Versuch macht klug

Wasserstoffperoxid-Dekontaminationskonzepte im Praxistest

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Ergebnisse und Empfehlungen

Aus dem Pilotprojekt und den Versuchsergebnissen ließen sich deutliche Erkenntnisse ableiten: Mit einer höheren Generatorleistung von rund 350 m³/h war zwar grundsätzlich eine bessere Raumdurchmischung möglich als mit herkömmlichen Leistungsdaten, die Ergebnisse zeigten jedoch keine befriedigende homogene Verteilung im Raum. Auch hilfsweise aufgestellte Ventilatoren verbesserten die Konzentrationsverteilung im Raum nicht. Außerdem lässt sich der Prozess damit nur schwer validieren. Herkömmliche Generatoren mit einer Gas-strommenge von 30 bis 80 m³/h erzielen gute Begasungsergebnisse, wenn den Generatoren eine Gasverstärkeranlage wie die „ISU Dispence“ mit einer Luftmengenerhöhung auf bis 500 m³/h nachgeschaltet wird.

In der Literatur und bei den ersten Versuchen wurde davon ausgegangen, dass ein Konzentrationsaufbau von 800 bis 1.000 ppm zu einem sicheren Desinfektionserfolg führt. Bei einer idealen Verteilung sollte eine Konzentration von 300 ppm für eine sichere Deaktivierung vorhandener Keime ausreichen. Je nach Länge der Einwirkzeit sind auch mit 100 bis 120 ppm Desinfektionserfolge zu erzielen. Eine Log-6-Reduktion der Keimzahl ist auch mit Konzentrationen von etwa 200 ppm möglich. Ein weiterer Ansatz zur sicheren Deaktivierung ist es, die Einwirkzeit zu erhöhen. Das führt wiederum zu einer Erhöhung der Materialbeanspruchung.

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Der technische Vergleich verschiedener Generatorsysteme zeigt anhand von Herstellerangaben, mit welchen Prinzipien die jeweiligen Generatoren arbeiten und welche Merkmale das Produkt auszeichnen. (Tabelle: Hüthig GmbH)

Räume mit Innenflächen aus Edelstahl sind für Begasungsprozesse grundsätzlich gut geeignet, sind aber nicht immer möglich, gewünscht oder empfehlenswert. Oberflächen mit beständigen Beschichtungen können grundsätzlich gleich gut begast werden wie Edelstahlflächen. Dabei ist auf die Verarbeitung der Beschichtung, aber vor allem auf einen materialschonenden idealen Zyklus zu achten.

Eine Begasung über Lüftungssysteme ist zwar grundsätzlich möglich, muss aber in einem relativ großen Gasstromverhältnis erfolgen, so wie die Grundauslegung des Lüftungssystems ist. Jedoch ist diese Methode selbst bei einer guten Gasstrommenge im Vergleich zu einer Düsenvariante nicht ideal.

Kondensation ist idealerweise immer zu vermeiden. Dies lässt sich durch hohe rauminterne Turbulenzen, Erwärmen der Oberflächen, gesenkte relative Luftfeuchtigkeit oder niedrigere H2O2-Konzentration erreichen. Ein kurzfristiges Aufheizen der Raumluft oder der Oberflächen durch einen Generator ist nicht zielführend.

Heftausgabe: Mai 2019
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Über den Autor

Dr. Ing. Udo Weber, Lab ConCert; Josef Ortner, Ortner Reinraumtechnik
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