Wirkstoff gegen Resistenz

WHO empfiehlt Malaria-Prävention von BASF

14.07.2017 BASF hat ein langwirkendes, insektizid-behandeltes Moskitonetz mit Wirkstoff auf Chlorfenapyr-Basis entwickelt. Die Methode zur Prävention von Malaria ist seit mehr als 30 Jahren das erste auf einer neuen Klasse von Insektiziden basierende Produkt, das eine Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO erhalten hat.

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Interceptor G2 ist das erste von der WHO empfohlene Moskitonetz mit neuem Wirkstoff, welches wirksam gegen resistente Moskitos ist. (Bild: Andres/BASF)

Interceptor G2 ist das erste von der WHO empfohlene Moskitonetz mit neuem Wirkstoff, welches wirksam gegen resistente Moskitos ist. (Bild: Andres/BASF)

Das Moskitonetz mit dem Namen Interceptor G2 könne ab Ende dieses Jahres für Gesundheitsbehörden und Hilfsorganisationen verfügbar sein, meldet BASF. Der genaue Zeitpunkt sei von lokalen Zulassungsverfahren abhängig.

Insektizid mit seltener Kombination von Eigenschaften

In einer über 10-jährigen Zusammenarbeit mit dem Innovative Vector Control Consortium (IVCC) und der London School of Hygiene & Tropical Medicine ist es BASF-Wissenschaftlern gelungen, Chlorfenapyr für die neue Anwendung auf Moskitonetzen wirksam einzusetzen und die strengen WHO-Richtlinien für die öffentliche Gesundheit zu erfüllen. Dave Malone, Technischer Manager bei IVCC, erklärt hierzu: „Durch die Zusammenarbeit mit BASF haben wir Zugang zu einem Insektizid mit einer seltenen Kombination von Eigenschaften erhalten: neu im Bereich Öffentliche Gesundheit, wirksam gegen resistente Moskitos und geeignet für die langanhaltende Beschichtung von Polyesternetzen.“ Ein zweites Chlorfenapyr-Produkt, Sylando 240SC, ein Spray zur Anwendung auf Decken und Wänden in Innenräumen, befindet sich ebenfalls in der Endphase der WHO-Evaluation.

Alle zwei Minuten stirbt auf der Welt ein Kind an Malaria und jährlich infizieren sich mehr als 200 Millionen Menschen neu. Malaria ist eine der Hauptursachen für globale Armut. Die Belastung durch Malaria trifft vor allem die Schwächsten. Langwirkende insektizid-behandelte Moskitonetze und Sprays für Innenräume sind die Eckpfeiler der Malariavorbeugung, insbesondere in Afrika südlich der Sahara. 60 Länder berichten jedoch bereits von Resistenzen gegen mindestens eine Klasse der bisher eingesetzten Insektizide. Ein Teil des Problems besteht darin, dass es bislang nur vier WHO-empfohlene Insektizid-Klassen zur Moskitobekämpfung gibt. Nur eine davon, die Pyrethroid-Klasse, wurde für die Anwendung auf Moskitonetzen empfohlen. Die kontinuierliche Verwendung derselben Insektizide hat dazu geführt, dass die äußerst anpassungsfähigen Moskitos signifikante Resistenzniveaus entwickelt haben.

Für das Resistenzmanagement sind neue Produkte nötig

Malaria ist jährlich für über 200 Mio. Krankheits- und fast 500.000 Todesfälle verantwortlich. Statistisch stirbt alle zwei Minuten ein Kind daran. (Bild: Hantzschel/BASF)

Malaria ist jährlich für über 200 Mio. Krankheits- und fast 500.000 Todesfälle verantwortlich. Statistisch stirbt alle zwei Minuten ein Kind daran. (Bild: Hantzschel/BASF)

Die medizinische Entomologin Prof. Hilary Ranson von der Liverpool School of Tropical Medicine forscht seit vielen Jahren an diesem Problem. „Wir müssen Resistenzen gegen Insektizide sehr ernst nehmen“, erklärt Prof. Ranson. „In manchen Ländern ist das Resistenzniveau der Moskitopopulation um das Tausendfache gestiegen. Seit Jahren ist keine neue Insektizid-Klasse für den Einsatz im Bereich Öffentliche Gesundheit auf den Markt gebracht worden. Alternativen werden dringend gebraucht.“

„Für das Resistenzmanagement werden dringend neue Produkte benötigt. So können wir gegen Krankheiten vorbeugen, die durch Moskitos übertragen werden, und damit Leben retten“, betont Egon Weinmüller, Leiter der BASF-Geschäftseinheit Public Health. „Dieser Durchbruch bei der Entwicklung bestärkt mich in meiner persönlichen Überzeugung, dass unsere Generation es tatsächlich schaffen kann, Malaria für immer ein Ende zu bereiten.“

Chlorfenapyr wurde durch Isolation eines Toxins aus dem Aktinomyzet Streptomyces fumanus gewonnen. Dieser Wirkstoff ist neu auf dem Gesundheitsmarkt, wird aber seit 1995 in der Landwirtschaft und in der städtischen Schädlingsbekämpfung sowie in Privathaushalten und Bereichen, in denen mit Lebensmitteln umgegangen wird, verwendet. Chlorfenapyr gehört zur chemischen Klasse der Pyrrole und weist eine völlig andere Wirkungsweise auf als die derzeit von der WHO genehmigten Insektizide für den Einsatz im Bereich Öffentliche Gesundheit. Es stört die Fähigkeit des Insekts Energie herzustellen. Aufgrund dessen sind Kreuzresistenzen bei Moskitos, die gegen derzeit registrierte Insektizide für den Einsatz im Bereich Öffentliche Gesundheit resistent sind, unwahrscheinlich.

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