„Das Verständnis von Hygienic Design wandelt sich“

Interview mit Dr. Jürgen Hofmann, EHEDG

06.05.2019 In Sachen hygienegerechte Konstruktion ist die European Hygienic Engineering & Design Group die maßgebliche Organisation. Von Herstellern von Lebensmitteln sowie Ausrüstern der Lebensmittelindustrie gegründet, finden die Gestaltungsprinzipien der EHEDG längst auch in anderen Branchen Berücksichtigung. Im P+F-Interview erläutert Dr. Jürgen Hofmann, Vorsitzender der deutschen Sektion, die aktuellen Trends.

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Production of ice-cream at factory

Der aktuelle Boom im Convenience-Bereich führt dazu, dass vermehrt hochviskose Produkte gefördert werden müssen. Deshalb liegen Verdrängerpumpen im Trend. (Bild: Shchipkova Elena – AdobeStock)

P+F: Die EHEDG hat jüngst eines ihrer zentralen Dokumente – die Guideline 8 – zu grundlegenden Konstruktionsprinzipien für Equipment in Hygieneprozessen auf den neuesten Stand gebracht. Was war der Hintergrund dafür?
Hofmann: Die EHEDG hat sich zum Ziel gesetzt, ihre Guidelines alle fünf Jahre zu überarbeiten. Die alte Version der Guideline 8 stammte von 2004 – die Überarbeitung war also überfällig. Die Guideline hatte außerdem früher nur die Mikroorganismen im Fokus – die Ansprüche haben sich hier geändert. Heute sind die Betrachtung von Fremdkörpern und Allergenen hinzugekommen. Insgesamt lässt sich feststellen, dass sich das Verständnis von Hygienic Design wandelt. Hygienic Design wird heute viel globaler gesehen und beschränkt sich nicht nur auf Maschinen zur Lebensmittelfertigung
sondern auf alle Bereiche, in denen gereinigt wird.
Beispielsweise hat ein Bodenablauf in der Lebensmittelverarbeitung keinen Lebensmittelkontakt, muss aber trotzdem hygienisch gestaltet werden, um gut gereinigt werden zu können.

P+F: Welches sind die wichtigsten Änderungen gegenüber der Vorgängerversion von 2004?
Hofmann: Der Inhalt wurde gestrafft. Seit der letzten Publikation wurden viele neue spezifische Guidelines veröffentlicht. Auf diese wird jetzt verwiesen und nicht mehr die Inhalte wiederholt. Beispielsweise wurde das Kapitel über Werkstoffe mit der Beschreibung der Oberflächenbehandlungen gekürzt und auf die Leitlinie Werkstoffe verwiesen; damit wurde die neue Fassung auch nicht umfangreicher. Die Konstruktionsanforderungen beschränken sich nicht nur auf den produktberührten Bereich, sondern auch auf alle Bereiche, die
gereinigt werden müssen und eine Gefährdung für die Lebensmittelqualität darstellen, beispielsweise Gullyrinnen. Das neue Dokument beschreibt sehr eindeutig, welche Anforderungen für die Bauteilzertifizierung der EHEDG eingehalten werden müssen, zum Beispiel dass nicht verschweißte Metall-Metall-Verbindungen nicht als CIP-fähig zertifizierbar sind.

Heftausgabe: Mai 2019
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Armin Scheuermann ist Chefredakteur von Pharma+Food

Über den Autor

Armin Scheuermann ist Chefredakteur von Pharma+Food
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