Vielversprechende Tests

Wirkstoff von Bayer könnte gegen Covid-19 helfen

25.03.2020 Der in den 1930er Jahren in Elberfeld entwickelte Wirkstoff Chloroquin wurde jahrzehntelang unter dem Namen Resochin zur Malariaprävention eingesetzt. Hersteller Bayer hat nach einer Anfrage aus China die Produktion in der einzigen verbleibenden Produktionsanlage in Pakistan hochgefahren.

Der Wirkstoff ist mittlerweile nur noch in Pakistan erhältlich: „Die erste Anfrage erhielt ich am frühen Morgen des 5. Februar“, erinnert sich der Werksleiter des dortigen Standorts, Khalid Mahmood. Die Gesundheitsbehörden der Provinz Guangdong in China hatten Resochin-Tabletten angefordert, um zu testen, ob das Medikament zur Behandlung von Coronavirus-Infektionen eingesetzt werden kann. „Wir arbeiteten bis 11 Uhr nachts durch, und bis zwei Uhr morgens hatten wir alle notwendigen Unterlagen zusammengestellt.

Trotz eines Nationalfeiertags in Pakistan, an dem alle lokalen Behörden geschlossen waren, gelang es den Kollegen, die notwendigen Genehmigungen zu erhalten und den Transport zu organisieren. Bayer stellte insgesamt 300.000 Resochin-Tabletten kostenlos zur Verfügung. Der gesamte Prozess – vom ersten Kontakt bis zum Versand der Produkte – dauerte vier Tage.

Bereits 2003 zeigte Resochin Wirkung gegen das erste SARS-Virus. Seine Wirksamkeit gegen das Coronavirus wird derzeit in mehreren klinischen Studien in China untersucht. Die chinesischen Behörden haben es bereits in den Katalog der potenziell hilfreichen Produkte aufgenommen.

Wirkungsweise nicht vollständig geklärt

Ärzte halten es für eine vielversprechende Behandlung für schwerkranke Coronavirus-Patienten. „In einer so genannten In-vitro-Studie in Zellkulturen konnten Forscher in China nachweisen, dass Resochin die Vermehrung des Virus hemmt“, erklärt Dr. Martin Springsklee, Leiter des Bereichs Global Medical Affairs Antiinfektiva bei Bayer. „Die Wirkungsweise ist noch nicht vollständig geklärt, aber man geht davon aus, dass Resochin sowohl den pH-Wert in den Zellen erhöht als auch die Andockstellen des Virus verändert, wodurch es für den Erreger schwieriger wird, die Epithelzellen der Atemwege zu infizieren. Wir warten jedoch noch immer auf die Ergebnisse der klinischen Studien“.

Dem Beispiel der Chinesen folgend, sind inzwischen auch andere Regierungen wegen Resochin an Bayer herangetreten. So führt das Unternehmen beispielsweise derzeit Gespräche mit dem Bundesgesundheitsministerium über den Import des Wirkstoffs nach Deutschland. Im Mittelpunkt der Gespräche steht derzeit die Untersuchung von Chloroquin in der klinischen Anwendung bei SARS-CoV-2-Patienten in Berlin im Rahmen einer Kooperation mit der Charité. Mit der Regierung der USA ist bereits eine Spende von drei Millionen Tabletten ausgearbeitet. (ak)

Loader-Icon