Namur-Hauptsitzung: Prozessautomatisierer erweitern MSR-Begriff

Digitalisierung in der Prozessindustrie

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29.01.2018 Wird die Automatisierung in der digitalen Welt zum Handlanger der IT? Diese Frage bewegte die Prozessautomatisierer noch bis vor Kurzem. Inzwischen haben die in der Namur organisierten Anwender ihre Furcht beiseite gelegt und kurzerhand ihren Bilanzkreis erweitert: Künftig sollen ganze Geschäftsprozesse zum Regelkreis werden.

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Entscheider-Facts für Betreiber und Planer

  • Auf der Namur-Hauptsitzung wurde deutlich, dass die Prozessautomatisierer sich in der Digitalisierung der Industrie neu erfinden.
  • Ihre Systeme sollen künftig die für die Gesamtoptimierung wichtigen Daten liefern und ihr Prozess-Know-how den Kontext für die Datenanalyse ermöglichen.
  • Gleichzeitig wollen und müssen sie ihre Expertise in Richtung Data-Engineering und -Analyse erweitern.

 

process improvement concept image with business icons and copyspace.

Bild: Fotolia

Messen, Steuern und Regeln begann mit einfachen Regelkreisen, basierend auf Temperaturmessungen. Später wurden dann Anlagenteile wie Kolonnen mit Prozessleitsystemen geregelt. Und schließlich kümmern sich Prozessautomatisierer heute um komplette Anlagen und ganze Produktionsverbünde. „Die Produktion ist Teil der Supply Chain. Wenn wir schon die Produktion regeln, warum nicht gleich die ganze Lieferkette?“, erweiterte Namur-Vorstandschef Dr. Wilhelm Otten gleich zu Beginn der Namur-Hauptsitzung im November den Scope der Prozessautomatisierung. „Industrie 4.0“, so Otten, „ist das Messen, Steuern und Regeln von kompletten Geschäftsprozessen, auch kaufmännischen und logistischen.“

Dr Wilhelm Otten, Vorstandsvorsitzender der Namur, erweiterte den MSR-Begriff der Prozessautomation.jpg.psd_thumbnail

Dr. Wilhelm Otten, Evonik, ist Vorstandsvorsitzender der Namur
Die Produktion ist Teil der Supply Chain. Wenn wir schon die Produktion regeln,
warum nicht gleich die ganze Lieferkette?

Und so suchte der Anwenderverein für Prozessautomatisierung auf seinem Treffen in Bad Neuenahr nach neuen Werkzeugen, um dieses erweiterte Aufgabenfeld zu beackern: Kein Wunder also, dass sich die Namur für die diesjährige Veranstaltung mit GE Digital einen Partner gesucht hatte, der seinen Schwerpunkt in der Digitalisierung von Industrien sieht.

Neue Geschäftsmodelle erfordern Digitalisierung

Simone Hessel, Vice President Digital Transformation bei GE, adressierte die Prozessautomatisierer deshalb im Sponsorenvortrag mit dem Selbstbewusstsein eines amerikanischen Großkonzerns im Rücken: „Die Prozessindustrie steht am Scheideweg – Ihre Kunden verändern sich, dadurch entstehen für Sie neue Anforderungen – auch wenn Sie gar nicht meinen, dass sich hier etwas verändert.“ Hessel und ihr Kollege, Dr. Carlos Härtel, betonten, wie wichtig es ist, dass sich die Unternehmen der Prozessindustrie von Industrieunternehmen hin zu digitalen Industrieunternehmen verändern. Als Beispiel dienten ihnen dafür unter anderem neue Geschäftsmodelle wie das „outcome based selling“: So verkauft GE heute beispielsweise nicht mehr Flugzeugturbinen, sondern Flugleistung. Und am Beispiel der biopharmazeutischen Industrie verdeutlichten die IT-Experten, wie sie sich die Digitalisierung von Prozessen vorstellen: als dreistufigen Prozess, bei dem zunächst die Verbindung zwischen den als Inseln installierten Systemen hergestellt wird, in einem zweiten Schritt dann die Visualisierung der Daten erfolgt und schließlich der Regelkreis für ganze Geschäftsprozesse über digitale Zwillinge mit sogenannten „Feedback Loops“ geschlossen und diese so optimiert werden.

Heftausgabe: Februar 2018
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Armin Scheuermann ist Chefredakteur von Pharma+Food

Über den Autor

Armin Scheuermann ist Chefredakteur von Pharma+Food
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