Abwasseranlage

Die neue Anlage, die für die Abwasserbehandlung bei DSM in Sisseln errichtet wurde. Bild: DAS EE

DSM Nutritional Products betreibt in Sisseln im Schweizer Kanton Aargau die weltweit größte Produktionsstätte für Vitamin E. In dem Werk werden zudem auch Pharmazeutika, Stoffe für die kosmetische Industrie, Nahrungsergänzungsmittel und Zusatzstoffe wie Vitamine, Carotinoide und Folsäure hergestellt. Martin Brokatzky, Head Improve Plant Departement bei DSM, berichtet, dass aufgrund steigender Produktionskapazitäten die am Standort bereits bestehende Abwasserreinigungs-Anlage an die Grenzen der Belastbarkeit kam. Daraufhin wurde das Dresdner Umwelttechnologie-Unternehmen DAS beauftragt, die Kapazitäten für die Abwasserbehandlung in der Zweigniederlassung auszubauen.

Strenge Anforderungen und spezielle Abwassereigenschaften

Nicht nur die steigenden Mengen, auch die Aufreinigung des Abwassers erforderte das Wissen der Dresdner Experten. „Die Anforderungen an die Abwasserreinigung sind in diesem Projekt eine Herausforderung“, berichtet Karl Rüdiger, verantwortlicher Projektleiter beim Dienstleister. „Die Abwassereigenschaften entsprechen jenen der chemischen Industrie – die einzuhaltenden Vorschriften ähneln jedoch den Vorgaben für die Getränke- und Lebensmittelindustrie. Diese strengen Grenzwerte müssen auch nach der Produktionserweiterung zuverlässig eingehalten werden.“

Daher beauftragte DSM das Umwelttechnologie-Unternehmen mit der Analyse, Planung, Herstellung, Lieferung, Errichtung, Montage und Inbetriebnahme der zusätzlichen Abwasserreinigungs-Anlage. Vorgesehen war zunächst eine temporäre Ergänzung der bestehenden Kläranlage. Die Produktionserweiterung am Standort Sisseln hat die hydraulische Last erhöht. Erwartet wurde ein Abwasservolumen von 2.250 m³/d, verbunden mit 2.800 kg/d TOC (Total Organic Carbon – gesamter organisch gebundener Kohlenstoff) sowie einer Salzkonzentration von 10 g/l. Bekannt war zudem, dass die Abwässer Lösemittel enthalten können. Ziel war es, die Belastung durch geeignete Maßnahmen auf ca. 1.000 kg/d TOC zu verringern.

 

Reaktoren
Die zwei Schwebebett-Reaktoren haben geschraubte Platten, damit sie nach temporärer Nutzung wieder zurückgebaut werden können. Bild: DAS EE

Schwebebett-Reaktor-Anlage für flexible Abwasserbehandlung

Gemeinsam mit dem Anwender entschieden sich die Umwelttechnologie-Experten für eine zweistufige MBBR-Anlage (Moving Bed Biofilm Reactor – Schwebebett-Reaktor), um die Abwasseraufbereitung umgehend an die geplante Produktionssteigerung anzupassen.

In dieser Anlage zur biologischen Abwassereinigung wird in den zwei in Reihe geschalteten Schwebebett-Reaktoren der TOC mit Hilfe von Mikroorganismen abgebaut, die auf einem speziellen Trägermaterial im Reaktor wachsen. Da es sich um einen aeroben Prozess handelt, ist dazu Sauerstoff erforderlich, der von unten eingeblasen wird. Die Treibstrahldüsen halten außerdem das Wasser im Reaktor in Bewegung und sorgen so für den stetigen Kontakt der belasteten Flüssigkeit mit der Biomasse. Überschüssiger Schlamm wird mit dem gereinigten Wasser aus dem Reaktor abgezogen und anschließend in einer Flotation abgetrennt.

Diese Lösung zur Abwasserreinigung kann aufgrund der hohen Pufferkapazität der Behälter flexibel auf stark schwankende Abwassermengen und -belastungen reagieren. Wie vom Anwender gewünscht, erfolgte die Ausführung als temporäre Anlage, die im Anschluss nach der Benutzung wieder zurückgebaut werden kann. Dazu wurden die MBBR-Behälter mit geschraubten und gedichteten Platten realisiert. Die erforderlichen Gebläse sowie Dosiertechnik und Schaltanlage wurden in Containern montiert und aufgestellt.

Anlage
In einem Teil der Anlage wird der Schlamm entwässert und abgefüllt. Bild: DAS EE

Komplettiert wurde die biologische Abwasserreinigung auf spezifischen Wunsch schließlich durch Anlagen zur Entwässerung und Abfüllung des Schlammes, eine Anlage zur Abluftreinigung und einen großen Treppenturm.

Online-Wartung aus der Ferne und mögliche Erweiterung

Nach dem Projektbeginn im September 2019 ging bereits im Juli 2020 der erste Teil der Anlage in Betrieb. Es folgten weitere Inbetriebnahmen im Bereich der Flotation und der Schlammpresse sowie die finale Leistungsfahrt. Nach einer Projektdauer von 14 Monaten konnte DAS die neue Anlage trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie Anfang November 2020 an den Auftraggeber termingerecht übergeben. Heute wird die Anlage unter Produktionsbedingungen in der Lebensmittelindustrie genutzt und von Anlagenbauer und Anwender gemeinsam betreut. Per Online-Fernwartung ist auch zukünftig für einen effizienten Service gesorgt. Und: „Wenn die Produktion weiter wächst, könnten wir dank des geringen Platzbedarfs unserer Anlage einfach auf dem zur Verfügung stehenden Gelände nachrüsten“, weiß Projektleiter Karl Rüdiger.

Anlage
Eine Übersichtsgrafik die zeigt, wie die neu realisierte Abwasserreinigungs-Anlage aufgebaut ist. Bild: DAS EE

Entscheider-Facts

  • Durch gestiegene Produktionskapazitäten reichte die Abwasserreinigungs-Anlage eines Lebensmittelherstellers nicht mehr aus.
  • Das Problem bestand darin, dass das Abwasser Eigenschaften der chemischen Industrie hatte, während Vorschriften aus der Lebensmittelindustrie beachtet werden mussten.
  • Als flexible Lösung wurden zwei Schwebebett-Reaktoren installiert, die mit Hilfe von Mikroorganismen variable Abwassermengen verarbeiten können.

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