Rechtsstreit um Krebsrisiko

Glyphosat: US-Gericht senkt Strafe gegen Bayer

23.10.2018 Strafe reduziert, aber Urteil bestätigt: Im Streit um das Krebsrisiko durch glyphosat-haltige Unkrautvernichter der Bayer-Tochter Monsanto hat das zuständige US-Gericht einen neuen Prozess abgelehnt. Die um mehr als 200 Mio. US-Dollar gesenkte Strafzahlung ist dabei ein vergleichsweise schwacher Trost.

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Im Streit um das Krebsrisiko durch das Herbizid Glyphosat hat ein US-Gericht das Urteil bestätigt, aber die von Bayer zu zahlende Strafe herabgesetzt. (Bild: Bayer)

Im Streit um das Krebsrisiko durch das Herbizid Glyphosat hat ein US-Gericht das Urteil bestätigt, aber die von Bayer zu zahlende Strafe herabgesetzt. (Bild: Bayer)

Die kalifornische Richterin Suzanne Bolanos senkte die Strafe von 289 auf 78 Mio. US-Dollar. Die Jury des Gerichts sah es jedoch weiterhin als erwiesen an, dass der Umgang mit dem Wirkstoff Glyphosat einen wesentlichen Anteil an der Krebserkrankung des Hausmeisters Dewayne Johnson hatte. Dieser hatte Mitte August 2018 vor Gericht Recht erhalten und Schadenersatz zugesprochen bekommen. Bayer hatte umgehend Berufung gegen das Urteil eingelegt. In dem erneuerten Urteil senkte die Richterin den sogenannten Strafschadenersatz um 211 Mio. US-Dollar, lehnte einen komplett neu aufgerollten Prozess jedoch ab.

Erneute Berufung

Für Bayer sei dies ein „Schritt in die richtige Richtung“, meldet unter anderem tagesschau.de. Weitaus schwerer als die Zahlung dürfte jedoch wiegen, dass in den USA noch rund 8.700 weitere Klagen gegen Monsanto aufgrund von Erkrankungen durch Glyphosat offen sind. Das Urteil im aktuellen Prozess könnte einen schwerwiegenden Präzedenzfall darstellen. Bayer kündigte erneut Berufung an, der Konzern beruft sich auf „mehr als 800 wissenschaftliche Studien, die US-Umweltbehörde EPA, die Nationalen Gesundheitsinstitute und Aufseher weltweit“, die kein Krebsrisiko durch Glyphosat sehen.

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Teilorganisation der WHO, stuft Glyphosat dagegen als „wahrscheinlich krebserregend für Menschen“ ein. Die Lebensmittelbehörde der EU (EFSA) folgte wiederum einer Empfehlung des Deutschen Instituts für Risikobewertung (BfR) und schätzt das Krebsrisiko durch Glyphosat als unwahrscheinlich ein. Strittig ist, inwiefern die Risiken für den Wirkstoff allein gelten, oder ob vor allem unsachgemäß eingesetzte Formulierungen, die Glyphosat enthalten, gesundheitsschädlich sind. Weitere Untersuchungen schreiben Glyphosat eine Mitschuld am Bienensterben zu.

Im Anschluss an die letzte Gerichtsentscheidung gab die Bayer-Aktie um mehr als 8 % nach. Bayer hatte den US-Konzern Monsanto, den weltweit wichtigsten Vermarkter von Glyphosat, Mitte 2018 für rund 63. Mrd. US-Dollar übernommen und integriert. Die Übernahme war erst nach zahlreichen Auflagen möglich, unter anderem gab Bayer einen großen Teil seines Saatgut-Geschäfts in Europa an BASF ab. (ak)

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