Industrie im Fadenkreuz

IT-Verband Bitkom sieht Milliardenschaden durch Cyber-Angriffe auf Industrie

Aufmerksame Mitarbeiter als effektivster Schutz

Mitarbeiter sind es, die auf der anderen Seite aber auch dafür sorgen, dass kriminelle Handlungen aufgedeckt werden. Sechs von zehn betroffenen Industrieunternehmen (61 %) sind so erstmalig auf Angriffe aufmerksam geworden. 40 % der Betroffenen erhielten Hinweise auf Angriffe durch eigene Sicherheitssysteme, bei fast einem Viertel (23 %) war es hingegen reiner Zufall. Nur bei 3 % der Unternehmen gingen erste Hinweise auf Delikte durch externe Strafverfolgungs- oder Aufsichtsbehörden ein. „Der effektivste Schutz vor Spionage, Diebstahl oder Sabotage sind motivierte, gut geschulte und aufmerksame Mitarbeiter“, sagte Berg.

Künftige Bedrohungen sehen Unternehmen vor allem durch digitale Angriffe. Nahezu alle Befragten (97 %) nennen sogenannte Zero-Day-Exploits als größte Gefahr. Dabei nutzen Angreifer Sicherheitslücken in Software aus, die bis dahin unbekannt waren. 93 % fürchten die Infizierung mit Schadsoftware, zwei Drittel (68 %) geben den Mangel an qualifizierten IT-Sicherheitskräften als Bedrohung an. Die zunehmende Fluktuation von Mitarbeitern ist für 58 % der Unternehmen ein Risiko. Dass Kriminelle die Rechenleistungen von Internetnutzern anzapfen, etwa zum unbemerkten Schürfen von Kryptowährungen, nehmen hingegen nur 29 % der Unternehmen als echte Gefahr wahr.

 

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Bild: AdobeStock – beebright

Passwörter häufig nicht sicher

Ob private Accounts oder Indus-triesysteme: Häufig machen die Nutzer Hackern den Angriff leicht: Aus Sicht der Experten der IT-Fortbildungseinrichtung Hasso Plattner Institut sind die Deutschen sind nicht sehr kreativ, wenn es um die Wahl ihrer Passwörter geht. Das HPI hat jüngst wieder eine Top Ten deutscher Passwörter veröffentlicht, die aus rund 500.000 Zugangsdaten des HPI Identity Leak Checkers aus dem Jahr 2018 stammen. Diese sind: 123456 (Platz 1), 12345, 123456789, ficken, 12345678, hallo123, hallo, 123, passwort und master (Platz 10). Selbst sensible Prozessleitsysteme von Chemie- und Pharmaunternehmen sind oft nur unzureichend gesichert, da das werksseitig eingestellte Standard-Passwort für den Zugang zum SCADA-System nie geändert wurde. Dabei liefert die einfache Internet-Suche nach „Scada passwords“ die Default-Passwörter der meistgenutzten Systeme. Im Zeitalter des Internet der Dinge gleicht das einer Tür, deren Schlüssel von außen am Schloss steckt.

 

Heftausgabe: Februar 2019
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Armin Scheuermann ist Chefredakteur von Pharma+Food

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