit und reduziert mögliche Fehlerquellen.
  • Mehr Transparenz durch zentrale Planung: Der Einsatz einer zentralen Einsatzplanungslösung verbessert die Transparenz über die Auslastung der Mitarbeiter wesentlich. Der Instandhaltungsplaner erhält Meldungen zu einer Störung entweder von einem Maschinenführer oder durch eine automatische Fehlermeldung von der Anlage selbst. Auch die fälligen Wartungen muss er rechtzeitig einplanen und auf die verfügbaren Instandhalter verteilen. Eine Software zur Einsatzplanung zeigt ihm, welche Instandhalter verfügbar sind und über die nötigen Qualifikationen verfügen. Somit kann er Wartungen und Instandsetzungen so kombinieren, dass alle Kollegen optimal ausgelastet sind und die Produktion so wenig wie möglich beeinträchtigt wird.

Mit der richtigen Instandhaltungsstrategie, einer Software zur Einsatzplanung und mobilen Instandhaltung sorgen Unternehmen dafür, dass ihre hochtechnisierten Anlagen weniger stillstehen, eine längere Lebensdauer haben und die Produktivität ihrer Instandhalter deutlich steigt.

 

Heftausgabe: Pharma+Food November 2019

Über den Autor

Hannes Heckner, Gründer und CEO, MobileX
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