Erfolgsfaktoren der Digitalisierung

Digitaler Wandel in der Pharmaindustrie

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21.04.2017 Digitalisierung und Industrie 4.0 – zwei Wörter, die derzeit in aller Munde sind. Der digitale Wandel erreicht auch Bereiche wie Stadtentwicklung, Flächennutzung und Gebäudeplanung.

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Entscheider-Facts für Planer

  • Pharmaunternehmen müssen bei der Einführung digitalisierter Strukturen neben dem damit verbundenen Wandel auch geltende GMP- und FDA-Regularien beachten. Die notwendige Umstellung stellt dadurch eine noch größere Herausforderung dar.
  • Digitalisiert Gebäudetechnik liefert viele Vorteile. Eine geeignete Digitalisierungsstrategie sollte daher schon zur frühen Planungsphase eines Bauvorhabens gehören.

Auch die Pharmabranche steht vor der Herausforderung, einen geeigneten Weg ins digitale Zeitalter zu finden. Denn digitalisierte Strukturen können Pharmabetriebe vorwärtsbringen und ihre Konkurrenzfähigkeit in Zukunft sichern. Wollen sie von der technologischen Wende profitieren, müssen sie sich aber auch mit den vorhandenen Risiken rechtzeitig und tiefgehend auseinandersetzen.

Bild: Sergey Nivens, Fotalia

Kennen Unternehmen die Bereiche und Zeitfenster mit hoher und niedriger Aktivität, können sie gezielte Optimierungsmaßnahmen entwickeln. (Bild: Sergey Nivens – Fotolia)

Die strengen GMP- und FDA-Regularien und die festgelegten SOPs begrenzen die Flexibilität der pharmazeutischen Industrie. „Never change a running system“ – dieses Motto erklärt die zögerliche Haltung, die viele Unternehmen in Sachen Digitalisierung derzeit einnehmen. Das ist durchaus verständlich, denn die konstante Produktqualität und die pünktliche Lieferung stehen hier im Vordergrund. Erfüllen Pharmaunternehmen die GMP-Regeln nicht und können Produkte wegen Qualitätsproblemen nicht liefern, droht ihnen neben dem finanziellen Schaden oft auch ein gravierendes Reputationsproblem. Allerdings steigt auch der Druck, sich an wandelnde Marktbedingungen anzupassen und im Wettbewerb erfolgreich zu bestehen. Wer digitale Technologien intelligent einsetzt, kann seine Prozesse optimieren, dadurch schneller und besser produzieren. Deshalb gilt es, ein Gleichgewicht zwischen den hohen Anforderungen der Branche und dem wirtschaftlichen Vorteil der Digitalisierung zu finden.

Jedes Unternehmen hat dabei unterschiedliche Voraussetzungen und Bedürfnisse und benötigt eine individuelle Vorgehensweise. Es gibt jedoch einige allgemeingültige Regeln beim digitalen Wandel. Die erste bezieht sich auf das Einrichten eines intelligenten, selbstlernenden digitalen Managementsystems. Als zweite Regel muss die Cyber Security fest verankert sein. Drittens müssen diese Maßnahmen ein strategisches Paket bilden, das bereits in der frühen Planungsphase – beim Anforderungsmanagement – festgelegt und von da an konsequent umgesetzt wird. Dies gilt für Neubauprojekte wie auch für Umbauten gleichermaßen. In beiden Fällen liegt der Fokus darauf, eine nur punktuelle Auseinandersetzung mit dem Thema Digitalisierung zu vermeiden. Stattdessen ist eine Digitalisierungsstrategie zu erstellen, die im Einklang mit den oben genannten Erfolgsfaktoren und der Unternehmensstrategie steht.

Ein „Brain“ integriert alle Systemanforderungen

Ein intelligentes und selbstlernendes System ermöglicht zunächst einmal die gezielte Datengenerierung. In Kombination mit moderner Sensorik stellt es in Zukunft sicher, dass Produktionsabläufe sowie die Arbeits- und Produktionssicherheit optimiert werden. Schon heute ist eine Vielzahl von internetfähigen Geräten auf dem Markt. Es fehlt jedoch deren sinnvolle Vernetzung. Eine unstrukturierte und unkontrollierte Datenflut bringt keinen Nutzen: Vielmehr ist sie eine Last. Deshalb ist es so wichtig, alle Komponenten in ein übergeordnetes System zu integrieren. Dieses funktioniert dann als eine Art zentrales, selbstlernendes Gehirn, nachfolgend als „Brain“ bezeichnet. Das Brain vernetzt alle neuen und bestehenden Systeme und fungiert als übergeordnete Schnittstelle. Beispiele dafür gibt es bereits heute – die Technologie Watson von IBM oder die Systeme von Thing Technologies.
In physikalischer Hinsicht erfolgt die Datengenerierung mithilfe von Tracking of Everything – von Unternehmen wie Apple und Google bereits eingesetzt. In der Pharmaindustrie werden gegenwärtig vor allem Temperatur, Feuchte und Partikel gemessen. Ein Tracking der Gebäudefunktionen und der Produktionsbereiche gibt es noch nicht. Sein Einsatz würde einem Pharmaunternehmen ein genaueres Bild liefern, welche Bereiche aktuell genutzt werden, welche Wege Personen und mobile Anlagenkomponenten im Gebäude zurücklegen und wo sich diese befinden. Aus diesen Daten entsteht ein wertvolles Wissen, ob ein optimaler Produktionsprozess sichergestellt ist und wo sich die Planung verbessern lässt. Die Informationen können aber auch für das Facility Management ihren Beitrag leisten. Sie zeigen zum Beispiel, ob und in welcher Intensität die Reinigung der einzelnen Produktionsräume erforderlich ist.
Intelligente Trackingsysteme sind heute mit der Beleuchtung verknüpft. Dadurch ermöglichen sie eine gezielte Lichtsteuerung der Produktionsbereiche. Aufwendige Bussysteme mit entsprechenden Schaltern und Tastern können entfallen. Als sehr hoch bewerten viele Zukunftsforscher dabei das Potenzial der Sprachsteuerung – Beispiele sind I-OS-Siri oder Amazon Alexa. Mit der Technik berührungslos kommunizieren: Dies kann für den Reinraum erhebliche Verbesserungen bedeuten. Die Technologie ist vorhanden und wirtschaftlich, sie muss nur gezielt eingesetzt werden.

Aber auch die kostengünstige batteriebetriebene Beacon-Technologie bietet neue Chancen in der Pharmaproduktion. Beacons basieren über die Bluetooth Low Energy-Technik auf dem Sender-Empfänger-Prinzip. In festen Zeitintervallen senden sie Signale und kommunizieren mit einem Smartphone und dem Brain über eine mobile App. Werden Beacons an gebäudetechnischen und Produktionsanlagen installiert, können mit ihrer Hilfe Informationen über die Anlagentechnik, Wartungsbücher, Dokumentationen und Spezifikationen in der Produktion vor Ort per Smartphone abgerufen werden. Die Informationen werden dabei im Brain einmal konfiguriert und je Beacon spezifisch zugeordnet.

Heftausgabe: April 2017
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Klaus Dederichs, Associate Partner der Drees & Sommer Gruppe

Über den Autor

Klaus Dederichs, Associate Partner der Drees & Sommer Gruppe
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