Industrielle Insektenproduktion

Für eine Handvoll Maden

18.02.2017 Knapp 9 Mrd. Menschen sollen sich bis zum Jahr 2050 auf dieser unserer Erde tummeln – also noch einmal rund 1,5 Mrd. mehr als derzeit. Sie zu ernähren (Und zwar nachhaltig!) gilt als eine der gewaltigsten und von einem Gros der Menschheit gleichzeitig am meisten unterschätzten Herausforderungen.

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Das Endprodukt kommt vornehmlich als Nutztierfutter zum Einsatz. (Bild: Bühler)

Prognosen gehen von zusätzlichen 250 Mio. t/a Eiweiß aus, die wir bis dahin zusätzlich produzieren müssten. Und das bei schon heute knapp werdenden natürlichen Ressourcen. Nur ein Beispiel: Rund 30 % der weltweiten Fischbestände gelten bereits als überfischt.

Quadratisch, madisch, gut

Gänzlich neu ist diese Problematik den einschlägigen Experten nicht, weshalb auch bereits verschiedene Alternativen diskutiert werden. Dazu gehören unter anderem Hülsenfrüchte sowie Algen. Es gibt aber auch eine weitere, vielversprechende Möglichkeit, hochwertiges Eiweiß mit kleinem Fußabdruck zu erzeugen – ökologisch wie auch physiologisch: Insekten. Vertreter wie Fliegenlarven oder Mehlwürmer sind genügsame Zuchttiere. Das gilt für die Nahrung (organische Abfälle sind als Futtermittel genug) wie auch dem benötigten Platz (eine Wanne mit Muttererde tut es hier bereits). Gleichzeitig sind sie bemerkenswert effizient darin, Futtermittel in Eiweiß umzuwandeln. Woran es derzeit noch fehlt, sind großindustrielle Anlagen, um aus diesen Insekten Eiweiß zu gewinnen. Diesem Missstand folgend haben Bühler – ein Lösungsanbieter in der Lebens- und Futtermittelindustrie – und Protix – ein Unternehmen aus dem Bereich der Insektenproduktion – Bühler Insect Technologies ins Leben gerufen. Ziel der Neugründung, die in China bereits den Betrieb aufgenommen hat, ist es, skalierbare, industrielle Lösungen für die Aufzucht und Verarbeitung von Insekten zu entwickeln. „Gemeinsam sind wir in der Lage, nachhaltige und kosteneffiziente Lösungen für große Insektenproduzenten und -verarbeiter anzubieten, welche die komplette Wertschöpfungskette abdecken“, erklärt Kees Aarts, CEO von Protix. Das gewonnene Eiweiß soll dann allerdings primär nicht unmittelbar auf dem heimischen Teller landen, sondern als Nutztierfutter zum Einsatz kommen.

Das Schweigen der Grillen

Was die Unternehmen gemeinsam im Weltmaßstab aufziehen wollen, hat das im Jahr 2009 gegründete Protix bereits in Form einer Pilotanlage Realität werden lassen. Dieses verarbeitete aktuell 1.600 t/a Larven zu Eiweiß, aus dem wiederum Produkte auf Insektenbasis entstehen. Dafür wurde das Unternehmen im Jahr 2015 vom World Economic Forum als Technologiepionier ausgezeichnet. Um allerdings die nächste Stufe erreichen und groß in den Markt einsteigen zu können, musste ein Partner her. „Technologien für die Herstellung von Nutztierfutter sind ein starkes und etabliertes Geschäftsfeld von Bühler – und das Insektenprotein lässt sich ideal zu Pellets verarbeiten oder direkt als Futtermittel einsetzen“, erläutert Ian Roberts, CTO von Bühler, die Synergieeffekte der Kooperation. Hinzu kommen der globale Marktzugang sowie die Technologiebasis und Engineering-Kapazitäten des Unternehmens. Den Fokus legen die Partner im Übrigen auf die Larven der Schwarzen Soldatenfliege, die wegen ihrer Fähigkeit, organische Abfälle in hochwertiges Eiweiß umzuwandeln, auch „Königin der Abfallverwertung“ genannt wird. Die Königin ist tot – es lebe das Eiweißpellet! [pb]

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Heftausgabe: Februar 2017
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