Versuch macht klug

Wasserstoffperoxid-Dekontaminationskonzepte im Praxistest

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Pilotversuche und Simulationen

Ein Großinvestor plante ein ebenso großes wie komplexes pharmazeutisches Forschungsprojekt. Unterschiedliche Referenzprojekte und der sogenannte „Stand der Technik“ zeigten jedoch, dass es viele unterschiedliche Lösungsansätze und auch Probleme mit den Material- und Personenlogistikprozessen, den Raumdesignlösungen, den Einrichtungen und vor allem mit den Dekontaminationsprozessen gibt. Der Investor beschloss darum, eine Referenzanlage mit allen Techniken und Gegebenheiten zu errichten und zu testen.

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…oder mobil in den Reinraum eingefahren werden. (Bild: Ortner Reinraumtechnik)

Die Projektpartner „HAT Hospital Technik“ in Neumarkt, das Ingenieurbüro „Weber & Partner – Dr. Udo Weber“ und das Unternehmen „Ortner Reinraumtechnik“ haben zu diesem Zweck einen praxisnahen Pilotraum mit allen gebäudetechnischen Ausstattungen und realen Einrichtungsgegenständen erstellt. Darin testeten sie für den zukünftigen Betreiber verschiedene Praktiken und Techniken, die sie ebenfalls durch wissenschaftliche Berechnungen und Simulationen untermauerten. Ziel und Auftrag war es, die beste Technik zu finden, die schlussendlich als Grundlage für die Realisierung des Großprojektes dienen sollte.

Es galt zu ermitteln, inwieweit eine wirkungsvolle Begasung über die Drallauslässe möglich ist und mit welcher Technik und Gasstrommenge sie sich erreichen lässt. Außerdem ging es darum, möglichst kurze Zykluszeiten zu erreichen, mit dem Anspruch einer praxisgetreuen Raumbelegung durch Sicherheits-werkbänke, Einrichtungen und Laborgeräte. Ein weiterer Ermittlungsauftrag waren die idealen Gasaufgabestellen und Anschlusstechniken sowie die unterschiedlichen Messtechniken.

Zusätzlich zu den praktischen Versuchen fanden empirische Berechnungen und CFD-Simulationen statt. Von der Annahme mit geringen Gasstrommengen bis hin zu ermittelten funktionierenden Minimal- bzw. Ideal-Strommengen wurden alle Varianten, unter Einbeziehung der technischen Daten der Luftauslässe, berechnet und simuliert. Die Ergebnisse waren teilweise verblüffend und lehrreich: Eindeutige Erkenntnis war, dass eine Gaseinbringung mit üblichen Gasstrommengen von 80 bis 100 m³/h aus herkömmlichen Generatoren über Lüftungssysteme nicht zum Erfolg führt. Erst ein Gasstrom von ca. 60 bis 70 % der Luftmengenauslegung reicht als Grundlage für eine praktikable Begasung. Ein weiteres Resultat war, dass die Düsentechnik und eine Änderung der Absaugstellen die Dekontaminationsergebnisse gravierend verbessert. Für die Düsentechnik ist zu erwähnen, dass einerseits einfache Düsenauslässe für kleinere Räume sehr gut geeignet sind und andererseits getaktete dynamische Strahldüsen für komplexere Anwendungen die ideale Lösung darstellen.

Heftausgabe: Mai 2019
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Über den Autor

Dr. Ing. Udo Weber, Lab ConCert; Josef Ortner, Ortner Reinraumtechnik
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