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P+F-Trendbericht biopharmazeutische Produktion

Effizienz in der Produktion wird zum Schlüsselfaktor

Mit der wachsenden Weltbevölkerung und dem Zugang immer breiterer Bevölkerungs-schichten zu hochwertigen Medikamenten steigt in der Pharmaindustrie der Bedarf nach effizienten Produktionsprozessen. Spielten Produktionskosten in der Vergangenheit angesichts hoher Gewinnspannen keine große Rolle, so ändert sich dies nicht nur mit den Mengen, sondern auch mit dem wachsenden Wettbewerb. Branchenkenner schätzen, dass sich bereits bei der Entwicklung der Arzneimittel 30 % Zeit einsparen lässt, wenn die Effizienz in der Planung und Forschungslogistik gesteigert wird.

Für die Produktion von Biopharmazeutika sieht eine aktuelle Studie von Bioplan Associates mehrere Ansatzpunkte, um die Effizienz zu steigern: Flexible Produktionsstätten sollen künftig aus modularen Anlagen aufgebaut werden. Die modularen Anlagen sollen sich einfach vervielfältigen lassen, beispielsweise um die Produktion an ausländische Standorte zu verlagern. Bereits in der Entwicklung, aber auch in der späteren Produktion sollen Single-use-Systeme fest installierte Produktionseinrichtungen ersetzen. Flankiert werden diese Maßnahmen durch einen höheren Automatisierungsgrad und dem Einsatz kontinuierlicher Prozesse.

Mit der wachsenden Zahl an biopharmazeutischen Produkten und dem Einsatz neuer Produktionsprozesse steigt allerdings die Komplexität: Wo heute Monoprodukt-Anlagen die Szene beherrschen, werden künftig verstärkt flexible Mehrprodukt-Anlagen, oft ausgeführt als kontinuierliche Prozesse, zum Einsatz kommen. Dadurch entstehen neue Anforderungen an die Planung, die Ausrüstung und für das Personal, das diese Anlagen betreibt. Auch für die Überwachungsbehörden bedeuten neue Produktionsprozesse Herausforderungen. In der Folge steigt der Aufwand für die Betreiber, um GMP-Compliance sicherzustellen. (3/4)

Biopharmazeutika in Deutschland

2017 gab es 23 Zulassungen für Biopharmazeutika – mehr als je zuvor und erstmals auch mehr Zulassungen als für andere Medikamente (22), berichtet der Branchenverband vfa. Zehn dieser Biopharmazeutika waren Biosimilars.

Der Umsatz mit Biopharmazeutika summierte sich 2017 auf 10,2 Mrd. Euro, der Marktanteil lag bei 26,0 %. Allein in 2017 wurden in Deutschland in der medizinischen Biotechnologie 2.900 weitere Mitarbeiter eingestellt. Das Pharma-Segment hat in Deutschland insgesamt rund 47.000 Beschäftigte.

Heftausgabe: Pharma+Food Juli 2019
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Armin Scheuermann ist Chefredakteur von Pharma+Food

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