Bier aus Bag-in-box-Verpackungen statt aus dem Keg

Frisch Gezapftes aus dem Beutel

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Frisch Gezapftes aus dem Beutel

Der Brauer entzieht dem Bier zuerst die Kohlensäure, um es dann in die Beutel abzufüllen.
(Bild: Xylem)

Getränkepumpe in der Carbonisieranlage
Heute ist die Carbotek mit Koch an der Spitze rechtlich aus der Ankerbräu ausgegliedert – und versteht sich als Start-up mit ehrgeizigen Zielen. Das Interesse für das Beer-in-box-System ist laut Koch groß. Und natürlich läuft längst nicht mehr nur Ankerbräu durch die Zapfanlagen. Was jedoch gleich geblieben ist, ist die Pumpenart, die die Mitarbeiter verbauen. Koch begründet die Entscheidung für die Xylem-Pumpe: „Das von uns gewählte Modell G55 ist eine eingeführte Getränkepumpe, die sich in zahlreichen Schankanlagen für Wein, Sirup und Säfte bewährt. Da ist es für uns naheliegend, diese bewährten Allrounder einzusetzen.“ Er wählte ein Modell mit Vakuumschalter, der automatisch abschaltet, wenn der Bag leer ist. Laut Herstellerangaben eignet sich die Pumpe zum Fördern von 270.000 l bei einer Leistung bis zu 26,5 l/min und einem Förderdruck bis 6,9 bar. Besonders wichtig für Koch waren aber die Zulassungen nach NSF, FDA, CE und SK: „Wir konnten die Standardausführung der Pumpe einsetzen, die auch unsere Bedingungen an die leichte Reinigbarkeit wie gewohnt erfüllt.“

Kreuzfahrer stoßen mit Beer-in-box an
Inzwischen gehen Bag-in-box-Behälter auf Paletten auf die Reise durch die ganze Welt – auf mittlerweile drei der Tui Cruises Kreuzfahrtschiffen. Das entgaste Bier, verpackt in Beutel statt Kegs, belastet die Schiffsbeladung sehr viel weniger. Und viel leichter und vor allem einfach zu entsorgen sind die leeren Beutel auch. Derartige Supply-chain-Überlegungen sind es bei vielen Brauereien und Endabnehmern wie Tui, die sich für Beer-in-box interessieren. Dass sich das Einwegsystem rechnet, belegt Koch mit einer Beispielrechnung: Natürlich muss der Betreiber zunächst einmal in das Produktions-Equipment in der Brauerei investieren. Bei einem Ausstoß von 10.000 hl jährlich setzt Koch dafür Kosten von 1,10 Euro pro Hektoliter an. Hinzu kommen rund 300 Euro für die sogenannte Carbo-box, bestehend aus Pumpe und Carbonator. Zu berücksichtigen sind auch Verpackungsmaterial und Logistikkosten. Bei all diesen Faktoren schneidet ein Keg-System deutlich teurer ab; besonders signifikant beim Produktionsequipment, beim Verpackungsmaterial und den Logistikkosten über weite Distanzen ab
500 km oder Überseetransport.

Frisch Gezapftes aus dem Beutel

Die Erfinder des Zapfsystems konnten die Standardversion der Pumpe verwenden. (Bild: Xylem)

Early Adopters sitzen in England
Eine Idee, die überzeugt – über die Zeit. Mittelständische Brauereien seien schneller bereit, von Kegs auf Beer-in-box umzustellen oder beides nebeneinander zu betreiben, so die Erfahrung des Carbotek-Geschäftsführers. „Bei den Großkonzernen dauern diese Entscheidungen sehr lange, da viele Abteilungen daran beteiligt sind. Und auch deutsche Brauereien tun sich schwer mit der Umstellung.“ Großprojekte finden sich daher bislang vor allem in Übersee, in Brasilien beispielsweise. Besonders gut entwickelt sich der englische Markt, wo Brauereien die Beer-in-box-Lösung auch für den Inlandsversand nutzen. In der Regel befindet sich das Zapfsystem mit Carbonator und Pumpe dort für zwei oder drei Biersorten im Einsatz hinter dem Tresen, einträchtig neben konventionellen Keg-Zapfanlagen. Den Brauereien, die die Carbotek-Lösung einsetzen, empfiehlt Koch eine Füller-Lösung des Anlagenbauers Alfa Laval. Wählt die Brauerei aber ein Füllersystem eines anderen Anlagenbauers, unterstützt das Unternehmen den Anwender ebenfalls bei eventuell nötigen Anpassungen. Das Nördlinger Startup beschränkt sich auf der Produktionsseite jedoch auf die Engineering-Leistung zum Implementieren der Technik für das Entgasen und Abfüllen.

Qualität durch Elektronik
Die Carbonisierungstechnik dagegen entsteht in der kleinen Produktion bei Carbotek direkt. „Die Zukunft sind elektronische Carbonatoren die sehr genaue CO2 Zielwerte ermöglichen“, erläutert Koch bei der Frage nach zukünftigen Weiterentwicklungspotenzialen. Auch bestehe die Möglichkeit, den Systemansatz für Bag-in-box auf andere schaumbildende Getränke zu erweitern, etwa Cider. Und auch das Zusammenführen mehrerer Flüssigkeitsströme und Gase ist denkbar. „Das heute schon in vielen Brauereien erzeugte High Gravity-Beer könnte man somit in Beer-in-box-Verpackungen ausliefern und erst vor Ort durch die Zugabe von Wasser und CO2 fertigstellen“, konkretisiert der Geschäftsführer eine weitere Idee.

Hier finden Sie einen Link zum Anbieter der Pumpe.

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Heftausgabe: September 2016
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Über den Autor

Dr. Ulla Reutner, freie Fachjournalistin für Xylem
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