Industrie im Fadenkreuz

IT-Verband Bitkom sieht Milliardenschaden durch Cyber-Angriffe auf Industrie

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19.02.2019 Kriminelle Attacken treffen Industrieunternehmen besonders hart: Durch Sabotage, Datendiebstahl oder Spionage ist der deutschen Industrie in den vergangenen beiden Jahren ein Gesamtschaden von insgesamt 43,4 Mrd. Euro entstanden. Besonders mittelständische Unternehmen sind laut Brancheverband Bitkom im Fadenkreuz der Hacker.

Entscheider-Facts für Betreiber

  • Durch Sabotage, Datendiebstahl oder Spionage ist der deutschen Industrie in den vergangenen beiden Jahren ein Gesamtschaden von insgesamt 43,4 Mrd. Euro entstanden.
  • Sieben von zehn Industrieunternehmen (68 %) sind 2016 und 2017 Opfer entsprechender Angriffe geworden, jedes fünfte Unternehmen (19 %) vermutet dies.
  • Jedes fünfte Industrieunternehmen (19 %) berichtet von digitaler Sabotage von Informations- und Produktionssystemen oder Betriebsabläufen.
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Bild: AdobeStock – James Thew

Sieben von zehn Industrieunternehmen sind 2016 und 2017 Opfer eines Hackerangriffs geworden, jedes fünfte Unternehmen vermutet dies. Das ist das Ergebnis einer Studie des Digitalverbands Bitkom, für die 503 Geschäftsführer und Sicherheitsverantwortliche quer durch alle Industriebranchen repräsentativ befragt wurden. „Mit ihren Weltmarktführern ist die deutsche Industrie besonders interessant für Kriminelle“, sagte Bitkom-Präsident Achim Berg bei der Vorstellung der Studie in Berlin. „Wer nicht in IT-Sicherheit investiert, handelt fahrlässig und gefährdet sein Unternehmen.“ So wurden in den vergangenen zwei Jahren bei einem Drittel der Unternehmen (32 %) IT- oder Telekommunikationsgeräte gestohlen, bei fast einem Viertel (23 %) sind sensible digitale Daten abgeflossen. „Illegaler Wissens- und Technologietransfer, Social Engineering und auch Wirtschaftssabotage sind keine seltenen Einzelfälle, sondern ein Massenphänomen“, betonte Thomas Haldenwang, Vizepräsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV).

Nicht nur Diebstahl macht der Industrie zu schaffen. Jedes fünfte Industrieunternehmen (19 %) berichtet von digitaler Sabotage von Informations- und Produktionssystemen oder Betriebsabläufen. Weitere 28 % vermuten, dass es solch einen Vorfall bei ihnen gab. Bei 11 % wurde die digitale Kommunikation ausgespäht, beispielsweise E-Mails oder Messenger-Dienste. Insgesamt haben digitale IT-Angriffe bei fast der Hälfte der Befragten (47 %) einen Schaden verursacht. Klassische analoge Attacken sind für die Industrie auch ein Thema, fallen aber vergleichsweise weniger ins Gewicht. 21 % der Befragten haben einen Diebstahl von sensiblen physischen Dokumenten, Unterlagen, Mustern oder Maschinen festgestellt, bei 10 % kam es in den vergangenen zwei Jahren zur analogen Sabotage von Informations- und Produktionssystemen oder Betriebsabläufen, z. B. durch die Manipulation von Geräten vor Ort in Unternehmen. Dazu BfV-Vizepräsident Haldenwang: „Neben der klassischen Wirtschaftsspionage beschäftigen uns vermehrt Attacken, bei denen davon ausgegangen werden muss, dass Schadsoftware mit dem Ziel in IT-Systeme eingebracht wird, Sabotage-Akte vorzubereiten“.

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Antworten auf die Frage: „War Ihr Unternehmen innerhalb der letzten zwei Jahre von Datendiebstahl, Industriespionage oder Sabotage betroffen?“

Kritische Unternehmensdaten im Visier von Angreifern

Angreifer haben im Rahmen ihrer Attacken unterschiedlich sensible Daten erbeutet. Bei fast der Hälfte (48 %) der betroffenen Industrieunternehmen wurden Kommunikationsdaten wie E-Mails gestohlen. Bei jedem fünften Unternehmen sind durch digitale Angriffe jeweils Kundendaten (21 %) und Finanzdaten (20 %) abgeflossen. Patente und Ergebnisse aus Forschung und Entwicklung sind bei jedem zehnten Unternehmen (10 %) in kriminelle Hände gefallen. „Viele Unternehmen nehmen das Thema Sicherheit noch zu sehr auf die leichte Schulter, auch weil ihnen das entsprechende Know-how fehlt“, so Berg. „Erster und wichtigster Schritt ist, IT-Sicherheit im Unternehmen zur Chefsache zu machen.“

Dabei stammen die Täter häufig aus den eigenen Reihen. Bei fast zwei Drittel der Betroffenen (63 %) gingen Delikte von ehemaligen oder derzeitigen Mitarbeitern aus. Die Hälfte der geschädigten Unternehmen (48 %) hat Kunden, Lieferanten, externe Dienstleister oder Wettbewerber als Täter identifiziert. Bei drei von zehn (29 %) waren es Privatpersonen oder Hobbyhacker, 17 % der Betroffenen berichten von organisierter Kriminalität, jedes neunte betroffene Unternehmen (11 %) gibt ausländische Nachrichtendienste als Täter an.

Heftausgabe: Februar 2019
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Armin Scheuermann ist Chefredakteur von Pharma+Food

Über den Autor

Armin Scheuermann ist Chefredakteur von Pharma+Food
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