Pharma-Forschung

Für viele Pharmaunternehmen ist es wichtig, klinische Studien schneller umsetzen und Produktionsstätten schneller aufbauen zu können. (Bild: WavebreakmediaMicro – Fotolia)

Weniger als zwölf Monate von der Virusanalyse bis zur Impfstoffzulassung – was in der Corona-Krise möglich wurde, entspricht für Biotech- und Pharmaunternehmen in Deutschland üblicherweise leider nicht der unternehmerischen Realität. Das geht aus der Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) und des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (VFA) unter 58 Biotech- und Pharmafirmen deutlich hervor.

Bürokratie bremst Studien und neue Anlagen

Den Zahlen zufolge bilden langwierige und bürokratische Prozesse für Pharmaunternehmen das Schlusslicht bei den Standortfaktoren – mit einer Durchschnittsnote von 4,7 im internationalen Vergleich. Folglich ist es für 56 % der Betriebe äußerst wichtig, dass etwa klinische Studien schneller umgesetzt und Produktionsstätten schneller aufgebaut werden können.

VFA-Präsident Han Steutel bedauert: "Komplizierte Verfahren durch die Vielzahl der Akteure sind leider ein Charakteristikum in Deutschland. Insbesondere, wenn es um das Thema Gesundheit geht. In der Notsituation der Pandemie haben ohne Zweifel alle gut zusammengearbeitet. Das war internationale Spitzenklasse! Aber im Normalbetrieb genügt es leider nicht mehr für einen Platz ganz vorne im globalen Wettbewerb."

Insgesamt 50 % der Umfrageteilnehmer drängen auf bundeseinheitliche Datenschutzvorgaben, um beispielsweise länderübergreifende Studien schneller zu realisieren. "Pharmafirmen sollten ihre Ressourcen dort einsetzen können, wo es wirtschaftlich am sinnvollsten ist", sagt Dercks.

Auch digitale Infrastruktur hat Luft nach oben

Für 56 % der Betriebe ist zudem besonders wichtig, einen leichteren und datenschutzkonformen Zugang zu Gesundheitsdaten zu erhalten. "Unternehmen benötigen Daten, um Innovationen entwickeln zu können", so der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer. Grundvoraussetzung, um die Potenziale der Digitalisierung überhaupt ausschöpfen zu können, ist eine leistungsfähige und vernetze digitale Infrastruktur. Hier sehen die Biotech- und Pharmafirmen noch deutlich Luft nach oben – mit einer Durchschnittsnote von 4,1.

Für 46 % der Betriebe ist es daher auch besonders wichtig, dass die digitale Vernetzung weiter vorangebracht wird. Sie ist zum Beispiel wichtig, um Studien über verschiedene Standorte hinweg zu realisieren. Dabei sind auch einheitliche technische Systeme notwendig.

Förderung wird besser bewertet

Etwas besser bewerten die Unternehmen dagegen Förderungsinstrumente und Finanzierungsmöglichkeiten sowie Erstattungsregeln von Arzneimitteln. Dennoch sehen die Betriebe auch hier Handlungsbedarf: Bessere Wagnis- und Beteiligungsfinanzierungen haben für 37 % der kleinen und mittleren Betriebe hohe Priorität. Viele Pharmafirmen wünschen sich neue Vergütungsmodelle, die etwa effizienter an den individuellen Therapieerfolg gekoppelt sind.

 Von zentraler Bedeutung ist für Biotech- und Pharmafirmen zudem der Patentschutz. Für 80 % dieser Unternehmen ist dies wichtig oder äußerst wichtig, damit sich hohe Forschungs- und Entwicklungskosten für Innovationen wirtschaftlich auszahlen. Das betont auch Steutel vom VFA.

Fachkräfte und Zulieferer sind Trumpfkarten

Relativ zufrieden sind die Unternehmen mit der Fachkräftesituation, dem Netzwerk an Zulieferern und Dienstleistern vor Ort sowie der Forschungsinfrastruktur und Forschungsvernetzung.

Teils unzureichende Standortbedingungen haben forschende und produzierende Pharmafirmen in der Corona-Krise kompensiert, indem sie eigene Weichenstellungen vorgenommen haben: 84 % haben Digitalisierungsprozesse in ihren Unternehmen vorangebracht, 52 % neue Produkte und Verfahren entwickelt und 34 % die Lieferketten umgestellt.

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