Den digitalen Wandel begrüßen

Lösungen für das Verpacken und Produzieren in der Pharma 4.0

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29.10.2018 Die Digitalisierung verändert das Produzieren und Verpacken von Arzneimitteln auf allen Ebenen. Sie betrifft nicht nur Produkte und Produktanforderungen, sondern auch alle internen und externen Prozesse sowie Services und Geschäftsbeziehungen in der Pharmaindustrie. Unternehmen, die dem Wandel offensiv begegnen, können Wettbewerbsvorteile generieren.

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Entscheider-Facts Für Planer und Betreiber

  • Die Digitalisierung macht auch vor Pharmaindustrie nicht halt und bietet für Produzenten und Verpacker, die dem dem Wandel offensiv begegnen, eine Reihe von Chancen.
  • So bieten „smarte“ Verpackungen einen direkten Weg zum Endverbraucher und die digitale Kommunikation mit dem Verpackungshersteller verkürzt die Lieferzeiten auch bei kleinen Losgrößen deutlich.
  • Mit intelligenten Verpackungsmaschinen lassen sich darüber hinaus die verarbeitete Produktqualität oder der Wartungs- oder Reparaturbedarf von Komponenten besser analyisieren und planen.
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Auch in der Pharmaindustrie begegnen sich die physischen und die digitalen Welten immer mehr. (Bild: peshkova – stock.adobe)

Wie erfolgreich ein Unternehmen in der digitalisierten Pharmawelt von morgen, der Pharma 4.0, bestehen kann, hängt von zwei wesentlichen Schlüsselfaktoren ab: zum einen vom Grad seiner digitalen Reife („Digital Maturity“) und zum anderen vom Design der Geschäftsprozesse und der damit verbundenen Fähigkeit, die notwendige Datenintegrität („Data Integrity by Design“) bieten zu können. Der Cultural Change und die Änderungen der Arbeitsmaximen, die die Digitalisierung für alle Beteiligten mit sich bringt, stellen eine mindestens ebenso große Herausforderung dar, wie die Entwicklung konkreter Technologien. Die Gruppe Körber Medipak Systems aus Wintherthur in der Schweiz bereitet mit ihren Tochterunternehmen und dem Portfolio aus Verpackungsmaschinen, Produktionssoftware und Verpackungsmaterial sich selbst sowie die Anwender aus der Pharma- und Biotech-Industrie auf das Marktumfeld der Pharma 4.0 vor. Die Lösungen und Dienstleistungen reichen von „smarten“ Verpackungen bis zu digitalen Marktplätzen.

Smarte Verpackungen helfen Herstellern und Endverbrauchern

Bei den Themen Smart Packaging und Digital Health geht es um alle Entwicklungen, bei denen die physische und die digitale Welt verschmelzen und bei denen eine intelligente Medikamenten-Verpackung als Kommunikationsmedium dient. Der Endverbraucher wird künftig über eine Augmented-Reality-App, die auf seinem Smartphone oder Tablet läuft, mit der Medikamentenverpackung interagieren können. Dazu hält er die Kamera des jeweiligen Endgeräts beispielsweise über einen Barcode oder andere Referenzpunkte. Im Display des Devices werden dann bestimmte Informationen angezeigt. Das kann etwa der digital aufbereitete Inhalt des Beipackzettels sein – als Text oder auch zum Anhören als Audiodatei –, aber auch die innovative Präsentation weiterer Behandlungsformen oder eine animierte Erklärung zur richtigen und sicheren Nutzung des verpackten Medikaments. Downloadbare Beipackzettel können wesentlich mehr Informationen aufnehmen, sind etwa durch eine Suchfunktion leichter zu handhaben und gehen nicht verloren. Eine andere Möglichkeit, Informationen über die Verpackung bereitzustellen, bietet die Near-Field-Communication-Technologie (NFC). Über die in die Verpackung eingearbeiteten Funkchips kann zum Beispiel die Temperatur in der Distribution überwacht werden. Die NFC-Technologie unterstützt Patienten darüber hinaus auch bei der Organisation der Einnahme von Medikamenten. Die Funkchips lassen sich außerdem mit Herstellernummern kennzeichnen und reduzieren so Medikamentenfälschungen.

Die Verpackungsspezialisten von Rondo sind überzeugt: Die digital einfacher zugänglichen und noch verständlicher aufbereiteten Informationen rund um das Medikament werden Patienten und Ärzten das Leben erleichtern. Dazu unterstützt Smart Packaging das papierlose Arbeiten im Gesundheitssystem und hilft so die Prozesse effizienter zu machen und Ressourcen zu schonen. Die smarte Verpackung wird künftig aber nicht nur mit dem Endverbraucher, sondern auch mit der Verpackungsmaschine während des Produktionsprozesses kommunizieren. Die Verpackung gibt dabei etwa über einen Barcode vor, welchen Inhalt die Verpackungsmaschine einlegen soll. Ein erster solcher „Flexible-Feeding“-Prototyp, hat bereits gezeigt, wie dem Trend der personalisierten Medizin begegnet werden kann.

Maschinendaten besser nutzen

Die zunehmende Digitalisierung von Prozessen und Maschinen führt zu einer enormen Ansammlung von Daten. Ohne ein vertieftes Datenverständnis, eine Datenaufbereitung und intelligente Analyse-Tools, können aus den Rohdaten allein noch keine wertbringenden Informationen gezogen werden. 30 Zetabyte (10 hoch 21) Daten sind heute weltweit gespeichert, aber 90 % davon sind ungenutzte „Dark Data“. Durch Machine Learning und künstlicher Intelligenz lassen sich Maschinendaten zu Daten mit Wert in Form von Predictive-Maintenance- und Recommender-Systemen transformieren. „Das nennen wir dann ‚Smart Data‘“, erklärt Jürg Messmer, Head of Engineering Automation & Digitization bei Dividella. Intelligente Verpackungsmaschinen können beispielsweise aus der Analyse ihrer Betriebsdaten auf die verarbeitete Produktqualität oder auf den kommenden Wartungs- oder Reparaturbedarf von Maschinenkomponenten schließen. So etwas zeigt sich beispielsweise in der Änderung bestimmter Sensordaten. Und wenn man weiß: Diese zwei Aufträge können noch sicher abgearbeitet werden, erst dann muss eine Reparatur durchgeführt werden, lässt sich deutlich besser planen. Ersatzteile sind vorbereitet, Spezialisten sind da, die Dokumentation ist vor Ort. Das erhöht die Overall Equipment Effectiveness (OEE). Solche Analysen kann man unter Einbeziehung von Daten aus dem übergeordneten Produktionssteuerungssystem, Umweltdaten sowie Daten aus dem Unternehmensplanungssystem noch erweitern. Mit der Analyse werden präzise Empfehlungen zur Steigerung von Prozessqualitäten und Prozesseffizienzen möglich – was wiederum die Wirtschaftlichkeit der Produktion erhöht.

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In eine smarte Verpackung
lassen sich verschiedene multimediale Inhalte einbinden – zum Beispiel ein „digitaler
Beipackzettel“.(Bild: Rondo)

Digitale Marktplätze verkürzen Lieferzeiten

Die Digitalisierung verschiebt auch das offline-basierte B2B-Geschäft hin zu online-basierten, digitalen B2B-Marktplätzen. Diese bieten im Vergleich zum traditionellen Offline-Geschäft eine einfachere, intuitive Anwendung und Kundenbetreuung sowie einen umfangreichen, flexiblen Service mit minimalen Lieferzeiten. „Diese Entwicklung ist eine Notwendigkeit, da sich der Markt in den vergangenen Jahren stark verändert hat“, sagt Hans-Peter Süßlack, Business Process Manager bei Rondo. Früher wurde ein Medikament in zwei oder drei Grundformen hergestellt – heute ist der Markt durch die Individualisierung in der Medizin viel fragmentierter. Aber nicht nur unterschiedliche Dosierungen und Mischungen der Medikamente sorgen für diesen Trend. Auch die heute unterschiedlichen Gesetzeslagen in den von den Pharmaproduzenten belieferten Ländern und schnellere Änderungen im Marketing, sorgen für eine größere Differenzierung der Druckmittel. Ein Beispiel: „Hat ein Kunde früher einen Auftrag über 250.000 Medikamentenverpackungen geordert, bestellt er heute die gleiche Menge verteilt auf 20, 30 oder mehr Einzelaufträge mit Losgrößen teilweise bis herunter zu 10, 20 Stück“, erklärt Süßlack. In der Krebstherapie würden zum Teil sogar personalisierte Medikamente produziert, die dann auch eine individuell bedruckte Verpackung benötigten. Die Herausforderung dabei: Um den gleichen Umsatz zu erzielen, muss heute deutlich mehr administrativer Aufwand betrieben werden.

Die „Supply on Demand“-Technologie, die unter anderem auf Digitaldruck basiert, bietet die Möglichkeit, auch sehr kleine Losgrößen mit kurzen Bestellvorlaufzeiten von maximal fünf Tagen zu ordern. Dieser enorme Flexibilitäts- und Effizienzgewinn ist unter anderem der direkten Verknüpfung der ERP-Systeme geschuldet. Betrug die Verwaltungszeit zur Bereitstellung der Fertigungsunterlagen vor einigen Jahren noch rund einen Tag, sind heute gerade noch ein bis zwei Stunden nötig. Die „Supply on Demand“-Lösung reduziert den Supply-Chain-Aufwand bei gleichbleibender Qualität schon heute um gut 50 %.

Heftausgabe: November 2018
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Über den Autor

Julia Schweizer, Product Manager, Rondo Marta Berger, Marketing, Dividella
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