Die richtige Information

Fortschritt bei mRNA-Impfstoffen

03.06.2020 Gegen das Coronavirus Sars-Cov-2, Auslöser der Covid-19-Pandemie, gibt es noch keinen Impfstoff. Fast alle forschenden Pharmafirmen von Rang und Namen arbeiten jedoch an der Entwicklung eines solchen Impfstoffs, oder sind zumindest an einer Kooperation beteiligt. Einige Unternehmen verfolgen dabei einen neuen Ansatz.

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„Der Körper kann seinen eigenen Schutz erzeugen. Alles was er braucht, ist die richtige Information“, beschreibt das Pharmaunternehmen Curevac die Wirkweise von mRNA-Impfstoffen. (Bild: Curevac)

Ein Hoffnungsträger im Kampf gegen Sars-Cov-2 sollen sogenannte mRNA-Impfstoffe sein. Diese unterscheiden sich auf mehrere Arten von klassischen Impfstoffen. Letztere enthalten in der Regel abgetötete Viren oder harmlose Bestandteile eines Virus, beispielsweise Proteine aus dessen Hülle. Gelangen diese sogenannten Antigene in den Körper, reagiert das menschliche Immunsystem mit der Produktion von Antikörpern. Die „vorgetäuschte Infektion“ dient dadurch als Übung für den Ernstfall: Bei einer tatsächlichen Ansteckung ist das Immunsystem vorbereitet und kann den Erreger erkennen und bekämpfen.

Die neuartigen Impfstoffe nutzen nun – so der Plan – nicht das Antigen selbst. Stattdessen nutzen sie sogenannte Messenger-RNA oder Boten-RNA (mRNA). Diese stellt gewissermaßen eine Abschrift eines Gens dar, das ein Virusprotein codiert, und dient somit als Bauplan für ein Antigen. Gelangt dieser Plan in eine Zelle des menschlichen Körpers, produziert diese daraufhin das Antigen, was wiederum das Immunsystem anregt wie bei klassischen Impfstoffen.

Einfache und schnelle Massenversorgung

Da eine mRNA auch als Vorlage für mehrere verschiedene Antigene dienen kann, lässt sich der Entwicklungsprozess für den Impfstoff flexibler und effizienter und damit auch schneller gestalten. mRNA-Impfstoffe sind außerdem deutlich einfacher und schneller zu synthetisieren als die Massenproduktion von Virus-Bestandteilen für klassische Impfstoffe, und die Dosis für eine Impfung fällt niedriger aus. Damit ist die Massenversorgung wesentlich einfacher. Außerdem gilt bei diesen Impfstoffen die Hoffnung, dass sie gezielter und verträglicher wirken.

Das Pharmaunternehmen Curevac beschreibt das Wirkprinzip wie folgt: „Der Körper kann seinen eigenen Schutz erzeugen. Alles was er braucht, ist die richtige Information.“ Der Impfstoffentwickler ist eins von zwei Unternehmen, die vor Kurzem erste Erfolge mit mRNA-Impfstoffen gemeldet haben. In präklinischen Studien beobachteten die Forscher des Unternehmens aus Tübingen, dass der Impfstoffkandidat eine starke immunologische Reaktion hervorrufen kann und eine wichtige Voraussetzung im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie erfüllt. Auch gegen andere Viren haben mRNA-Impfstoffkandidaten zumindest in Tierversuchen das Wirkprinzip bestätigt.

Ebenfalls vielversprechend sehen erste Ergebnisse des Biotech-Unternehmens Moderna aus. Die US-Amerikaner sind schon über die präklinische Phase hinaus. Ihr Impfstoffkandidat mRNA-1273 hat auch die klinische Phase I hinter sich gebracht und befindet sich derzeit in Phase II. Bereits im Juli soll Phase III starten, und damit auch der Einsatz an einer größeren Anzahl an Patienten.

Der Name Curevac war bereits früher in die Schlagzeilen geraten. Die neuartige Impfmethode erregte das Interesse von US-Präsident Trump, der daraufhin per Übernahme die privilegierte Versorgung der USA mit dem noch zu entwickelnden Impfstoff sichern wollte. Curevac-Ankerinvestor Dietmar Hopp erteilte über seine Beteiligungsgesellschaft Dievini Hopp Biotech Holding eine Absage: Der Impfstoff solle „Menschen nicht nur regional, sondern solidarisch auf der ganzen Welt erreichen, schützen und helfen können.“[ak]

Heftausgabe: Juni 2020

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