P+F-Trendbericht Easy to Clean

Sauberkeit als Kostenfaktor

 

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Easyclean-Varianten erleichtern den Zugang für Reinigung und Revision. (Bild: Gericke)

Nicht alle verlangen nach Zertifikaten

Waren sich die Befragten noch einig, dass das Hygienic Design eine immer wichtigere Rolle spielt, scheiden sich die Geister bei der Frage nach den Zertifikaten. Für die Kunden von Stefan Gebhardt sind Zertifikate, wie EU 1935/2004 oder EHEDG (European Hygienic Engineering & Design Group), eine Bedingung, damit diese sich für die Produkte entscheiden.

Ein anderes Bild zeichnet Volker Spieß: So entsprächen die Produkte zwar den Richtlinien der EHEDG, allerdings lässt das Unternehmen seine Produkte nicht zertifizieren – schlicht deshalb, weil die Kunden aus dem Pulverbereich diese nicht nachfragen. Auch Theron Harbs erklärt, dass die Zertifikate nicht so häufig gefordert werden. Als möglichen Grund macht er aus, dass es seinen Kunden weniger um Standardlösungen geht, sondern meistens um „Fit-to-Purpose-Anlagen“. Robert Müller, Sales Director bei Netzsch, gibt zu bedenken, dass die Anwender hauptsächlich an der Verträglichkeit der eingesetzten Materialien interessiert sind – Stichwort FDA-Zeugnisse. Für die Kunden von Matthias Hänsel, Leiter Marketing bei Hecht, spielen ebenfalls die von Institutionen wie FDA/ASME oder Administrationen geforderten Zertifikate die größte Rolle. Zertifikate der EHEDG seien mehr „Nice to have“.
Sandra Drawe hingegen berichtet von einer expliziten Anfrage aufgrund der Tatsache, dass ein Produkt gemäß EHEDG zertifiziert ist. Zudem sieht sie vor allem auf Messen in den Zertifikaten ein wichtiges Verkaufsargument. Johan Roels zieht eine Linie zwischen der Lebensmittelindustrie und der chemischen Industrie: Für Erstere ist die EU 1935-2004 verpflichtend; weitere Zertifikate werden zwar nicht gefordert, helfen aber bei der Installation von CIP-fähigen Anlagen. Dagegen gibt es aus der Chemie keine diesbezüglichen Anfragen.

 

Welche Reinigung hätten Sie denn gern?

Für Volker Spieß steht beim Design der Maschinen- und Anlagenteile die leichte Reinigbarkeit der produktberührten Teile im Vordergrund. Daher muss der Aufbau der Maschine eine schnelle Reinigung ohne langwierige Demontage- und Rüstzeiten unterstützen sowie eine gute Zugänglichkeit ermöglichen. Sein Unternehmen setzt dabei auf WIP. Für ihn ist die Bezeichnung CIP eine, mit der Schindluder getrieben wird. Er legt Wert darauf, dass beispielsweise bei Sieben immer eine manuelle (Nach-)Reinigung nötig ist. Anwender sollten CIP-fähigen Sieben daher immer mit Skepsis begegnen. Zudem gibt es Applikationen, in denen eine Wäsche mit Wasser unmöglich ist, da dessen Einsatz in der Produktion verboten ist, etwa aufgrund der Gefahr von Keimbildung.

Bezüglich der Kundenwünsche nach „leichter zu reinigen“ oder „leichter zu demontieren“ sieht sich Gebhardt mit beiden Anfragen konfrontiert. Jedoch hätten CIP-Varianten den Vorrang, da Anwender sich dadurch die Demontage sparen können. Das sieht auch Theron Harbs: „Die leichte Reinigung wird definitiv bevorzugt, am liebsten, ohne etwas zu demontieren, weil der Kunde sonst gleich wieder ein Risiko eingeht.“ Friedrich Elz, Bereichsleiter Pharmazie bei Pharmatec Kieselmann, sieht überdies einen Trend hin zu validierbaren Prozessen, um die Produktqualität zu gewährleisten.

Interview mit Jürgen Hofmann,
Vorsitzender der EHEDG Deutschland

Nachfrage nach Seminaren ungebrochen

Pharma+Food: Herr Hofmann, erwarten Sie für die Zukunft Gesetzesänderungen beim Thema Hygienic Design?
Hofman: Nein, die derzeitige Gesetzeslage ist ausreichend, und auch Kontrollen werden nicht kommen. Allerdings wird zurzeit die DIN 1672/2 überarbeitet. Diese Norm enthält allgemeine Gestaltungsgrundsätze und Konstruktionsrichtlinien für das hygienische und prozessorientierte Design von Nahrungsmittelmaschinen. Ich erwarte die Publikationen spätestens im nächsten Jahr.

P+F: Beobachten Sie einen Trend hin zum Hygienic Design?
Hofman: Unsere Kurse und Fortbildungen, beispielsweise „Grundlagen in Hygienic Design“, sind stets gut besucht. Doch das ist bereits seit Jahren der Fall. Ich kann also nicht sagen, dass es massive Änderungen bezüglich der Nachfrage gibt. Allerdings besinnt sich beispielsweise die chemische Industrie immer mehr auf dieses Thema, da man auch dort gemerkt hat, dass eine Maschine während der Reinigung nicht betrieben werden kann. Daher ergibt das Hygienic Design im Rahmen der Reinigungszeitverkürzung und Ressourceneinsparung auch hier Sinn.

P+F: Welche Probleme bzw. Fehler beobachten Sie am häufigsten in der Praxis?
Hofman: Gerade Lebensmittelbetriebe machen sich im Vorfeld zu wenig Gedanken über ihre Maschinen. Bei der Planung einer Anlage müssen immer Aspekte der Reinigbarkeit beachtet werden, denn installierte Anlagen auf Hygienic Design zu trimmen, ist fast nicht möglich und extrem teuer.

Heftausgabe: September 2017
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Dr. Martin Large, Redaktion

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