Umfrage: Funktionale Sicherheit in der Prozessindustrie

SIL wird zum Standard

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21.06.2016 SIL-Geräte sind schwer im Kommen: Wurden vor 15 Jahren noch weniger als 5 % der Feldgeräte in der Chemie und Pharmaindustrie für Sicherheitskreise spezifiziert, sind es heute bereits rund 15 % – Tendenz weiter steigend.

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Entscheider-Facts für Betreiber

  • SIL wird in der Instrumentierung mehr und mehr zum Standard. Geräte eines gleichen Typs sollen sowohl in SIL- als auch in Nicht-SIL-Anwendungen eingesetzt werden.
  • Die Betreiber wünschen sich längere Prüfzyklen für Sicherheitseinrichtungen.
  • Sowohl bei Themen der Anlagensicherheit als auch der IT-Security sehen die Befragten in erster Linie die Betreiber in der Pflicht.
  • Die Gefahr von Cyber-Angriffen wird von mehr als der Hälfte der Befragten gesehen.
SIL wird zum Standard

Bild: Fotolia

In einer Umfrage unter Anlagenbetreibern, Planern und Geräteherstellern hat die Redaktion die aktuellen Trends in der Funktionalen Sicherheit ermittelt.

Die maßgeblichen Normen DIN EN 61508 und DIN EN 61511 liegen inzwischen beide in einer revidierten Fassung vor – darin eingeflossen sind die in rund einem Jahrzehnt gewonnenen Erfahrungen bei der Umsetzung der Normen in die Praxis. Manches, was früher durchaus unterschiedlich interpretiert werden konnte, wurde konkretisiert – neue, wiederum interpretierungsbedürftige Aspekte sind hinzu gekommen.

Unsere Umfrage hatte zum Ziel, die aktuellen Trends, den Wissensstand und die aktuellen „Aufregerthemen“ zum Thema Funktionale Sicherheit zu ermitteln. Ist SIL nach anderthalb Jahrzehnten überhaupt noch ein Thema? Definitiv ja. Deutlich wurde dies bereits anhand der überwältigenden Zahl der Befragungsteilnehmer:
1.500 Automatisierungs- und Instrumentierungsexperten haben wir dazu im März befragt. Über 700 der Angeschriebenen haben sich mit unserem insgesamt 16 Fragen umfassenden Fragebogen beschäftigt, und jede Frage wurde von rund 300 Befragten beantwortet und kommentiert.

So unterschiedlich die Fragen auch waren, eine Erkenntnis zog sich jedoch durch alle Teilergebnisse: SIL wird in der Instrumentierung mehr und mehr zum Standard. So gibt es große bis sehr große Bestrebungen, Geräte eines gleichen Typs sowohl in SIL- als auch in Nicht-SIL-Anwendungen einzusetzen. Überraschend ist dieses Ergebnis allenfalls in seiner Deutlichkeit: Schon seit Jahren berichten PLT-Spezialisten von dem Wunsch, die Lagerhaltung nicht nur aus Kostengründen vereinfachen zu wollen, sondern vor allem auch um der Verwechslungsgefahr vorzubeugen – die Maximalanforderung „SIL“ wird so mehr und mehr zum Standard. Allerdings parallel zur Betriebsbewährung, die von einigen Teilnehmern im Kommentar explizit herausgestellt wurde. Und ein Teilnehmer kritisiert, dass die Gerätehersteller zunehmend sehr empfindliche SIL-Geräte anbieten, um den PFD-Wert als Marketinginstrument zu nutzen: „Dies hat mit der Realität beim Betreiber nichts zu tun. Die Betreiber werden dadurch gezwungen, in PLT-Schutzkreisen und nicht sicherheitsgerichteten Kreisen aus Gründen der Verfügbarkeit andere Gerätetypen zu verwenden.“

Heftausgabe: Juni 2016
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Armin Scheuermann ist Chefredakteur von Pharma+Food

Über den Autor

Armin Scheuermann ist Chefredakteur von Pharma+Food
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