Keimen kontrolliert an den Kragen gehen

Neues Messsystem überwacht Dekontamination mit H2O2

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11.09.2018 Die keim- und partikelfreie Produktion verlangt sterile Anlagen. Um eine Kontamination durch Mikroorganismen zu verhindern, muss der kritische Bereich mit einem geeigneten Biozid dekontaminiert werden. Bei dieser Bio-Dekontamination wird heutzutage in zahlreichen Anwendungen verdampftes oder vernebeltes Wasserstoffperoxid eingesetzt, allerdings muss man bei der Messung einiges beachten.

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Entscheider-Facts für Betreiber

  • Wasserstoffperoxid ist ein wirksames Mittel zur Bio-Dekontamination und setzt sich gegenüber Formaldehyd immer mehr durch.
  • Um die Dekontamination präzise zu steuern und die richtige H2O2-Konzentration einzustellen, ist die relative Sättigung und deren Messung entscheidend.
  • Erstmalig ist es nun gelungen, die drei entscheidenden Raumparameter bei der Bio-Dekontamination mit einem einzigen Sensor zu messen.
Gruppe Arbeiter in Schutzkleidung im Reinraum in der Pharmaindus

1: Um eine Kontamination mit Bakterien zu verhindern, wird in Reinräumen der Pharmaindustrie zunehmend Wasserstoffperoxid eingesetzt. (Bild: industrieblick – stock.adobe.com)

Bis vor Kurzem wurde für die Bio-Dekontamination Formaldehyd eingesetzt – auch im Gesundheitsbereich. Bei einer Luftsättigung von 100 % und Temperaturen von mehr als 65 °C wurde dazu das Biozid in den abgedichteten Raum gelassen. Erst nach rund 18 Stunden war die Ausgasung des Formaldehyds und damit der Reinigungsprozess abgeschlossen und die Räume konnten wieder betreten werden. Zurück blieb allerdings ein weißer Niederschlag, der mittels aufwendiger Reinigung entfernt werden musste. Ein Prozess, der nach umfangreicher Arbeit klingt – und genau das auch war. Aber nicht nur die anschließende Reinigung trat die Suche nach einem alternativen Verfahren los, Formaldehyd ist darüber hinaus giftig und geruchsintensiv.

Raumdekontamination mit Wasserstoffperoxid statt Formaldehyd

Als saubere und umweltfreundliche Alternative zur Bio-Dekontamination mit Formaldehyd hat sich verdampftes oder vernebeltes Wasserstoffperoxid (H2O2) bewährt. Dieses Verfahren setzt sich mehr und mehr durch, da es selbst die resistentesten Mikroorganismen wie Bakteriensporen, Mykobakterien und Viren bei Raumtemperatur und bereits in niedrigen Konzentrationen abtötet. Während und nach dem Sterilisationsprozess zerfällt Wasserstoffperoxid zu Wasser und Sauerstoff, sodass es keine toxischen Rückstände hinterlässt. Darüber hinaus gilt die Reinigung mit H2O2 als besonders effektiv, da es mit einer Vielzahl von Materialien verträglich ist und ein breites Wirkungsspektrum abdeckt.

In der Regel wird dazu eine 35-%ige H2O2-Lösung mit einem speziellen Apparat in dem zu dekontaminierenden Raum verdampft, bis der Taupunkt erreicht ist. Je nach Raumgröße und Umgebungsbedingungen dauert diese Phase unterschiedlich lange. Durch die gleichmäßige Mikrokondensation auf allen Oberflächen wird der Reinraum dekontaminiert und anschließend über einen Katalysator umweltfreundlich in Wasser und Sauerstoff zerlegt.

Die Gesamtlänge der Reinigungsprozedur hängt dabei vom zu sterilisierenden Objekt ab, typische Zyklen liegen jedoch zwischen einer und zwei Stunden. Die Dekontamination mit H2O2 findet bei niedrigem Druck und niedriger Temperatur zwischen 6 und 60°C statt. Damit eignet sich die Methode besonders für Produkte, die entweder der Hitze einer typischen Dekontamination in Autoklaven (wie Kunststoff) nicht standhalten können, oder für Räume mit eingeschränkter Diffusion wie Medizinprodukte mit geringem Lumen.

Heftausgabe: September 2018
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Über den Autor

Andreas Knop, Sales Director EMEA – Industrial Measurements, Vaisala
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