Bayer bedauert, Greenpeace feiert

Nationalrat von Österreich beschließt Glyphosat-Verbot

03.07.2019 Österreich will als erstes EU-Land das umstrittene Herbizid Glyphosat vollständig verbieten. Der Nationalrat stimmte mehrheitlich für einen entsprechenden Antrag der SPÖ.

Trotz dieses Abstimmungsergebnisses ist allerdings unklar, ob sich ein Verbot von Glyphosat auf diese Weise durchsetzen lässt: In der EU wurde die Zulassung vor Kurzem verlängert, demnach ist der Einsatz noch mindestens bis Ende 2022 erlaubt. Die EU-Mitgliedstaaten können nur in Ausnahmefällen ein Verbot gegen geltendes EU-Recht verhängen.

Glphosat ist umstritten, da der Wirkstoff im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Unterschiedliche Studien und Organisationen kamen in der Vergangenheit bei der Risikobewertung zu unterschiedlichen Ergebnissen. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hatte Glyphosat als nicht krebserregend eingestuft und eine entsprechende Empfehlung an die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ausgesprochen. Die EFSA sowie die Risikobewertungsbehörden der EU-Mitgliedstaaten stimmen mit der Bewertung überein, ebenso wie entsprechende Behörden aus den USA, Kanada, Australien, Japan, Neuseeland und die Weltgesundheitsorganisation WHO. Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC dagegen, selbst eine zur WHO gehörende Behörde, schätzt Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ ein.

Im Zentrum des Streits um Glyphosat steht der Bayer-Konzern seit der Übernahme von Monsanto. In den USA sind über 13.000 Klagen anhängig, in denen Kläger Schadenersatz für Gesundheitsschäden durch den Wirkstoff fordern. In ersten Gerichtsurteilen war der Konzern bereits zu hohen Zahlungen verurteilt worden. Bayer bedauerte das Verbot in Österreich, der Konzern erwartet aber eine kritische Überprüfung durch die EU-Kommission. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace feierte das Glyphosatverbot dagegen als Meilenstein. (ak)

 

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