Kontinuierlich vom Pulver zum Pellet

Kompaktes Pellet-System für kontinuierliche Prozesse

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20.03.2019 Pellets liegen im Trend. Sie ermöglichen eine große Vielfalt oraler Darreichungsformen: so lassen sich durch den Einsatz einer Qualität von Pellets unterschiedlichste Arzneistoff-Dosierungen erreichen. Unterschiedlichste Wirkstoff-Freisetzungsprofile sind möglich.

Entscheider-Facts für Betreiber

  • Der Trend zu multipartikulären Darreichungsformen ist ungebrochen. Für die Herstellung von Mikropellets gibt es verschiedene Verfahren.
  • Beim neuen „All in one“-Pelletizing-System sind die drei Prozessschritte Nassgranulation, Extrusion und Verrunden in einer Maschine integriert und zu einem kontinuierlichen Prozess hintereinander geschaltet.
  • Das System zeichnet sich durch eine hohe Ausbeute und die geschlossene Arbeitsweise aus.
Pill and drugs (clipping path included)

Bild: AdobeStock − corund

MUPS (multiple unit pellet systems) bestehen aus einer Vielzahl diskreter wirkstoffbeladener Teilchen im Größenbereich von 100 bis 2.000 µm. Eine Wirkstoffdosis wird auf eine Vielzahl von Untereinheiten verteilt, was diverse Vorteile im Vergleich zu beispielsweise einer Tablette mit sich bringt: die Variabilität der Verweilzeit im Magen bis zur Entleerung in den Dünndarm ist geringer. Auch das Risiko bei einer nicht korrekten Einnahme des Arzneimittels wird verringert, da der Wirkstoff auf viele kleine Partikel verteilt ist: wenn ein Patient fälschlicherweise eine Retard-Tablette zerbeißt – eine Tablette, die den Wirkstoff verlangsamt freigeben soll und deshalb eine hohe Einzeldosis enthält – kann das erhebliche Nebenwirkungen beim Patienten auslösen. Wird der Wirkstoff auf viele Retard-Pellets verteilt, ist diese Gefahr deutlich verringert. Gefährliche toxische Effekte können so vermieden werden.

Durch Aufbringen funktioneller Lackschichten auf ein Wirkstoff-Pellet kann der Wirkstoff im Magen-Darm-Bereich gezielt zur Wirkung gebracht werden. Die Freigabe des Wirkstoffs aus einem Pellet wird kontrolliert durch den pH der Magen-Darm-Flüssigkeit, aber auch durch die Durchlässigkeit der Lackschichten für den Wirkstoff. Die Bioverfügbarkeit eines Wirkstoffs kann durch das MUPS-Konzept und die damit verbundenen Möglichkeiten einer gezielten Wirkstofffreisetzung verbessert werden.

Der Arzneistoff, der in den beschriebenen Pellets enthalten ist, lässt sich zu verschiedenen Arzneiformen „weiterverpacken“: In Kapseln abgefüllt oder zu Tabletten verpresst oder in Sachets oder Stickpacks für die Einnahme mit Flüssigkeit verpackt. Auch ein Saft, der beispielsweise über ein bis zwei Wochen anzuwenden ist, kann daraus hergestellt werden. Speziell für Kinder entwickelte Minipellets, die etwa einen schlecht schmeckenden Arzneistoff in geschmacksmaskierter Form enthalten, lassen sich in spezielle Trinkhalme füllen und können mit einer Flüssigkeit eingesogen werden. Außerdem ist es möglich, chemisch miteinander unverträgliche Arzneistoffe zu verschiedenen
Pelletsorten zu verarbeiten, welche den Wirkstoff in geschützter Form enthalten.

„Pellets können mit Technologien hergestellt werden, die seit vielen Jahren bestens in der pharmazeutischen Industrie etabliert sind, wie beispielsweise die Wirbelschicht-Wurster-Technologie oder das Extrusions-Sphäronisations-Verfahren. Daneben gibt es innovative Herstellverfahren wie etwa die kontinuierlichen Glatt Technologien Micro Px und Procell, mit denen spezielle Qualitäten von Pellet-Kernen erzielt werden können. Je runder und glatter die Wirkstoffpellets sind, desto besser und reproduzierbarer gelingt die Beschichtung mit funktionellen Lacken und damit eine definierte Wirkstoff-Freisetzung.“ erläutert Norbert Pöllinger, Leiter des Bereichs Technology Development bei Glatt Pharmaceutical Services.

Heftausgabe: März 2019
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Armin Scheuermann ist Chefredakteur von Pharma+Food

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