Handling mit Sogwirkung

Einsatzbeispiele von Vakuum-Hebetechnik

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23.08.2019 Bei der Produktion von Medikamenten, Lebensmitteln oder Chemikalien gilt es ständig, beispielsweise Säcke, Fässer oder Kanister zu transportieren, zu entleeren oder auf Paletten abzustapeln. Vakuumhebesysteme können das Handling hier materialschonender, flexibler und wirtschaftlicher machen – besonders dort, wo Sauberkeit und Hygiene gefragt ist.

Entscheider-Facts

  • Wenn es um den Transport und das Handling von verschiedenen Gütern in der Medikamenten-, Lebensmittel- oder Chemikalienherstellung geht, stellen Vakuumsysteme eine Alternative zu Greifsystemen dar.
  • Verschiedene Beispiele zeigen, welche Transportaufgaben mit unterschiedlichen Anforderungen sich durch Vakuumsysteme lösen lassen.
  • Die Vakuumtechnik spielt besonders dort ihre Vorteile aus, wo ein hohes Maß an Hygiene gefragt ist.
1 Schlauchheber für Käse

Bilder: Aero-Lift

 

In solchen Fällen ist es wichtig, dass die eingesetzten Hebegeräte leicht zu reinigen sind und nicht von Lösungsmitteln oder Reinigungsmitteln angegriffen werden. In vielen Fällen ist eine Edelstahlausführung vorgeschrieben. Hier eignet sich dann etwa ein Vakuum-Schlauchheber in Edelstahlausführung.

Flächengreifer für alle Größen und Formen

Ein Beispiel für eine Andwendung von Vakuum-Hebetechnik in der Lebensmittelindustrie bietet der Vuss-Saugfuß (Vacuum Unit Sensing System): Ein Getränkedosenhersteller möchte automatisiert große Lagen Dosen heben und in Kartons umsetzen. Die Dosen müssten ansonsten per Hand einsortiert werden oder mittels Greifer bewegt werden. Dies dauert länger und gelingt nicht ohne Beschädigungen. Ein Vakuum-Flächengreifer sorgt in diesem Fall für ein sicheres und schonendes Heben der Dosen ab 30 mm Dosenboden-Durchmesser, da keine der zu hebenden Dosen durch Druck belastet oder gar beschädigt wird.

Die neueste Generation von Flächengreifern mit patentiertem Vakuum-Ventilsystem von Aero-Lift Vakuumtechnik ermöglichen auch das Handling von unterschiedlichen Transportgütern verschiedener Größen und Formen – auch Flaschen, Gläser, Farbdosen oder Gemüse in Kartonagen – ohne jegliche Umrüstzeiten. Aussparungen oder eine sich ständig ändernde Anzahl von Werkstücken bewegen die Systeme problemlos. Auch eingeschweißtes Fleisch, Käse, Zucker- oder Mehlpackungen oder ähnliche Güter lassen sich so heben, bewegen und umsetzen.

Der Flächengreifer kann dabei in ganz verschiedenen Anwendungen zum Einsatz kommen: an einem Roboterarm angeflanscht oder manuell gesteuert an einem Schlauchheber. Die Systeme sind dabei sehr robust: selbst verschmutzte oder verstaubte Arbeitsbereiche beeinträchtigen die Leistungskraft des Flächengreifers nicht. Und wo vormals mehrere Produktionsmitarbeiter die schweren Hebeaufgaben gemeistert haben, reicht mit einem intelligenten Vakuumheber meist nur noch ein Bediener. Gerade in der Lebensmittel-Industrie spielen die Systeme mit ihrem hohen Maß an Hygiene und der Möglichkeit zu beschädigungsfreiem Transport zerbrechlicher Gegenstände ihre Stärken aus.

Saugen statt Greifen

Das Grundprinzip der Technik ist dabei simpel: Der Vakuum-Saugfuß saugt das Transportgut an, anstatt nach ihm zu greifen. Das Vuss-System, das über Strömungsventile viele kleine Ansaugpunkte selbstständig an und abschalten kann, baut ein stetiges Vakuum auf. So lässt sich die Ware sicher und vollautomatisch an ihren Bestimmungsort bewegen.

Für nahezu jedes Transportgut gibt es das passende Ventil. Das richtige Ventil reduziert den Luftverbrauch und senkt die Energiekosten. Die Ventile lassen sich bei Bedarf schnell und einfach tauschen, um die Rüstzeiten kurz zu halten. Bypass-Bohrungen sind nicht erforderlich. Alle Bauteile sind leicht zugänglich, die Ventile verstopfen nicht durch Schmutzpartikel.

Das zugehörige Sauggummi ist alterungs-, feuchtigkeits- sowie temperaturbeständig. Es besitzt eine hohe Verschleißfestigkeit und bietet kurze Rückstellzeiten für hohe Taktzahlen. Das Wechseln der Sauggummimatte ist schnell möglich, genauso wie individuell an das Transportgut angepasste Lochbilder.

Schlauchheber verkürzt Handling

Ein anderes Beispiel bietet ein Unternehmen, das eine breite Produktpalette von chemischen Flüssigkeiten und Lacken für industrielle Anwendungen entwickelt und vertreibt. Bis die Behältnisse wie Dosen, Kanister und Fässer zum Versand in alle Welt bereitstehen, müssen sie erst in stabile Spezialkartons aus sehr fester, luftdurchlässiger Pappe gepackt werden. Je nach Art des Inhalts werden sie unterschiedlich verpackt, die Kartonagen dazu wiegen zwischen 5 und 10 kg. Nicht das Gewicht stellt allerdings das Problem dar, sondern die unhandlichen Dimensionen des Kartons sowie die unterschiedlichen Formen der zu verpackenden Kanister und Dosen. Bisher waren hierfür mindestens zwei Mitarbeiter nötig, die mit einem hohen Zeitaufwand mit der Verpackung beschäftigt waren.

Diese erhebliche Verzögerung galt es zu verkürzen, um nicht durch ein Nadelöhr den gesamten Workflow der Produktion zu gefährden. Mit einem Vakuum-Schlauchheber ließ sich nicht nur dieses Zeitproblem lösen. Die einfache Bedienung des Geräts ermöglicht das Verpacken der Behälter durch nur einen Mitarbeiter. Ein Hochleistungsgebläse erzeugt dabei das Vakuum, das dem Hebegerät zugeführt wird. Durch die ausgelagerte Vakuumerzeugung verfügt das Gerät bereits über ein sehr geringes Eigengewicht und lässt sich somit leicht manövrieren. Das Hebegerät ist darüber hinaus in Leichtbauweise konstruiert – so ist die abwinkelbare Traverse aus Aluminium gefertigt und unterstützt das leichte Handling. Die bisher üblichen, unnatürlichen Körperhaltungen des Arbeiters fallen weg.

Funktionsweise ermöglicht auch Schwenken

Saugen-Heben-Senken-Lösen ist das einfache Grundprinzip aller Schlauchheber. Das Gebläse entzieht dem System kontinuierlich Luft, sodass ein Unterdruck in den Schläuchen entsteht. Das Transportgut wird durch die Differenz des Unterdrucks zum Umgebungsdruck gegen den Saugfuß gedrückt, was man umgangssprachlich als „Ansaugen“ bezeichnet. Durch das Ansaugen der Last bewirkt das somit erzeugte Vakuum ein Zusammenziehen des Hubschlauches – das Transportgut wird angehoben. Durch Betätigen des Bediengriffes öffnet sich ein Ventil – dem System wird atmosphärische Luft zugeführt, das Vakuum wird langsam abgebaut und der Hubschlauch senkt sich. Wird das Ventil durch umgekehrtes Betätigen des Bediengriffes wieder geschlossen, kann das Gebläse Luft entziehen. Das Vakuum baut sich erneut auf und der Hubschlauch hebt sich. Zum Lösen der Last wird das System maximal belüftet und das Vakuum somit aufgelöst.

Neben dem waagrechten Transport kann der Schlauchheber die Last auf verschiedene Arten schwenken: manuell, also per Muskelkraft und Hebelwirkung oder ganz einfach pneumatisch. Ob Werkstücke mit großen Unebenheiten, schlecht befüllte Säcke oder Kartons mit einer Umreifung: die richtige Lastaufnahme macht auch hier das Transportieren möglich. Dank einer optionalen Schnellwechsel-Kupplung lassen sich für unterschiedliche Transportgüter die Lastaufnahmen dabei ohne lange Umrüstzeiten wechseln.

 

Heftausgabe: September 2019

Über den Autor

Pia Mörike ist Marketingmanagerin bei Aero-Lift
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