Geschmacks-Mechanismus zum Erkennen von Wasser

Wasser schmeckt sauer

27.06.2017 „Schmeckt wässrig“ ist in der Regel kein Kompliment für Tee, Kaffee oder andere Getränke – denn Wasser schmeckt eigentlich nach gar nichts. Dennoch erzeugt es im Mund sofort ein charakteristisches Empfinden, an dem es sofort zu erkennen ist.

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Bild: Giuseppe Porzani

„Die Zunge kann verschiedene wichtige Nährstoffe erkennen, so wie Natrium, Zucker oder Aminosäuren – am Geschmack“, erklärt Prof. Yuki Oka vom California Institute of Technology. „Aber wie wir Wasser im Mund spüren war unbekannt. Viele Insektenarten ‚schmecken‘ Wasser, also nahmen wir an, Säugetiere könnten auch einen Apparat zur Wassererkennung im Geschmackssinn haben.“

Doktorand Dhruv Zocchi testete darum an Mäusen, wie deren Geschmacksnerven auf verschiedene Geschmacksstoffe reagieren, aber auch deren Reaktion auf Wasser. Bei den fünf grundlegenden Geschmacksrichtungen – süß, sauer, bitter, salzig und umami – feuerten die Geschmacksnerven erwartungsgemäß Signale ans Gehirn. Aber auch bei reinem Wasser fingen die Wissenschaftler Geschmackssignale in den Mäusegehirnen auf. Dies deutete darauf hin, dass tatsächlich der Geschmackssinn für das Erkennen von Wasser verantwortlich ist.

Allerdings war noch unklar, ob Wasser unter eine der bekannten Geschmacksrichtungen fällt oder einem bislang unerkannten Geschmack entspricht. Darum blockierte das Forscherteam eine Gruppe von Geschmackssensoren der Mäuse nach dem anderen mit genetischen und pharmakologischen Methoden, ohne die jeweils anderen Geschmacksrichtungen dabei zu beeinträchtigen. „Zu unserer Überraschung wurden die Reaktionen auf Wasser komplett blockiert, wenn wir die Geschmackszellen für ‚sauer‘ still legten“, so Oka. Offenbar sind es also diese Sinneszellen, die den Wassergeschmack wahrnehmen und weiterleiten.

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Über den Autor

Ansgar Kretschmer, Redaktion
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