Auf den runden Deckel bekommen

Positionierung von Etiketten bei Swedish Match

Pharma
Food
Kosmetik
Chemie
Planer
Betreiber
Einkäufer
Manager

06.06.2020 Runde Etiketten bei hohen Geschwindigkeiten exakt zentriert auf runden Dosendeckeln zu platzieren, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Der Tabakproduzent Swedish Match setzt dazu auf eine spezielle Etikettiermaschine mit vollautomatischem System zur Nachführung der Etikettenposition.

Entscheider-Facts

  • Das Unternehmen Swedish Match produziert feuchtes Tabakpulver für die orale Anwendung, das in kleinen Portionsbeuteln in flachen Dosen verpackt wird.
  • Hier runde Etiketten bei hohen Geschwindigkeiten exakt zu platzieren, ist eine anspruchsvolle Aufgabe.
  • Dazu kommt ein Obenauf-Etikettierer mit vollautomatischem System zur Nachführung der Etikettenposition zum Einsatz.
1 HERMA_Swedish-Match_01_mittel

Runde, flache Dosendeckel – wie hier für Snus – zu etikettieren, ist eine Herausforderung.
(Bilder: Herma)

Ein wichtiger Bestandteil des Produktportfolios des weltbekannten Unternehmens ist Snus, ein in Norwegen und Schweden beliebtes feuchtes Tabakpulver für die orale Anwendung – dieses wird für den Verkauf in kleinen Portionsbeuteln in flachen Dosen verpackt. Bei der Inline-Etikettierung dieser Dosen und insbesondere bei der passgenauen Positionierung der runden Etiketten auf den runden Dosendeckeln erhebt der Hersteller hohe Ansprüche, so weist etwa der Randbeschnitt der Etiketten minimale Toleranzen auf.

2 HERMA_Swedish-Match_04_mittel

Der Obenauf-Etikettierer wurde in Sonderausführung speziell für diese Anwendung entwickelt und gebaut.

Spezielle Lösung für besondere Anforderungen

„Wir wollten die Etikettierung der Dosendeckel selbst übernehmen, statt diese Aufgabe unseren Lieferanten zu überlassen, um mehr Flexibilität in unseren Prozessen zu erreichen“, erinnert sich Mattias Wermé, Manager Process Development bei Swedish Match. „Nachdem wir die passenden Kunststoffdosen für unsere verschiedenen Produktionslinien ausgewählt hatten, wurden die Anforderungen an die Etikettiersysteme klar.“ Dazu gehörten etwa die hohe erforderliche Etikettiergeschwindigkeit und -präzision.

Um die Aufgabe zu lösen, entschied sich der Anwender für den Etikettierspezialisten Herma, der dem Unternehmen bereits als Lieferant bekannt war und eine präzise Lösung entwickeln konnte. Der Obenauf-Etikettierer 452E S wurde dazu in Sonderausstattungen speziell für diese besondere Anwendung ausgelegt. Mittlerweile betreibt Swedish Match erfolgreich eine Reihe der Maschinen in seinen Produktionsanlagen an den Standorten Göteborg und Kungälv in Schweden. Sie sind individuell auf den zur Verfügung stehenden Platz in der Produktionslinie zugeschnitten und je nach ihrem jeweiligen Standort mit verschiedenen Verschutzungen versehen. In den meisten Fällen etikettieren sie die auf den Dosen angebrachten Deckel, in einigen wenigen nur die sehr flachen Deckel – hier sorgen eine spezielle Lichtschranke und angepasste Seitenbänder dafür, dass diese sehr flachen Objekte korrekt erfasst und mit Etiketten versehen werden. Die Dosen sind entweder ca. 20 mm hoch und haben einen Durchmesser von 66 mm. Oder sie sind 24 mm hoch und haben einen Durchmesser von 70 mm. Eines der Deckelformate hat einen erhabenen Rand von ca. 2 mm – auch dies gilt es beim Etikettieren zu beachten. Insgesamt wird eine Etikettiergeschwindigkeit von 175 Produkten/min erreicht.

3 HERMA_Swedish-Match_03_mittel

Ein spezielles selbstjustierendes Kamerasystem überprüft die Anwesenheit und Position der Etiketten auf dem Produkt.

Zuverlässiger Betrieb mit sehr geringem Input

Der Obenauf-Etikettierer 452E S hat viele ausgefeilte Features, die es unter anderem ermöglichen, die Etikettiertoleranz auf einem sehr geringen Niveau zu halten. Dafür inspiziert zunächst ein spezielles Kamerasystem die Produkte nach der Etikettierung. Es prüft neben der Anwesenheit auch die Position der Etiketten auf den Produkten. Die erhobenen Daten zur Etikettenposition fließen dann in die vollautomatische Justierung der nächsten Etikettierung ein. Dabei wird die Abweichung in Laufrichtung über die Etikettierer-Startverzögerung ausgeglichen und in Querrichtung über die Nachstellung der zwei produktführenden Seitenbänder. Selbst ein nicht zu 100 % korrekter Randbeschnitt der Etiketten kann durch diese individuelle Positionierung der Dosen ausgeglichen werden. Fehlende, falsch platzierte oder falsche Etiketten registriert das System und befördert Schlechtprodukte mittels Druckluftstoß in eine Ausschleusbox – ein Kontrollsensor verhindert, dass sie das System verlassen.

Eine Höhenanpassung mit Servoantrieb stellt die Höhe des Etikettierers automatisch auf das Produktformat ein. Alternativ können Bediener auch am HMI Einstellungen vornehmen – insgesamt ist jedoch nur sehr geringer Input von Bedienern erforderlich, was zu langen Produktionszeiten führt. Ein Sensor überwacht den Produktauslauf auf Staus und stoppt gegebenenfalls das Transportband, bis die Störung behoben ist. Für den einfachen und bedienerfreundlichen Etikettenrollenwechsel bewegt ein Servomotor den Etikettierer automatisch in die Grund- und Arbeitsstellung. Ein neuartiges Vakuum-Abfallsystem dient zur Entfernung und Zerkleinerung von anfallendem Trägerbandmaterial.

4 HERMA_Swedish-Match_02_mittel

Geschäftsbereichs-Leiter Martin Kühl ist stolz auf die Speziallösung, die nur minimalen Input von Bedienern erfordert.Bilder: Herma

Schnelle Umsetzung dank guter Kooperation

Auch mit der Umsetzung des Projektes insgesamt ist man in Schweden zufrieden, gelang es doch, dieses Projekt innerhalb eines engen Zeitrahmens zu verwirklichen. Und das trotz einiger zusätzlicher Schwierigkeiten: Die Verpackungsrichtlinien für Tabakprodukte, die in Norwegen verkauft werden, schreiben „Plain Packaging“ vor. Um diese Vorschriften einzuhalten, musste Swedish Match die Installation und Inbetriebnahme einiger Etikettiermaschinen neu arrangieren – mit tatkräftiger Unterstützung des Maschinenbauers. Entscheidend für den Erfolg des Projektes war dabei nicht nur die Kooperation mit Swedish Match, sondern auch die gute Zusammenarbeit der einzelnen Herma-Standorte. In Haverhill in Großbritannien wurden die Maschinen gebaut, wobei stets ein enger Austausch mit dem Hauptquartier in Filderstadt bestand. Das gesamte Projekt sei daher „ein Beispiel dafür, wie eine Sondermaschine in leicht abgewandelten Ausführungen selbst hochkom-plexe Anforderungen in mehreren Produktionslinien lösen kann“, meint daher Martin Kühl, Leiter des Geschäftsbereichs Etikettiermaschinen. Und auch Anwender Wermé beschreibt die Zusammenarbeit als „durchgehend positiv – unsere Ziele haben wir voll erreicht.“

 

Heftausgabe: Juni 2020

Über den Autor

Tamara Schempp, für Herma
Loader-Icon