Tabletten unter der Lupe

(Bild: Falko Matte – Fotolia)

Die von Aduhelm zu erwartenden Einnahmen liegen weit hinter den ursprünglichen Projektionen des Unternehmens. Grund ist eine Absage des US-amerikanischen Senioren-Gesundheitssystems Medicare, die Kosten für Behandlungen mit Aduhelm zu übernehmen. Noch im Dezember 2021 hatte Biogen den Preis für das Medikament halbiert, um seine Chancen in Verhandlungen mit Medicare zu verbessern. Dennoch blieb ein Preis von etwa 28.000 US-Dollar im Jahr pro Patient.

CEO selbst hält Trennung für nötig

Ohne eine Kostendeckung durch Medicare lagen die Umsätze mit Aduhelm im ersten Quartal 2022 bei nur 2,8 Mio. US-Dollar. Demgegenüber stehen Abschreibungen durch das Medikament von 275 Mio. Dollar. Schon mit der Halbierung des Preises für Aduhelm hatte Biogen Sparmaßnahmen angekündigt, darunter auch Entlassungen. So trennt sich das Unternehmen von vollständigen für Aduhelm zuständigen Marketingteam. Die Neustrukturierung bis hinauf zum CEO bezeichnete auch der scheidende Firmenchef Vounatsos als „natürlichen Schritt“. Vounatsos war seit 2017 CEO von Biogen und bezeichnete seine fünf Jahre in dieser Position als „eine gute Amtszeit“.

Ebenfalls Teil des Sparprograms ist eine Neuorganisation der Entwicklungspipeline. Deren Projekte sollen neu bewertet und nach Möglichkeit beschleunigt, beendet, verkauft oder an Partnerunternehmen ausgelagert werden. Dies soll Markteinführungen beschleunigen und Entwicklungskosten senken. Insgesamt will Biogen mit den Maßnahmen eine Milliarde Dollar im Jahr einsparen.

Zusammen mit dem Partner Eisai entwickelt Biogen einen weiteren Alzheimer-Wirkstoff, den monoklonalen Antikörper Lecanemab. Die Partnerunternehmen arbeiten derzeit an einem Zulassungsantrag im rollenden Verfahren bei der US-Behörde FDA. Der endgültige Antrag soll im Herbst 2022 erfolgen, wenn Daten aus der laufenden Phase-3-Studie bereitstehen. Zulassung und Markteinführung erhoffen sich die Unternehmen für das erste Quartal 2023. Das Aduhelm-Team bis dahin an Bord zu lassen und mit der Vermarktung von Lecanemab zu betrauen schließt Vounatsos aus: „Vom Zeitplan ausgehend ergibt es keinen Sinn, so ein großes Team für so lange Zeit aufrechtzuerhalten“, erklärte der scheidende CEO. Zwar könnten die vorhandenen Strukturen hilfreich sein, „aber wir können es uns leider nicht leisten, das Team für so viele Monate zu halten.“

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