Halbjahresbilanz

Gerresheimer wartet auf Umsatzschub im zweiten Halbjahr

13.07.2017 Pharma-Verpackungshersteller Gerresheimer musste im ersten Halbjahr Umsatzeinbußen hinnehmen. Vor allem das Geschäft in den USA lief wegen der zögerlichen Gesundheitsreform nur schwach. Das zweite Halbjahr soll Besserung bringen.

Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2017 hat Gerresheimer einen Umsatz von 339,5 Mio. Euro erzielt und lag damit um 2,2 % unter dem Wert des Vorjahresquartals von 347,3 Mio. Euro. Bereinigt um Währungseffekte und um Akquisitionen und Desinvestitionen sank der Umsatz um 3,7 %.

Das Unternehmen berichtet von einer erwartungsgemäß geringeren Nachfrage nach medizinischen Kunststoffsystemen bei einigen Pharmakunden, bei denen Gerresheimer Alleinlieferant ist. Zusätzlich verstärkt wurde dieser Effekt durch einige Verschiebungen von Kundenaufträgen im Inhalatorgeschäft vom ersten in das zweite Halbjahr. Daneben wurden im zweiten Quartal weniger Umsätze mit Entwicklungsleistungen und Werkzeugen für medizinische Kunststoffsysteme als im Vorjahresquartal gemacht. Temporäre Schwankungen im Jahresverlauf sind üblich und im Wesentlichen durch die Abrechnung von größeren Kundenprojekten bedingt. Das Geschäft mit Kunststoffverpackungen für feste und flüssige Medikamente hat sich hingegen positiv entwickelt. Der Umsatz mit Primärverpackungen aus Glas lag im zweiten Quartal annähernd auf Vorjahresniveau. Rückläufig waren dort die Umsätze in Nordamerika, wo die derzeitige Unsicherheit zur Zurückhaltung bei Bestellungen einiger Pharmakunden geführt hat. Außerhalb Nordamerikas stieg der Umsatz mit Primärverpackungen aus Glas wie erwartet leicht an.

Leicht gesunkene Marge, leicht gestiegene Investitionen

Als Konsequenz aus der Umsatzentwicklung ist das operative Ergebnis (Adjusted EBITDA) von 80,7 Mio. Euro im Vorjahr auf 75,8 Mio. Euro im zweiten Quartal 2017 gesunken. Währungsbereinigt betrug das operative Ergebnis ebenfalls 75,8 Mio. Die Marge im zweiten Quartal lag mit 22,3 % unter der Marge der vergleichbaren Vorjahresperiode von 23,2 %. Hierbei war die Marge im Bereich Plastics & Devices trotz deutlich geringerem Umsatz mit 27 % exakt auf dem Vorjahresniveau. Im Bereich der Primärverpackungen aus Glas sank die Marge auf 20,4 %, 2,3 Prozentpunkte niedriger als die hohe Marge ein Jahr zuvor, was auf die gesteuerte geringere Auslastung der Produktionskapazitäten aufgrund des geringeren Umsatzes in den USA zurückzuführen ist.

Im zweiten Quartal wies Gerresheimer ein Konzernergebnis aus fortzuführendem Geschäft von 25,1 Mio. Euro aus, im Vergleich zu 28,9 Mio. Euro ein Jahr zuvor. Das bereinigte Konzernergebnis aus fortzuführendem Geschäft nach nicht beherrschenden Anteilen betrug 30,4 Mio. Euro, nach 34,2 Mio. Euro im Vorjahresquartal. Als Konsequenz ergibt sich damit das bereinigte Ergebnis aus fortzuführendem Geschäft je Aktie nach Ergebnisanteilen von nicht beherrschenden Anteilen von 0,97 Euro im zweiten Quartal 2017, nach 1,08 Euro im Vorjahr.

Im ersten Halbjahr 2017 investierte Gerresheimer 35,4 Mio. Euro nach 35,0 Mio. Euro im Vorjahreshalbjahr. Schwerpunkte der Investitionen waren zusätzliche Produktionskapazitäten für Kunststoffverpackungen in den USA, eine Ofenreparatur im belgischen Kosmetikglaswerk sowie neue Fläschchen- und Karpulenmaschinen im Rahmen der weltweiten Standardisierung. Der Verschuldungsgrad, gemessen als Nettofinanzschulden zum operativen Ergebnis, betrug zum 31. Mai 2017 2,7. Der Anstieg gegenüber dem Jahresende 2016 resultierte – wie jedes Jahr zu dieser Zeit – insbesondere aus der Zahlung der Dividende und der Zahlung der Zinsen der Schuldverschreibung.

Jahreserwartung bestätigt

Das Unternehmen präzisiert seine Umsatzerwartung für das Geschäftsjahr 2017 auf rund 1,4 Mrd. Euro nach Umsatzerlösen von 1.375,5 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2016. Für das Adjusted EBITDA bestätigt Gerresheimer die bisherige Erwartung eines Anstiegs auf rund 320 Mio. Euro nach 308 Mio. Euro in 2016. Hier kann das Unternehmen durch die vorgenommenen Veränderungen in den Kostenstrukturen in den Vorjahren auf temporär verändertes Verhalten der Kunden reagieren. Des Weiteren konkretisiert das Unternehmen die Erwartung für das bereinigte Ergebnis je Aktie nach nicht beherrschenden Anteilen auf einen Wert in Höhe von rund 4,25 Euro (bisher: Bandbreite von 4,20 Euro je Aktie bis 4,55 Euro je Aktie) nach einem um den aufgegebenen Geschäftsbereich Life Science Research bereinigten Vorjahreswert von 4,07 Euro je Aktie. Unverändert erwartet das Unternehmen, dass das Investitionsvolumen des Geschäftsjahres 2017 im Wesentlichen aufgrund der guten langfristigen Wachstumsperspektiven sowie infolge der Initiativen zur Produktivitäts- und Qualitätssteigerung voraussichtlich rund 8 % des Umsatzes zu konstanten Wechselkursen betragen wird.

Darüber hinaus strebt Gerresheimer bis Ende 2018 eine durchschnittliche organische Wachstumsrate des Umsatzes in Höhe von 4 bis 5 % sowie eine Adjusted EBITDA-Marge von rund 23 % für das Geschäftsjahr 2018 an. Um diese Ziele zu erreichen, sei ein jährliches Investitionsvolumen in der Größenordnung von rund 8 % des Umsatzes zu konstanten Wechselkursen nötig. Das Unternehmen erwartet weiterhin künftig ein durchschnittliches Net Working Capital im Verhältnis zum Umsatz von rund 16 % sowie eine Operating Cash Flow-Marge von ca. 13 %. Als langfristige Zielvorgabe strebt das Unternehmen an, unverändert einen ROCE von mindestens 12 % zu erreichen. Gerresheimer hält ein Verhältnis von Nettofinanzschulden zu Adjusted EBITDA von rund 2,5 für richtig, was temporär darunter bzw. darüber liegen darf, da sinnvolle M&A-Aktivitäten nicht genau planbar sind.

Den vollständigen Finanzbericht finden Sie auf der Webseite des Unternehmens.

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