Der Energieeffizienz Dampf machen

Octapharma modernisiert Dampfkessel-System

Smarte Datenbewertung, Energiemonitoring und Betriebssicherheit

Zukünftig profitiert der Standort außerdem durch die Nachrüstung von MEC Optimize: Der digitale Effizienzassistent analysiert und interpretiert die Kesselanlagendaten und informiert das Betreiberpersonal bereits im Vorfeld über mögliche Ausfallrisiken und Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung. Unterstützend gibt der Assistent den Anwendern individuelle Handlungsempfehlungen. Das erhöht die Sicherheit und optimiert die Energiekosten innerhalb der pharmazeutischen Produktion. Zudem wird der Zustand vieler wichtiger Systemkomponenten auf Basis der Fahrweise ermittelt und hilft bei der Wartungsplanung. „Wir können die Systemwerte einfacher überwachen, erkennen frühzeitig ungünstige Betriebszustände und erhalten ein detailliertes Monitoring, ohne vor Ort sein zu müssen“, berichtet Almpanis-Lekkas. Durch die Kopplung an die Fernwirktechnik MEC Remote kann der Betreiber die Daten vom Effizientassistenten auch aus der Ferne abrufen und dessen Oberfläche auf mobilen Endgeräten spiegeln.

Das vorprogrammierte Optimize-Modul ließ sich in den bestehenden Steuerschaltschrank integrieren, ohne umfangreiche Umbaumaßnahmen vornehmen zu müssen. Durch das vorkonfigurierte Leittechnikprotokoll lief die Integration in die zentrale Leitwarte reibungslos. Mit dem Effizienzassistenten verfügt das Betreiberpersonal jetzt auch über ein digitales Kesselbuch. Dort sind nicht nur alle relevanten Betriebsanleitungen verfügbar, es dient ebenfalls zur digitalen Erfassung der Messwerte aus den Kesselprüfungen sowie als digitale Dokumentenablage, zum Beispiel von Wartungsprotokollen.

Wasseranalyse wird vollautomatisch

Zu den wichtigsten Einflussfaktoren im Betrieb von Kesselanlagen gehört die optimale Wasserqualität. Ein neues Wasseranalysegerät sorgt in Wien nun nicht nur für einen zuverlässigen Anlagenschutz, sondern spart dem Unternehmen auch Zeit und Geld. Die ausgereiften Sensoren messen und prüfen kontinuierlich die Wasserparameter (pH-Wert, Sauerstoffgehalt und Leitfähigkeit) und leiten die Daten an die Steuerung bzw. an den Effizienzassistenten weiter. Beim Überschreiten festgelegter Grenzwerte oder gar bei sicherheitskritischen Zuständen erfolgt ein Alarmsignal. Anhand der Messwerte lassen sich auch die Chemikalien bedarfsgerecht dosieren und Einsparungen durch geringere Absalzverluste, reduzierten Brennstoffeinsatz und Wasserbedarf erzielen. Ein vollautomatischer Prozess, welcher zudem die Lebensdauer von Kesseln und Anlagenkomponenten positiv beeinflusst.

Wärmerückgewinnung innerhalb der Dampfkesselanlage

Auch die Wärmerückgewinnung innerhalb der Anlage ließ sich optimieren. Ein nachgerüsteter Brüdenkühler gewinnt nun aus Brüdendampf Energie zurück und wärmt damit Zusatzwasser vor. Hierdurch reduziert sich die notwendige Aufheizdampfmenge. Der Brüdendampf entsteht im thermischen Entgasungsprozess und ist notwendig, um die schädlichen Gase aus dem Speisewasser abzuführen. Dieser Dampf fällt kontinuierlich an – so lassen sich Einsparungen von mehreren tausend Euro pro Jahr erzielen. Weitere Kosten spart Octapharma mit der Wärmerückgewinnung aus Absalzwasser. Das Modul nimmt das Absalzwasser aus dem Kessel auf, entspannt es und nutzt die Wärmeenergie für die Aufheizung von Zusatzwasser und Beheizung des Speisewasserbehälters. Die realisierbaren Einsparungen beider Komponenten aus dem Energy Quick Check ergeben eine jährliche Ersparnis von über 20.000 Euro. Auch die Umwelt profitiert durch rund 150 t/a weniger CO2-Emissionen. Das entspricht dem CO2-Ausstoß von etwa 90 Kraftfahrzeugen.

Obwohl die Bestandskessel bereits mit Wärmerückgewinnungs-Modulen wie Economiser ausgerüstet sind, ließen sich die abgasseitigen Verluste mithilfe von O2-/CO-Regelungen noch weiter reduzieren. Die optimierte Verbrennung senkt den Brennstoffverbrauch um bis zu weitere 1 %. Zudem sorgen neue Schalldämmhauben für geringe Brennergeräusche im Kesselhaus. (2/2)

Heftausgabe: Pharma+Food Juli 2019
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Über den Autor

Annemarie Wittmann, Marketing, Bosch Industriekessel
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