Die Dose macht‘s

Neue Abfülllinie für eine US-Brauerei

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15.09.2020 Bier in Dosen erlebt momentan in den USA einen regelrechten Boom. Gerade ihr Anteil am Craft-Beer-Absatz ist den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Die US-Brauerei Boulevard Brewing aus Kansas City beobachtete diesen Trend genau – und begann dann, eine Strategie zu entwickeln, um einige ihrer Produkte künftig auch in Dosen abzufüllen.

Entscheider-Facts

  • Dosen werden gerade als Verpackung für Craft-Beer immer beliebter. Sie sind leicht zu transportieren, reduzieren die Sauerstoffaufnahme und halten das Bier lange frisch.
  • Die Brauerei Boulevard Brewing hat daher in eine neue Turnkey-Linie investiert. Zur Anlage gehören ein Füller, eine Kurzzeit-Erhitzungsanlage sowie ein Packer.
Spritzung, Dosen

Bilder: Krones

Obwohl Flaschen weiterhin die Behälterart Nummer eins für Craft-Brewer sind, sind Dosen in manchen Bereichen voraus: Sie sind leicht zu transportieren, reduzieren die Sauerstoffaufnahme und halten das Bier länger frisch. Außerdem lässt sich in den USA Aluminium leichter recyceln als Glas. Um herauszufinden, ob Dosen-
abfüllung der richtige Weg sei, entschied sich die Brauerei dazu, das Konzept zunächst mithilfe externer Abfüller zu testen – mit Erfolg: Dosen kamen so gut an, dass schnell feststand, in eigene Anlagen zu investieren. „Die Nachfrage war groß und ein Wachstumspotenzial war klar vorhanden – so ließen sich auch die Kosten für eine hochmoderne Anlage rechtfertigen“, erklärt Jeff Krum. „Indem wir unser Bier nun auch selbst in Dosen abfüllen und diese verpacken, haben wir nochmals an Flexibilität und Qualität dazugewonnen.“

Flexibilität ist gefragt

Deshalb hatte die Brauerei verschiedene Optionen unter die Lupe genommen – und sich schließlich für eine komplette Turnkey-Lösung von Krones entschieden. Zur Anlage gehören ein Füller Volumetic VODM-C mit einer Leistung von 21.000 Dose/h, eine Kurzzeit-Erhitzungsanlage Varioflash B und ein Variopac Pro, der 350 Behälter/min verpackt. Im März 2018 ging diese dann in Betrieb.

Bei der neuen Anlage lag dabei der Fokus mehr auf Flexibilität als auf Geschwindigkeit. Dies liegt vor allem an der großen Vielfalt an Marken und Geschmacksrichtungen, die in bis zu drei verschiedenen Dosengrößen und zwölf unterschiedlichen Verpackungsformaten auf den Markt gehen. „Es brauchte ein wenig Kreativität, um die Linie so flexibel zu gestalten“, meint Dali Grabar, Director of Mechanical Engineering der Brauerei.

Eine besondere Herausforderung war die gleichzeitige Installation von Kurzzeit-Erhitzungsanlage und Füller. Beide Anlagen mussten zur gleichen Zeit fertig sein. Denn Vieles von dem, was erst erhitzt wird, geht dann sofort weiter zur Dosenabfüllung. Deswegen waren bei der Installation zwei Serviceteams gleichzeitig vor Ort. Der Füller arbeitet seit der Installation mit einer hohen Füllgenauigkeit. Das spart Geld.

Außerdem ist es der Brauerei gelungen, mit der neuen Anlage eine niedrige Gesamtsauerstoffaufnahme (TPO) zu erreichen. Vorgenommen hatte man sich einen TPO-Wert um die 80 vorgenommen – mit der neuen Anlage wurden sogar zwischen 60 und 50 erreicht.

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Die Brauerei produziert mehr als 585.000 hl/a Bier.

Mehr Flexibilität für innovative Produkte

Die Kurzzeit-Erhitzungsanlage sollte außerdem die Möglichkeiten offenhalten, das Portfolio zu erweitern. „Wir haben den Hefetank vergrößert und außerdem eine VarioFlash B integriert, um in Zukunft auch einige unserer fassgelagerten Biere kurzzeiterhitzen zu können”, erklärt Grabar. Die Anlage sorgt dafür, dass die Brauerei ihr Bier mikrobiologisch sicher abfüllen kann. Da jedes Produkt andere Anforderungen stellt, lässt sich die Kurzzeit-Erhitzungsanlage individuell auf die jeweiligen Anwendungsfälle auslegen. „Wir hatten überlegt, mit Fruchtsaft zu arbeiten – und fermentierte Produkte muss man erhitzen“, sagt Braumeister Steven Pauwels. „Durch diese Stabilisierung sind wir viel flexibler und können so richtig innovative Biere produzieren.“

Als eine Brauerei mit einem belgischen Braumeister und Bieren gebraut nach belgischem Vorbild, wollte sich Boulevard auch bei der Produktion abheben: Die Nachgärung ist zwar in Belgien weitverbreitet, für die meisten US-amerikanischen Craft-Breweries jedoch eher ungewöhnlich. Dabei werden ein wenig Hefe und Zucker in das Bier gegeben, kurz bevor dieses abgefüllt wird, um so einen zweiten Gärprozess in der Flasche – beziehungsweise in diesem Fall in der Dose – anzustoßen. Dieses traditionelle Verfahren sorge, so Braumeister Pauwels, für ein charakteristisch kräftiges Aroma und einen langanhaltenden, frischen und besseren Geschmack.

Viele Möglichkeiten beim Verpacken

Auf den Dosenfüller folgt in der Anlage der Packer, der eben jene Flexibilität bietet, die die Brauerei bei der großen Anzahl an verschiedenen Formaten benötigt. Die Maschine verarbeitet Pads, Trays sowie Wrap-around-Kartons, sowohl mit als auch ohne Schrumpffolie. Die Experten der Brauereien hatten zunächst Bedenken, dass diese Maschine komplexer sein könnte als nötig. Diese Sorge erwies sich jedoch als unbegründet.

So braucht der Packer weniger Personal als die Verpackungsmaschinen, mit denen die Brauerei in der Vergangenheit gearbeitet hat: nur noch drei statt vier oder sogar fünf Leuten. Den Grund dafür sehen die Experten der Brauerei in der Art, wie die Maschinen miteinander kommunizieren und wie sie Feedback zu bestimmten Problemen geben. Diese „Intelligenz“ erleichtert die Arbeit deutlich. Ein weiterer Vorzug: „Du kannst den Prozess mittendrin stoppen, etwas anderes machen, die Türe schließen, die Maschine wieder anschalten – und die Maschine weiß noch genau, bei welchem Schritt sie war“, erklärt Packaging Manager Jason Hart.

 

Zweitgrößte Brauerei in Missouri
Boulevard Brewing wurde 1989 von John McDonald gegründet, der belgische Biere auf einer Reise nach Europa kennengelernt hatte. Die Brauerei stieg nach eigenen Angaben schnell zur zweitgrößten im Staat Missouri auf; nur Anheuser-Busch als damals weltweit führende war noch erfolgreicher. Boulevard ist während der 29 Jahre seit der Gründung kontinuierlich gewachsen. Heute produziert die Brauerei mehr als 585.000 hl/a Bier.

 

Heftausgabe: Pharma+Food September 2020

Über den Autor

Jerl Jenkins, Krones
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