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Erbgut von gefährlichen Listerien-Stämmen in Österreich analysiert

26.03.2014 In den Jahren 2009 und 2010 verursachten zwei verschiedene Listerienstämme in Quargelkäse einer österreichischen Molkerei 34 Erkrankungen, davon 8 Todesfälle. Experten der Veterinärmedizinischen Universität Wien analysierten das Erbgut der Bakterien von damals auf ihre Virulenz.

Erbgut von gefährlichen Listerien-Stämmen in Österreich analysiert

Mit Listerien kontaminierter Quargel forderte in den Jahren 2009 und 2010 mehrere Todesopfer. Experten der Veterinärmedizinischen Universität Wien haben jetzt das Erbgut der damaligen Bakterien genau analysiert (Foto: Kathrin Rychli/Vetmeduni Vienna)

Sie zeigten außerdem, dass die beiden Stämme unterschiedliche Eigenschaften haben und unabhängig voneinander in den Betrieb gekommen waren. Die Resultate wurden im Journal Plos One veröffentlicht und sollen helfen, Ausbrüche besser zu verstehen und Erkrankungen zu verhindern.

Die Experten untersuchten in ihrer Studie das Erbgut der beiden Keime und ihre Virulenz, das heißt, die Fähigkeit des Bakteriums, eine Zelle zu infizieren. Das Probenmaterial erhielten die Wissenschaftler aus Proben von damals erkrankten Personen. Beim ersten Kontaminationsereignis im Juni 2009 bis Januar 2010 trat ein Bakterienstamm auf, der besonders gut Epithelzellen des Darmes und Leberzellen infiziert. Dieser Keim ist extrem virulent. Er besitzt vier zusätzliche Virulenz-Gene und verursachte 14 Erkrankungen, davon 5 Todesfälle.

Einige Monate später, im Dezember 2009 tauchte dann der zweite Keim auf, der besonders gut Makrophagen (Zellen des Immunsystems) infizierte. Dieser löste allmählich den ersten Keim ab und infizierte bis zum Februar 2010 insgesamt 20 Menschen, von denen 3 Personen verstarben. Auch der zweite Keim war sehr infektiös. Im Schnitt waren die Erkrankten rund 70 Jahre alt. Es handelte sich damals um zwei verschiedene Bakterienstämme, die nicht voneinander abstammen, also unabhängig voneinander in den Betrieb gelangt waren. Die Molkerei musste aufgrund der Krankheitsfälle schließen.

Listerien-Experte und Co-Autor Stephan Schmitz-Esser betont die Bedeutung der Sauberkeit in den Betrieben. Das Institut für Milchhygiene an der Vetmeduni Vienna bietet österreichweit ein umfangreiches Listerien-Monitoring und verschiedene molekular- und mikrobiologische Untersuchungsmethoden für die Lebensmittelindustrie an.

Listerien sind stäbchenförmige Bakterien, in der Natur allgegenwärtig und normalerweise unproblematisch für den Menschen. Die Art Listeria monocytogenes kann jedoch für den Menschen sehr gefährlich werden. In Rohmilch und Weichkäse aber auch in Räucherfisch, rohem Fleisch und Fertigprodukten können die Keime vorkommen.

Weblink zum Thema
Der Artikel „Genome sequencing of Listeria monocytogenes „Quargel“ listeriosis outbreak strains reveals two different strains with distinct in vitro virulence potential“, von Kathrin Rychli, Anneliese Müller, Andreas Zaiser, Dagmar Schoder, Franz Allerberger, Martin Wagner und Stephan Schmitz-Esser wurde vor kurzem im Journal Plos One veröffentlicht (DOI: 10.1371/journal.pone.0089964). Sie können ihn hier direkt aufrufen.

(dw)

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