Neuer Pilotbetrieb für sterile Prüfpräparate

flexibilität gefordert

16.02.2007 Novartis baut derzeit einen neuen Pilotbetrieb der Pharmazeutischen Entwicklung zur Herstellung von sterilen, klinischen Prüfpräparaten am Standort WST-330/331 im schweizerischen Stein. Ziel des Neubaus ist es, dem steigenden Bedarf speziell an sterilen Arzneiformen, die im Rahmen von klinischen Prüfstudien benötigt werden, gerecht zu werden. Durch seine Nähe zum bereits existierenden Sterilbetrieb WST-303 der Pharmazeutischen Produktion ermöglicht der Neubau eine weitere Optimierung der Prozessabläufe zwischen Entwicklung und der Produktion.

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Die Investition für das neue Gebäude beträgt mehr als 150 Mio. CHF. Das Projekt sieht einen mehrstöckigen Bau auf etwa 3500 m2 Fläche vor und soll die Bereiche der Herstellung und die damit verbundenen Hilfsräume (Laboratorien und Büros) umfassen. Der Pharmaplaner erhielt nach der Ausführung der Konzeptplanung und des Basic Designs den Auftrag als Generalplaner und als Fachplaner für den Prozessteil als Kernstück des Gesamtprojektes.

Besondere Herausforderungen anGebäudehülle und Prozess

Die größte Herausforderung stellt jedoch die hohe Flexibilität dar, die an die geplanten Anlagen gestellt werden. Die Anwendungsgebiete reichen von der reinen Prozessentwicklung über die Herstellung von klinischen Prüfchargen bis hin zu kleineren Mengen von Handelsprodukten. Anlagen und Systeme müssen demzufolge gemäß den cGMP-Anforderungen in Reinraumzonen ausgeführt werden und den europäischen und amerikanischen Behördenvorschriften genügen. Ein Teil dieser Prozesse bedingt den Einsatz von Lösemitteln, so dass einige Apparate und Räume explosionssicher realisiert werden müssen. Zusätzlich muss das Equipment in einigen Bereichen dem Handling hochaktiver Substanzen gerecht werden.

Die geforderte hohe Flexibilität konnte konzeptionell durch zwei Ansätze erreicht werden: Zum einen wurden die Labors und Büros in einen separaten Bau ausgegliedert, was auch für den Einfall an Tageslicht wichtig ist. Im Pilot Plant will man aber auch für zukünftige Entwicklungen Platz schaffen und Möglichkeiten offen halten. Dieses muss von einer typischen Nutzungsdauer eines solchen Baus von 25 bis 40 Jahren gesehen werden, während die Anlagen und Produktionsprozesse viel kürzeren Lebenszyklen unterworfen sind. Zum anderen wurde ein statisches Konzept gewählt, das eine völlig stützenfreie Produktions- und Pilotebene von 1800 m2 schafft.
Bei der räumlichen Anordnung wurde darauf geachtet, dass die Infrastrukturanlagen außer der Lüftung in einem Kellergeschoss untergebracht wurden, während Pilotproduktion und die zugehörigen Lüftungsanlagen je in einer Ebene darüber angeordnet sind. Die in der Sterilproduktion eng mit den Prozessanlagen flächenoptimierten Reinräume sind als Raum in Raum konzipiert. Die hochflexible automatische Abfülllinie von Parenteralia ist in Isolatortechnik ausgeführt, so dass die Anforderungen an die Reinräume geringer ausfallen und weniger Schleusen und Umziehvorgänge erforderlich sind als klassisch üblich. Daneben gibt es noch einen sterilen Arbeitsbereich (Zone A/B) für die Verarbeitung von Kleinmengen.
Dieses Konzept erlaubt die notwendige Flexibilität für Veränderungen an den Anlagen, lässt verhältnismäßig einfache Anpassungen der Reinräume zu und weist bereits den Weg für zukünftige Produktionsbauten.

Planung und Bau im Termin

Die Grundsteinlegung erfolgte im Juni 2005. Die Planung ist heute weiter fortgeschritten, als der ursprüngliche Terminplan vorsah. Der Bau ist gegenüber dem Plan etwas voraus. Die Gebäudehülle konnte vor Weihnachten geschlossen werden. Derzeit werden der Innenausbau und die Montage der teilweise sehr komplexen Anlagen und Infrastrukturelemente ausgeführt.

Die neuen Anlagen stellen äußerst hohe technische und qualitative Anforderungen an die Equipmenthersteller. Novartis setzt neben der qualitativ korrekten Ausführung eine hohe Priorität für die rechtzeitige und vollständige Lieferung der für die FDA-Zulassung notwendigen Dokumente. Lieferung und Genehmigung der Ausführungsdokumente erfolgen in der DQ-Phase, welche vor den Factory Acceptance Tests abgeschlossen sein müssen. Dadurch wird eine effizientere Abwicklung der IQ-, OQ- und PQ-Phasen vor Ort (Site Acceptance Tests) erwartet. Die Durchsetzung dieser Vorgaben, die geschickte Montagefeinplanung und die hohe Parallelität in der Inbetriebsetzung stellt an den Generalplaner und Construction Manager eine interessante Herausforderung dar.

Ab Mitte 2007 geht‘s los

Ab Mitte 2007 startet die letzte Phase der Inbetriebsetzung. Dann muss sich zeigen, dass die Anforderungen richtig definiert waren, genau verstanden und korrekt umgesetzt wurden. Denn ab diesem Zeitpunkt werden Produktionen aus den heutigen Betriebsstätten im Werk St. Johann nach Stein in die neue Anlage verlagert. Der Projektabschluss wird 2008 sein. Dann hat Novartis die neueste Entwicklungsanlage für Parenteralia.

Heftausgabe: Februar 2007
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Über den Autor

Dr. Herbert Matthys , CEO Chemgineering Gruppe
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